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Fussball-WM: Arbeiten während Deutschland spielt = Höchststrafe?

Kann der Arbeitgeber den WM-Fan trotz Deutschlandspiel am Arbeitsplatz festhalten
Bild: Haufe Online Redaktion

Alles grillt und trinkt und gröhlt- nur einer muss arbeiten? Kann der Arbeitgeber das wirklich verlangen, wenn er weiß, dass es sich bei seinem Mitarbeiter um einen ausgewiesenen Fußballfan handelt.

Der Spagat zwischen den Wünschen von Fußballfans auf Verfolgung zumindest der wichtigen Spiele und den Arbeitserfordernissen im jeweiligen Job dürfte in nicht wenigen Fällen zu Differenzen führen, zumindest dann, wenn der Chef kein ausgewiesener Fußballfan ist.

Vorteil Zeitverschiebung

Ein Vorteil ist in diesem Jahr die Zeitverschiebung von 4-6 Stunden zwischen Deutschland und den drei brasilianischen Zeitzonen. Vor 18:00 Uhr unserer Zeit wird kaum ein Spiel angepfiffen, aber nicht jeder Arbeitnehmer wird pünktlich um 18:00 Uhr zuhause oder beim Public-Viewing sein können. Grundsätzlich ist es deshalb kein Fehler, sich mit der objektiven Rechtslage im Spannungsverhältnis Fußball und Arbeitspflichten vertraut zu machen.

Direktionsrecht des Arbeitgebers

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber aufgrund seines Direktionsrechts das Ansehen von Fußballspielen im Fernsehen während der Arbeitszeit verbieten. Ist dem Arbeitnehmer die private Nutzung des Internets gestattet, so dürfen Fußball-Fans wohl hin und wieder einen Blick auf den Liveticker riskieren, ohne ihre arbeitsrechtlichen Verpflichtungen zu verletzen. Längeres Fernsehen ohne ausdrückliche Zustimmung des Chefs ist aber nicht zulässig.

Wer auf Fußball unter keinen Umständen verzichten will, muss entweder mit seinem Arbeitgeber rechtzeitig Vereinbarungen treffen oder aber Urlaub beantragen. Nach § 1  Absatz 1 BUrlG sind die Wünsche des Arbeitnehmers insofern grundsätzlich zu beachten. Bei dringenden Großaufträgen oder wenn zu viele Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub beantragen, ist aber auch der Urlaubsantrag kein sicherer Weg. Gegebenenfalls hat der Betriebsrat gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG über die Zurückweisung eines Urlaubsantrags mitzubestimmen.

ArbG Frankfurt entschied fußballfreundlich

Anlässlich der Fußball-WM 2010 hatte das ArbG Frankfurt einen Fall zu entscheiden, in dem ein Finanzdienstleistungsunternehmen seinem aus Kamerun stammenden Mitarbeiter unter anderem mit der Begründung kündigte, dieser habe während seiner Arbeitszeit ohne Erlaubnis am Kundenschalter des Unternehmens einen mitgebrachten tragbaren Fernseher aufgestellt und ein Fußballspiel angeschaut. Nach Auffassung des Arbeitgebers war das Arbeitszeitbetrug. Das ArbG ließ aber weder die erklärte fristlose noch die fristgerechte Kündigung durchgehen.

Fußball genießt hohen sozialen Stellenwert

Nach Auffassung des ArbG rechtfertigt das erstmalige Ansehen eines Fußballspiels während einer Fußball-WM nicht die Annahme eines wichtigen Kündigungsgrundes im Sinne von § 626 Abs. 1 BGB. Während einer WM ist nach Auffassung des ArbG das Ansehen eines Spiels sozialadäquat, auch wenn es eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten darstelle. Diese wiege aber nicht so schwer, dass dem Arbeitgeber eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuzumuten sei.

Unter Hinweis auf die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs wies das ArbG auch die ordentliche Kündigung zurück. Der Arbeitnehmer habe sich zwar arbeitsrechtswidrig verhalten, dies rechtfertige eine verhaltensbedingte Kündigung aber nicht ohne vorherige Abmahnung, die im entschiedenen Fall nicht erteilt worden war (ArbG Frankfurt, Urteil v. 9. 2. 2011, 7 Ca 4868/10).

Absprache zwischen AN und AG ist sinnvoll

Auf die fußballfreundliche Entscheidung des AG Frankfurt sollte man sich im Einzelfall aber nicht verlassen. Anders ist der Fall wahrscheinlich schon dann zu beurteilen, wenn der Arbeitgeber vor der WM ausdrücklich auf das Verbot des Ansehens von Fußballspielen während der Arbeitszeit hinweist. Deshalb dürfte es aus Sicht von Arbeitnehmer und Arbeitgeber immer sinnvoll sein, in Erwartung der WM rechtzeitig sinnvolle Absprachen über das Anschauen von Fußballspielen und mögliche Arbeitszeitverschiebungen zu treffen. Dies gilt auch für das Verfolgen einer Fußballspielübertragung im Radio. Diese wird der Arbeitgeber aber zumindest dann nicht verbieten können, wenn die zu erbringende Arbeitsleistung auch mit Radio ohne Qualitätseinbußen möglich ist.

Der wahre Fan will sich outen

Arbeitnehmer, die unbedingt im Fußball-Trikot zur Arbeit kommen wollen, sind hieran nur dann nicht gehindert, wenn keine besonderen Bekleidungsvorschriften bestehen. Klinik-Personal beispielsweise muss i.d.R. trotz Fußball-WM weiße Kleidung tragen. Das Schmücken des Schreibtisches mit Deutschland-Fähnchen muss mit dem Chef abgesprochen werden. Als Eigentümer des Arbeitsplatzes hat dieser das Bestimmungsrecht darüber, wie der Arbeitsplatz zu gestalten ist. Anstoßen mit Alkohol auf ein gewonnenes Spiel ist nur bei ausdrücklicher Erlaubnis das Chefs erlaubt

Fußballfieber färbt auf das Recht ab

Trotz aller rechtlichen Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben ist nicht zu verkennen, dass die Fußball-WM der Anwendung des Rechts in mancherlei Hinsicht eine eigene Farbe verleiht.

Besonders deutlich zeigt dies die Entscheidung des ArbG Frankfurt, das unter Hinweis auf die hohe gesellschaftliche Wertschätzung des Fußballs arbeitsrechtliche Kündigungsvorschriften unter diesem Gesichtspunkt ausgelegt hat.

Aber auch die deutschlandweit angeordnete Erlaubnis zum Public Viewing bis in die späten Abendstunden, die allgemein übliche Abstinenz der Polizei bei nächtlichen Autokorsos nach einem gewonnenen Spiel und nicht zuletzt das vielerorts anzutreffende Einvernehmen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern über Fußball und Arbeit zeigen, dass während der WM auch rechtlich einiges anders und lockerer gesehen wird als sonst - und das ist gut so.

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