Learntec 2020: Trendthemen KI und Nachhaltigkeit

Matthias Hornberger (Cyberforum) und Christopher Kränzler (Bitkom) plädieren für mehr Offenheit im Umgang mit künstlicher Intelligenz. Auf der Bildungsmesse Learntec in Karlsruhe diskutierten sie über die Zukunft selbstlernender Algorithmen in Deutschland.

Lebenslanges Lernen, Learning Experience und künstliche Intelligenz: Mit der Zukunft der digitalen Bildung beschäftigte sich die Learntec in Karlsruhe. Nach Angaben des Veranstalters interessierte sich dafür eine Rekordzahl von 15.600 Besuchern. 411 Aussteller aus 17 Nationen stellten ihre Lösungen für die Weiterbildung vor. Inhaltiche Akzente setzte der begleitende Kongress. Als Highlight angekündigt wurde die Podiumsdiskussion "Künstliche Intelligenz - wo steht Deutschland, und wo will es hin?" am 29. Januar.

"Deutschland ist Weltmeister in der Ehtik der KI"

Künstliche Intelligenz wird den Menschen nicht ersetzen, sondern ihm helfen, effizienter zu werden. Darin sind sich die Podiumsteilnehmer Matthias Hornberger, Vorstandsvorsitzender des Technologieunternehmernetzwerks "Cyberforum" und Christopher Kränzler, Digitalunternehmer und Vorstandsmitglied beim Branchenverband Bitkom, einig. „Deutschland ist Weltmeister in der Ethik der KI“, meint Hornberger. Er kritisiert, dass die notwendige politische Unterstützung fehle, um auf dem Gebiet vorangehen zu können: „Fakt ist, die Überbetonung des persönlichen Datenschutzes ist ein Wettbewerbsnachteil.“

Kränzler ist ebenfalls der Ansicht, dass die Ethikdebatte den tatsächlichen Innovationen zu sehr vorausgreift. Gleichzeitig nimmt er die Unternehmen in die Pflicht: „Wir müssen einfach mal anfangen und Leuchttürme schaffen.“ Denn nur mit guten Vorbildern könne das volle Potential der Technologie ausgeschöpft werden. An solchen Vorbildern scheine es aktuell zu fehlen.

Mut zu Fehlern und mehr politische Unterstützung gefordert

Deutschland hätte eigentlich gute Voraussetzungen um gerade im B2B-Markt zu einem Vorreiter in künstlicher Intelligenz zu werden, meinen die Diskutanten. Das breite Wissen um Prozesse und Prozessmanagement, laut Hornberger eine wesentliche Stärke der deutschen Industrie, ließe sich mit dem Thema gut verbinden. Dennoch fordert er mehr Offenheit bezüglich der neuen Technik, finanzielle Unterstützung von der Regierung und mehr Mut zu Fehlern, aus denen man Lernen könne. Und Kränzler ergänzt, dass Wissen und Technologie in Deutschland grundsätzlich vorhanden seien. Würde man dieses Potential heben, könne Deutschlands Wirtschaft auch den Rückstand, der in der Plattformökonomie entstanden sei, wieder aufholen.

Gefragt, welche Möglichkeiten Künstliche Intelligenz für die Bildung bietet, zeigen sich die Diskutanten eher zurückhaltend. Neben Apps fürs Sprachen- oder Mathe-Lernen, die sich nach den individuellen Lernfortschritten richten, werden nur wenige konkrete Beispiele genannt. Und so kommen Hornberger und Kränzler schnell wieder auf ihr Kernanliegen zurück: Deutschland müsse zum KI-Vorreiter werden.


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