Entgeltpunkte / 3 Entgeltpunkte (Ost)

Unter anderem für Zeiten

  • mit Beiträgen aus Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit,
  • des Wehr- oder Zivildienstes,
  • eines Sozialleistungsbezugs,
  • der Erziehung eines Kindes (Kindererziehungszeiten),
  • der nicht erwerbsmäßigen Pflege

im Beitrittsgebiet und

  • bestimmte Reichsgebiets-Beitragszeiten (insbesondere Beiträge in den früheren deutschen Ostgebieten)

werden grundsätzlich Entgeltpunkte (Ost) ermittelt, für die bei der Rentenberechnung der aktuelle Rentenwert (Ost) gilt. Für den Sozialleistungsbezug werden nur Entgeltpunkte Ost ermittelt, wenn das der versicherungspflichtigen Sozialleistung zugrunde liegende Arbeitsentgelt/Arbeitseinkommen im Beitrittsgebiet erzielt wurde.

3.1 Rechengrößen (Ost)/aktueller Rentenwert (Ost)

Für Zeiten bis zum 31.12.2024 gelten nach § 228a Abs. 1 SGB VI im Beitrittsgebiet anstatt der Bezugsgröße die Bezugsgröße (Ost) und anstatt der Beitragsbemessungsgrenze die Beitragsbemessungsgrenze (Ost). Die noch niedrigeren Verdienste (Ost) werden – ebenfalls für Zeiten bis zum 31.12.2014 – mittels der Anlage 10 zum SGB VI auf Westniveau hochgewertet. Dadurch entstehen vergleichbare Positionen an Entgeltpunkten, für die allerdings aufgrund der aktuellen Einkommensunterschiede (zzt. noch höheres Einkommensniveau in den alten Bundesländern) grundsätzlich der niedrigere aktuelle Rentenwert (Ost) maßgebend ist.

Mit dem Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz hat der Gesetzgeber den Weg dafür geebnet, dass künftig in Ost und West eine einheitliche Rentenberechnung erfolgen kann. Bezogen auf die Entgeltpunkte (Ost) und den aktuellen Rentenwert (Ost) bedeutet dies Folgendes:

  • Entgeltpunkte (Ost) werden zum 1.7.2024 "1:1" durch Entgeltpunkte ersetzt
  • der aktuelle Rentenwert (West) tritt zum 1.7.2024 an die Stelle des aktuellen Rentenwerts (Ost)

3.2 Beitragsfreie/beitragsgeminderte Zeiten

Beitragsfreie und beitragsgeminderte Zeiten erhalten bis 30.6.2024 Entgeltpunkte (Ost) bzw. Zuschläge an Entgeltpunkten (Ost) in dem Verhältnis, in dem die für die Ermittlung des Gesamtleistungswerts zugrunde gelegten Entgeltpunkte (Ost) zu allen zugrunde gelegten Entgeltpunkten stehen (Gesamtleistungsbewertung).

3.3 Feststellung der Entgeltpunkte für Beitragszeiten

Die Entgeltpunkte (Ost) für Verdienste in den neuen Bundesländern (Beitragszeiten im Beitrittsgebiet) sind ebenso wie bei Entgeltpunkten für die alten Bundesländer aus dem Verhältnis der individuellen Beitragsbemessungsgrundlagen zu dem jeweiligen Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung zu berechnen.

Allerdings werden die Individualverdienste zuvor für Zeiten bis zum Jahr 2024 mit den Faktoren der Anlage 10 zum SGB VI (Verhältniswerte Durchschnittsentgelte West zu Ost) auf Westniveau hochgewertet.

 
Praxis-Beispiel

Anpassung an höheres Einkommensniveau

 
a) Verdienst für 2018 30.000 EUR x 1,1339 = 34.017,00 EUR
b) Verdienst für 2019 50.000 EUR x 1,0840 = 54.200,00 EUR
c) Verdienst für 2020* 77.400 EUR x 1,0700 = 82.818,00 EUR
* in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (Ost)  
Hinweis: Das Arbeitsentgelt im Fall c) liegt nach Hochwertung über der Beitragsbemessungsgrenze (West) für das Jahr 2020 i. H. v. 82.800 EUR und ist damit nicht auf diesen Wert zu begrenzen. Aus den hochgewerteten Verdiensten resultieren folgende Entgeltpunkte (Ost):
a) für 2018 34.017,00 EUR / 38.212 EUR
(Durchschnittsentgelt) =
0,8902 Entgeltpunkte (Ost)
b) für 2019 54.200,00 EUR / 38.901 EUR
(vorläufiges Durchschnittsentgelt) =
1,3933 Entgeltpunkte (Ost)
c) für 2020 82.800,00 EUR / 40.551 EUR
(vorläufiges Durchschnittsentgelt) =
2,0419 Entgeltpunkte (Ost)

Obwohl die Verdienste auch in dem Zeitraum vom 1.7.2024 bis 31.12.2024 mit dem Faktor der Anlage 10 zum SGB VI hochgewertet werden, resultieren hieraus keine Entgeltpunkte (Ost) mehr, sondern Entgeltpunkte, für die dann der aktuelle Rentenwert (West) maßgebend ist.

Mindestentgeltpunkte bei geringem Arbeitsentgelt

Die Regelungen über Mindestentgeltpunkte gelten auch für Arbeitsentgelte in den neuen Bundesländern und für Reichsgebiets-Beiträge.

3.4 Zu berücksichtigende Ost-Verdienste

Als Verdienste im Beitrittsgebiet, die bis zum 31.12.2024 mit den Werten der Anlage 10 hochgewertet werden, zählen überwiegend

  • Arbeitsverdienste aus abhängiger Beschäftigung oder selbstständiger Tätigkeit, für den Beiträge zur DDR-Sozialpflichtversicherung bzw. ab 1.7.1990 bis zum 31.12.2024 zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt worden sind,
  • der Verdienst für freiwillige Rentenversicherungsbeiträge nach DDR-Recht, einschließlich der freiwilligen Zusatzrentenversicherung (FZR),
  • sonstige Beitragsbemessungsgrundlagen (z. B. für Wehr- und Zivildienst oder Pflegetätigkeit im Beitrittsgebiet).
 
Hinweis

Freiwillige Mindestbeiträge (Ost) nur bis 31.3.1999

Bei freiwilligen Beiträgen zur Anwartschaftserhaltung für eine Erwerbsminderungsrente ist als Arbeitsverdienst 1/7 der Bezugsgröße (Ost) zu berücksichtigen (mtl. 530 DM). Diese Regelung galt nur bis Ende März 1999. Freiwillige Beiträge seit 1.4.1999 führen generell zu Entgeltpunkten, für die der aktuelle Rentenwert für die alten Bundesländer gilt.

3.4.1 Höhere Arbeitsverdienste in der ehemaligen DDR

Versicherte, die nachweisen, dass sie bis 30.6.1990 ein höheres Arbeitseinkommen hatten als gesetzlich versicherbar war und entsprechend Höchstbeiträge (einsc...

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