30.03.2015 | Arbeitsunfall

Unfall in der Mittagspause auf dem Weg zum Essen

Unfall auf dem Weg zum Hamburger oder zur Schnellreinigung - wann ist es ein Arbeitsunfall?
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer arbeitet, muss auch essen und zwar normalerweise nicht am Arbeitsplatz. Der Weg zum Essen steht deshalb auch unter dem Schutz der Unfallversicherung. Alles andere aber nicht. Das wirft, wie so oft beim Thema Arbeitsunfall, bizarre Fragen auf und führt zu seltsamen Abgrenzungen.

Ein Unfall in der Mittagspause – grundsätzlich greift auch hier die gesetzliche Unfallversicherung. Allerdings nicht für alle Dinge, die man in einer Mittagspause so erledigen kann.

Wohin führen die mittäglichen Schritte? Die Antwort entscheidet über den Versicherungsschutz

Wer zum Beispiel neben der Nahrungsaufnahme noch einen kleinen Abstecher macht, um andere, private Dinge zu erledigen, ist genau dann nicht mehr versichert.

Versichert ist nur, wer mit der Motivation der Nahrungsaufnahme unterwegs ist

Allgemein gilt: Unfälle, die sich in Pausen ereignen, sind nur dann versichert, wenn der Versicherte im konkreten Zeitpunkt des Unfallereignisses mit der Motivation der Nahrungsaufnahme unterwegs war. Bei anderen privaten Verrichtungen entfällt der Versicherungsschutz. Besonders schwierig für Betroffene: Bei ihnen liegt die Beweislast. Wie heikel das sein kann, musste eine Sekretärin feststellen, die in ihrer Mittagspause in der Frankfurter Fußgängerzone stürzte und sich eine Halsmarkquetschung zuzog.

Schlecht: Unfall auf dem Weg zu einer Reinigung

Die Unfallgenossenschaft lehnte eine Entschädigung mit der Begründung ab, dass sich die Frau im Unfallzeitpunkt auf dem Weg zu einer Reinigung befunden habe, um Kleidung abzuholen. Anscheinend hatte sich die Frau dahingehend gegenüber der Berufsgenossenschaft geäußert.

Fast-Food oder Schnellreinigung - das ist hier die Frage

Die verletzte Sekretärin hatte argumentiert, sie habe sich beim Sturz auf der Treppe an der Frankfurter Hauptwache auch auf dem Weg zu einem neben der Reinigung liegenden Fast-Food-Restaurant befunden. Doch das überzeugte die Richter nicht.

  • Das LSG Hessen erkannte zwar, dass es letztlich nicht zweifelsfrei klären könne, ob die Frau die Treppe mit dem Ziel betreten habe, um im Schnellrestaurant zu essen.
  • Doch diese Zweifel reichten dem Gericht, um einen Anspruch gegen die Unfallversicherung zu verneinen.

(LSG Hessen, Urteil v. 24.03.2015, L 3 U 225/10).

Hintergrund: Die Rechtsprechung zur Unfallversicherung ist verzwickt und heikel. Dass es selbst bei der Nahrungsaufnahme zu Unfällen kommen kann, die nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt sind, zeigt u.a. ein Urteil des SG Karlsruhe vom 5.3.2013 (S 1 U 4282/12).  Wer zum Beispiel eine fremde Kantine nutzt, die außerhalb des eigenen Betriebsgeländes liegt, für den gilt der Versicherungsschutz nur auf dem Hin- und Rückweg zu dieser Kantine. Passiert dagegen auf Wegen im Gebäude der fremden Kantine etwas, muss die Unfallversicherung nicht zahlen.

Vgl. zum Thema Arbeitsunfall auch:

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Schlagworte zum Thema:  Arbeitsunfall, Wegeunfall, Berufsgenossenschaft, Gesetzliche Unfallversicherung

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