Kienbaum People Convention erreicht Rekordzahlen
Noch im vergangenen Jahr um diese Zeit gingen viele Unternehmen mit künstlicher Intelligenz (KI) eher spielerisch um – sie explorierten mit unschuldiger Neugier die neuen Möglichkeiten von ChatGPT und anderen Anwendungen. Inzwischen ist es keine Frage mehr, ob KI im Unternehmen zum Einsatz kommen wird. Es ist nur noch offen, wo, wann und in welchem Ausmaß – und wie mit ethischen Bedenken und Datenschutz umzugehen ist. Dieser Trend zeigte sich auch im Motto der diesjährigen Kienbaum People Convention, die am 13. Juni 2024 stattfand.
People Convention mit Teilnehmer-Rekord
Unter dem Titel "Next-Gen HR: Building HumAIn Relations" thematisierte das Event die Suche nach dem Sweet Spot zwischen technischem Fortschritt und menschlichen Beziehungen, wie Kienbaums Co-Chief Empowerment Officer Bibi Hahn in ihrer Begrüßung ankündigte. Die Convention fand wie im vergangenen Jahr virtuell statt und erreichte mit mehr als 3.600 zugeschalteten Teilnehmenden erneut Rekordzahlen.
Der Tradition folgend eröffnete Walter Jochmann, Geschäftsführer der Kienbaum Management Consultants, die Convention mit seiner Analyse, die inoffiziell auch "Rede zur Lage der HR-Nation" genannt wird. Dieses Jahr trug sie den Titel "Catch24 – HR zwischen Effizienzdruck, Talentmangel & KI-Welle" und befasste sich mit den Herausforderungen, die durch diese drei Themenfelder entstehen.
HR muss sich neu beweisen
Der Hype um HR, von dem Jochmann letztes Jahr in seiner Rede mit dem Thema "Verkauft sich HR zu gut?" gesprochen hat, scheint vorbei zu sein. 2023 war die Stimmung optimistisch, HR-Jobs galten als attraktiv und boten hervorragende Perspektiven. Doch nun steht HR laut Jochmann vor der komplexen Aufgabe, sich in einem Umfeld zu behaupten, das von technologischen Umbrüchen, zurückgehender Produktivität und hoher Exportabhängigkeit geprägt ist. "Wir stehen zwischen den Linien und müssen uns neu beweisen", betonte er. Der technologische Fortschritt, insbesondere im Bereich der KI, spielt dabei eine zentrale Rolle.
HR und Führungskräfte stellen sich auf noch mehr Unsicherheit ein
Jochmann ging in seiner Rede auf das Akronym BANI (Brittle, Anxious, Non-linear, Incomprehensible, deutsch: brüchig, ängstlich, nicht-linear, unfassbar) ein, das die veränderten Anforderungen an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft beschreiben soll. BANI löst zunehmend das immer noch häufig genutzte VUCA (volatility, uncertainty, complexity und ambiguity, deutsch: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Vielschichtigkeit) ab und zeigt: HR und Führungskräfte erwarten tendenziell noch mehr Unsicherheit und Chaos. Jochmann belegte das mit Zahlen: 30 bis 40 Prozent der Firmen sehen sich mit ernsthaften Herausforderungen konfrontiert. Vor allem der Talentmangel und der Rückgang des rasanten Wachstums mache ihnen Sorgen.
Dies erfordere von HR-Verantwortlichen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Krisenmanagement. "Die Verfügbarkeit von Fachkräften bleibt ein kritischer Erfolgsfaktor", so Jochmann. Und das sei ein Kernthema der HR-Abteilungen, wodurch sie einen wichtigen Beitrag für ihr Unternehmen leisten. "HR ist kein Bereich, mit dem man Unternehmen sanieren kann, aber HR ist relevant."
HR Business Partner gewinnen an Bedeutung
Dabei änderten sich gerade auch die Rollenanforderungen an die Personen, die in den HR-Abteilungen arbeiten. Es werden laut Jochmann vermehrt HR-Profis benötigt, die sowohl operativ als auch als Business Partner fungieren könnten. Es sei wichtig, die Rolle der HR Business Partner weiterzuentwickeln – diese sieht Jochmann als Hebel für Wertschöpfung. Zudem sei es entscheidend, dass Unternehmen Kompetenzen im Bereich KI aufbauen, sich mit Startups vernetzen und ihre digitalen Profile weiterentwickeln. HR müsse technologischer werden und mehr in Geschäften statt in Organisationen denken.
Jochmann nannte die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz "ein Feld voller Chancen". Er sieht in fast allen Bereichen Wertschöpfungspotenzial, wobei die Chancen die Risiken überwiegen. Jochmann betonte jedoch auch, dass es keine leichten Lösungen gibt. "KI in der Personalarbeit ist hoch mitbestimmungsrelevant", sagte er. Tiefe Strategieprozesse und eigene KI-Anwendungen seien notwendig, um mit den technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.
Die Chancen von KI für HR
Bei der anschließenden Fragerunde mit Reiner Straub, Herausgeber des Personalmagazins, prognostizierte Jochmann, dass das kommende Jahr konfliktreich sein wird und große Integrations- und Mediationsaufgaben erfordert. "Die Erwartungen der Beschäftigten- und Managementseite driften auseinander." Zudem müsse sich HR stärker in gesellschaftliche Themen einmischen und ein politisches Gesicht zeigen. "HR steht vor ihrer größten Transformationsaufgabe", erklärte Jochmann. "Es ist an der Zeit, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und die Zukunft aktiv mitzugestalten."
Zudem gaben Geschäftsführende und HR-Verantwortliche Einblicke in Praxisprojekte, wobei der Großteil der Vorträge ebenfalls das KI-Thema aufgriff. Lena Lindemann, Vorstand HR & General Services, Arbeitsdirektorin von der Ergo Group, erklärte, wie Ergo in Zeiten von KI eine innovative und zukunftsorientierte Arbeitskultur schafft. Roland Hehn, Personalvorstand bei Schwarz Dienstleistungen erläuterte die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation. Susan-Stefanie Breitkopf von Zeiss plädierte dafür, die neuen Chancen zu ergreifen und trotzdem nah bei den Menschen zu bleiben. Stephanie Cossmann von Symrise zeigte die Grenzen von künstlicher Intelligenz auf. Zum Schluss diskutierte Stephan Seifert von der Körber Group in seinem Vortrag mit dem Titel "Winning in 2030+: The role of HR – Building and Developing, Leadership, Teams, Talent & Culture" und der anschließenden Fragerunde mit Walter Jochmann die Zukunft des Personalmanagements.
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