Die Wechselbereitschaft der Beschäftigten sinkt
Am Jahresanfang ist der Wunsch, sich einen neuen Job zu suchen, der mehr Gehalt, mehr Zufriedenheit oder mehr Work-Life-Balane verspricht, besonders hoch. Doch die Wechselbereitschaft der Beschäftigten in Deutschland sinkt, ermittelte Xing in einer Forsa-Online-Umfrage, für die im Dezember 2025 und Januar 2026 insgesamt 3.418 Erwerbstätige befragt wurden. Aktuell können sich 34 Prozent der Erwerbstätigen einen Jobwechsel vorstellen. In den Vorjahren lag die Wechselbereitschaft bei 37 bis 39 Prozent.
Die Wechselbereitschaft setzt sich in dieser Befragung aus zwei Faktoren zusammen: denjenigen Beschäftigten, die im laufenden Jahr einen Arbeitgeberwechsel planen (acht Prozent), und denjenigen, die offen für einen Jobwechsel sind, aber noch keine konkreten Schritte unternommen haben (26 Prozent). Insbesondere die Zahl der Menschen, die sich für einen neuen Job offen zeigen, ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.
Gründe für Wechselbereitschaft: niedriges Gehalt, fehlende Perspektiven und Belastung
Die Wechselbereitschaft wird dabei nicht immer von Unzufriedenheit angetrieben: Insgesamt sind 84 Prozent der Beschäftigten "sehr" oder "eher" zufrieden mit ihrer aktuellen Tätigkeit (2025: 85 Prozent). Dennoch gibt es handfeste Gründe, weshalb Beschäftigte einen Jobwechsel wünschen: An erster Stelle steht weiterhin ein zu niedriges Gehalt (41 Prozent). Darauf folgen ein hohes Stresslevel (36 Prozent), fehlende Aufstiegschancen (38 Prozent) sowie Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft (34 Prozent).
Jobsicherheit und interessante Arbeitsaufgaben führen zu Mitarbeiterbindung
Die Gründe, einen Arbeitgeber nicht verlassen zu wollen, werden von Jobsicherheit (64 Prozent) und interessanten Arbeitsaufgaben (62 Prozent) angeführt. Auch das derzeitige Gehalt und der kollegiale Zusammenhalt (jeweils 57 Prozent) stellen für die Mehrheit der Befragten einen Grund zum Bleiben dar. Wertschätzung durch den Arbeitgeber ist dagegen weniger (39 Prozent) ein Faktor zur Mitarbeiterbindung.
Der Wunsch nach Sicherheit beeinflusst auch die Anforderungen an einen neuen Arbeitgeber: Ein langfristig sicherer Job (70 Prozent) sticht ein höheres Gehalt (63 Prozent) und gutes Führungsverhalten (62 Prozent) Erst danach folgen flexible Arbeitszeiteinteilung (58 Prozent), ein sinnerfüllender Job (57 Prozent) und ein attraktiver Unternehmensstandort (54 Prozent). Die Möglichkeit zu Remote-Arbeit folgt mit 43 Prozent erst auf Rang acht der Wechselwünsche.
Wechselbereitschaft: auf die Fragestellung kommt es an
Ein genauer Wert für die Wechselbereitschaft der Beschäftigten in Deutschland ist schwer zu ermitteln und hängt stark von der Fragestellung der jeweiligen Erhebung ab. Die Bandbreite reicht hier von: "Planen Sie in den nächsten zwölf Monaten, Ihren Job zu wechseln?" bis hin zu "Können Sie sich vorstellen, einen anderen Job auszuüben?". Dementsprechend kommt es je nach Untersuchung zu unterschiedlichen Werten und Tendenzen in Sachen Wechselbereitschaft. Einige Beispiele:
- 19 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind laut einer Umfrage von Indeed "aktiv auf Jobsuche".
- 31 Prozent der Deutschen sind laut einer repräsentativen Befragung der Königsteiner Gruppe und Stellenanzeigen.de "grundsätzlich offen" für einen Jobwechsel.
