Rz. 1

 

Zum Thema

Böhme/Biela, 25. Aufl. 2013, Kap. 4 Rn 180ff.; Heß/Jahnke, S. 52; Jahnke/ThinesseWiehofsky, Unfälle mit Kindern und Arzthaftung bei Geburtsschäden, 1. Aufl. 2013, §2 Rn 74ff.; Küppersbusch/Höher, 11. Aufl. 2013, Rn 169ff.

 

Rz. 2

 

Übersicht 7.1: Lebensalter und Verantwortlichkeit

vollendetes Lebensalter Deliktische Handlungen - Zivilrecht
Fahrlässigkeit Vorsatz
Unfall mit einem Kfz, einer Schienenbahn oder einer Schwebebahn Unfall außerhalb des motorisierten Verkehrs unabhängig von einer Beteiligung des motorisierten Verkehrs
Nasciturus

§844 II 2 BGB; §823 BGB, §7 StVG (u.Ä. Vorschriften)

Anspruchsberechtigung, kein eigenes Mitverschulden
Geburt

§828 I BGB

generell keine eigene zivilrechtliche Verantwortlichkeit und kein eigenes Mitverschulden

7.

Lebensjahr

10.

Lebensjahr

§828 II 1 BGB

keine eigene zivilrechtliche Ver­antwortlichkeit und kein eigenes Mitverschulden (bei Unfällen ab dem 1.8.2002)

§828 III BGB

keine zivilrechtliche Verantwortlichkeit und kein Mitverschulden bei fehlender Einsichtsfähigkeit

§828 II 2, III BGB

keine zivilrechtliche Verantwortlichkeit und kein Mitverschulden bei fehlender Einsichtsfähigkeit

14.

Lebensjahr

§828 III BGB

keine zivilrechtliche Verantwortlichkeit und kein Mitverschulden bei fehlender Einsichtsfähigkeit

18.

Lebensjahr

§828 III BGB

keine Einschränkung von zivilrechtlicher Verantwortlichkeit und Mitverantwortlichkeit

21.

Lebensjahr
 

Rz. 3

Bei einem Unfall können Kinder sowohl Opfer wie auch Täter sein. Diese Doppelstellung ist nicht erst durch die Regelung m.W.v. 1.8.2002 eingeführt, sie galt schon zuvor für Kinder, die das 7. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten: Der Anwendungsbereich für Unfälle im motorisierten Verkehr ist lediglich auf die Altersgruppe der 7- bis 10-Jährigen ausgedehnt worden. §828 II BGB gilt unabhängig davon, ob das an einem Unfall mit einem Kfz beteiligte Kind Schädiger ("Kind als Täter") oder Geschädigter ("Kind als Opfer") ist.[1]

 

Rz. 4

Haftung und Mithaftung der Kinder richten sich an denselben Maßstäben aus. Kinder müssen deliktsfähig sein, wenn ihnen ein Verhalten anspruchsmindernd zugerechnet werden soll.[2] §828 BGB gilt umgekehrt auch für einen den Kindern gegenüber erhobenen anspruchskürzenden Mithaftungseinwand – passive Haftung – (§254 BGB, §9 StVG, §4 HaftPflG). Das Verschulden beurteilt sich nach §276 BGB (Vorsatz, Fahrlässigkeit), die Zurechnungsfähigkeit nach §828 BGB.

 

Rz. 5

Wegen der Maßgeblichkeit des §828 BGB für das Mitverschulden (§254 BGB) und der bereits in Sondergesetzen regelmäßig enthaltenen Verweisungsnormen bedarf es keiner ausdrücklichen entsprechenden Aufnahme dieser Regelung in weitere Haftungsgesetze.

[1] BGH v. 21.12.2004 – VI ZR 276/03 – DAR 2005, 150 (Anm. Diederichsen DAR 2005, 301) = NJW-RR 2005, 327 = NZV 2005, 185 = r+s 2005, 349 (nur Ls.) = VersR 2005, 378 = VRS 108, 248; BGH v. 30.11.2004 – VI ZR 365/03 – DAR 2005, 148 = MDR 2005, 390 = NJW 2005, 356 = NJW-Spezial 2005, 162 (Anm. Heß) = NZV 2005, 139 = r+s 2005, 83 (Anm. Lemcke) = SP 2005, 102 = SVR 2005, 74 (nur Ls.) (Anm. Nickel) = VerkMitt 2005, Nr. 29 = VersR 2005, 380 = VRS 108, 172 = zfs 2005, 177 (Anm. Diehl); BGH v. 30.11.2004 – VI ZR 335/03 – BGHZ 161, 180 = DAR 2005, 146 (Anm. Huber DAR 2005, 171) = MDR 2005, 506 = NJW 2005, 354 = NZV 2005, 137 = r+s 2005, 80 = SP 2005, 79 = SVR 2005, 73 (nur Ls.) (Anm. Schwab) = VersR 2005, 376 = zfs 2005, 174 (Anm. Diehl).
[2] BGH v. 29.10.1974 – VI ZR 159/73 – MDR 1975, 219 = VersR 1975, 133.

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