Haftung des Verwalters / 1.6 Mitverschulden

Stets hat sich der Geschädigte ein anspruchsminderndes Mitverschulden zurechnen zu lassen, wenn sein Verschulden bei der Entstehung des Schadens mitgewirkt hat. Ein Mitverschulden im Sinne von § 254 Abs. 1 BGB liegt vor, wenn der Geschädigte diejenigen Sorgfaltspflichten missachtet, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eines eigenen Schadens anzuwenden pflegt. Es handelt sich hierbei um ein Verschulden "gegen sich selbst". Kennt der Geschädigte die Gefahrenquelle sogar oder ist er ggf. selbst für einen gefahrlosen Zustand (mit)verantwortlich, so ist ein Mitverschulden unzweifelhaft zu bejahen und es wäre unbillig, ihm gegen den Schuldner den vollen Schadensausgleich zuzubilligen. Die Verschuldensquote bzw. der anspruchsmindernde Anteil des Mitverschuldens richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Einzelfalls.

Bedeutung kommt einem Mitverschulden insbesondere dann zu, wenn der Verwalter wegen der Verletzung von Verkehrssicherungspflichten in Anspruch genommen wird. Aber auch im Übrigen ist stets zu prüfen, ob insbesondere bei Pflichtverletzungen, die auf einer Beschlussfassung der Wohnungseigentümer beruhen, auch deren Mitverschulden anspruchsmindernd zu berücksichtigen ist.

 

Praxis-Beispiel

Spekulative Anlage der Instandhaltungsrücklage

Beschließen die Wohnungseigentümer eine spekulative Anlage der Instandhaltungsrücklage und weist der Verwalter die Eigentümerversammlung nicht auf die besonderen Risiken hin, kann ihm der Vorwurf eines Mitverschuldens für Verluste gemacht werden.

 

Praxis-Beispiel

Unterlassener Hinweis auf Fördermittel

Soweit man im Rahmen der Beschlussfassung überhaupt von einer Verpflichtung des Verwalters ausgehen wollte, dieser müsse auf etwaige Fördermittel hinweisen, wäre jedenfalls den Wohnungseigentümern der Vorwurf eines Mitverschuldens zu machen, weil die Existenz von Fördermitteln allgemein als bekannt unterstellt werden kann.

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