Vertrauensindex 2026

Vertrauen als Erfolgsfaktor für Unternehmen


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Vertrauen im beruflichen Kontext ist den meisten Beschäftigten wichtig und könnte auch über die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens entscheiden. Doch laut einer aktuellen Studie vernachlässigen viele Organisationen vor allem einen vertrauensfördernden Aspekt.

Vertrauen spielt nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Berufsalltag eine zentrale Rolle – das zeigt der Vertrauensindex 2026. Für die Studie haben das Wirtschaftsmagazin Brand Eins und die Agenturgruppe Pilot 1.048 Berufstätige in Deutschland befragt. 

Demnach bewerten 95 Prozent der Befragten Vertrauen im beruflichen Kontext als wichtig. Gleichzeitig sehen viele darin einen relevanten Wirtschaftsfaktor: 93 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ein positives Vertrauensverhältnis innerhalb der Organisation die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit deutlich stärkt. Umgekehrt glauben 85 Prozent, dass gestörte Vertrauensverhältnisse Unternehmen ebenso stark schwächen können. 

Vertrauen wichtiger als Technologie und Finanzen

Die Studienautorinnen und -autoren sprechen von Vertrauen als einem bislang unterschätzten Produktivitätsfaktor. Fehlt Vertrauen, steigen Abstimmungsaufwand, Kontrollmechanismen und Reibungsverluste. Wo Vertrauen vorhanden ist, werden Entscheidungen schneller getroffen, Zusammenarbeit funktioniert effizienter und Veränderungen lassen sich erfolgreicher umsetzen. 

Für viele Befragte zählt Vertrauen damit zu den zentralen Faktoren für Unternehmenserfolg. 80 Prozent halten klar definierte Ziele und effiziente Kommunikationswege für mindestens genauso wichtig oder wichtiger als ein langfristiges Vertrauensverhältnis. Technologie und finanzielle Mittel werden dagegen von mehr als der Hälfte der Teilnehmenden als weniger wichtig eingestuft als Vertrauen.

Wie Vertrauen entsteht

Auf die Frage, welche Faktoren Vertrauen im beruflichen Kontext fördern, nennen die Befragten vor allem transparente Kommunikation und Zuverlässigkeit. Ebenfalls weit oben stehen Konfliktlösungsbereitschaft, Professionalität und Resilienz in Krisensituationen. Hier sehen die Studienautorinnen und -autoren jedoch eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Realität: Viele Beschäftigte erleben ausgerechnet diese Faktoren im Arbeitsalltag als unzureichend. "Alle wissen, dass transparente Kommunikation Vertrauen schafft, aber kaum jemand erlebt sie konsequent. Genau diese Lücke ist der blinde Fleck moderner Organisationen", sagt Martina Vollbehr, Geschäftsführerin der Agenturgruppe Pilot. "Statt permanent Souveränität zu inszenieren, sollte viel häufiger auch über Herausforderungen oder eigene Unsicherheit gesprochen werden. Die Fallhöhe ist viel größer, wenn man Probleme erst anspricht, wenn es eigentlich zu spät ist."

Zudem zeigt die Studie, dass Vertrauen innerhalb von Unternehmen stark von Nähe und Hierarchie abhängt. Während 87 Prozent der Beschäftigten ihren direkten Kolleginnen und Kollegen vertrauen, sinkt dieser Wert gegenüber der strategischen Unternehmensleitung auf lediglich 44 Prozent. Auch HR-Abteilungen schneiden mit 49 Prozent vergleichsweise schwach ab. Dabei spielt auch die Unternehmensgröße eine Rolle: In kleineren Unternehmen ist das Vertrauen in direkte Vorgesetzte, HR und strategische Unternehmensleitung deutlich höher als in größeren Organisationen.

KI wird zur Vertrauensfrage

Auch der Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt sich laut Vertrauensindex zunehmend zu einer Vertrauensfrage. Zwar nutzen bereits 60 Prozent der Befragten KI mindestens wöchentlich im Arbeitsalltag, beim Vertrauen in die Technologie zeigt sich jedoch ein gespaltenes Bild: 23 Prozent bringen KI ein eher hohes oder sehr hohes Vertrauen entgegen, 21 Prozent eher geringes oder gar keines. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) ist unentschieden – sie vertrauen KI in manchen Bereichen, in anderen hingegen nicht.

Vertrauen in Unternehmenserfolg sinkt

Dass das Vertrauen vieler Beschäftigter brüchiger wird, zeigen auch aktuelle Daten der Employee-Experience-Plattform Culture Amp. Deren Analyse zeigt: Während 2021 noch 80 Prozent der Beschäftigten davon überzeugt waren, dass ihr Unternehmen in den nächsten drei Jahren erfolgreich sein werde, lag dieser Wert 2025 nur noch bei 72 Prozent. In Deutschland sind es sogar nur 62 Prozent. Die Analyse beruht auf Auswertung von Daten aus über 3.000 Unternehmen, in denen Beschäftigte befragt wurden, wie zuversichtlich sie in die Zukunft ihres Unternehmens blicken.

Als deutliche Schwachstelle erweist sich dabei die Ressourcenverteilung: Weltweit sind zwar 60 Prozent der Mitarbeitenden der Meinung, dass ihr Unternehmen Ressourcen effektiv auf strategische Ziele ausrichtet. Gleichzeitig zweifeln jedoch 40 Prozent daran, ob Budgets und Investitionen tatsächlich zur Unternehmensstrategie passen. In Deutschland fällt die Bewertung besonders kritisch aus: Hierzulande haben nur 42 Prozent der Beschäftigten den Eindruck, dass Budgets und Ressourcen sinnvoll auf strategische Ziele ausgerichtet werden.
Ähnlich wie beim Vertrauensindex sinkt auch in der Analyse von Culture Amp das Vertrauen mit steigender Unternehmensgröße. Beschäftigte in kleinen Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitenden vertrauen deutlich häufiger darauf, dass Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden (64 Prozent), als Beschäftigte in Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden (59 Prozent). Auch das zukünftige Wachstum bewerten Beschäftigte kleinerer Unternehmen etwas positiver.

Wie Unternehmen mehr Vertrauen schaffen

Die Ergebnisse beider Untersuchungen deuten damit auf ein strukturelles Problem hin: Gerade größere Unternehmen schaffen es offenbar häufig nicht, ihre Ziele und Pläne transparent zu kommunizieren und dadurch Vertrauen innerhalb der Organisation aufzubauen. Kürzere Kommunikationswege könnten erklären, warum das Vertrauen in kleineren Unternehmen höher ausfällt. 

Für Unternehmen wird Vertrauen damit zunehmend zu einem strategischen Faktor – auch, weil es aus Sicht vieler Beschäftigter maßgeblich über den Unternehmenserfolg entscheidet. Führungskräfte sollten deshalb stärker auf glaubwürdige Kommunikation, nachvollziehbare Entscheidungen und eine belastbare Vertrauenskultur setzen.

 

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