- 58 Prozent der Teilnehmenden der Indeed-Umfrage "können sich vorstellen, einen anderen Job auszuüben".
- 68 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben laut einer repräsentativen Befragung von Stepstone "in den letzten sechs Monaten zumindest mehrmals im Monat daran gedacht, den Job zu wechseln".
Laut der Indeed-Befragung sind gut 70 Prozent der Beschäftigten zufrieden oder sehr zufrieden in ihrem Job. Doch selbst unter den Zufriedenen denkt fast die Hälfte über einen Absprung nach. Die Gründe dafür werden vom bisherigen Gehalt (41 Prozent) angeführt, gefolgt von fehlender Wertschätzung (32 Prozent), eingeschränkter Flexibilität, zum Beispiel starren Arbeitszeiten (26 Prozent), Unzufriedenheit mit der Führungskraft (26 Prozent) und Jobsicherheit (20 Prozent).
Fluktuationsrisiko ist in Deutschland besonders hoch
Eine Analyse von Culture Amp, einem Anbieter für Mitarbeiterbefragungen und Feedback-Lösungen, ergab noch drastischere Zahlen und eine andere Tendenz. Laut dieser Analyse sank die Wechselbereitschaft nicht. Im Gegenteil: Das Risiko von Kündigungen hat sich in Deutschland seit 2023 weiter erhöht. Rund ein Viertel der Beschäftigten planen laut Culture Amp, ihr Unternehmen innerhalb dieses Jahres zu verlassen. Damit liegt Deutschland beim Wechselwunsch deutlich vor anderen Ländern wie UK (23 Prozent) oder den USA (19 Prozent). Darüber hinaus gilt für Deutschland: Weitere 14 Prozent der Beschäftigten überlegen einen Wechsel innerhalb von zwei Jahren.
Zwar könnten die steigenden Wechselabsichten durch ein geringeres Stellenangebot auf dem deutschen Arbeitsmarkt begrenzt werden, räumt Culture Amp ein. Aber die Arbeitgeber müssten bedenken, dass die leistungsstärksten und vielversprechendsten Mitarbeitenden als erste das Unternehmen verlassen werden. Die klare Aussage lautet: Auch in einem Arbeitgebermarkt ist Mitarbeiterbindung entscheidend.
Stimmung der Beschäftigten bleibt positiv
Auch wenn sich die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt gewandelt und das Stellenangebot abgenommen hat, blicken die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer positiv ins Jahr 2026. Laut der oben zitierten Xing-Studie sind die Befragten nicht nur zuversichtlich, innerhalb eines halben Jahres einen neuen Job finden zu können, sondern glauben auch zu 91 Prozent, dass sie ihre Stelle im laufenden Jahr nicht verlieren werden.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Kununu-Umfrage: Nahezu die Hälfte der Deutschen schaut optimistisch auf das Berufsjahr 2026. Zukunftschancen sehen die Beschäftigten vor allem im technologischen Wandel und zunehmenden KI-Einsatz. Allerdings befürchten sie auch die konjunkturelle Entwicklung, die Entwicklung der eigenen Gehälter und ebenfalls den technologischen Wandel (die Zahl der Optimisten und Skeptiker ist in etwa gleich hoch). Dennoch: Laut der Kununu-Umfrage, für die das Marktforschungsunternehmen Bilendi 1.065 Erwerbstätige befragte, planen sogar 19 Prozent konkret einen Jobwechsel im Jahr 2026. Weitere 39 Prozent zeigen sich offen für einen neuen Job.
Quereinstieg in ein anderes Berufsfeld
Der Wechselwunsch kann auch damit zusammenhängen, dass viele Berufstätige in einem anderen Tätigkeitsfeld bessere Jobchancen sehen. Dazu ermittelte der Jobwechsel-Kompass der Königsteiner Gruppe: 70 Prozent der Wechselwilligen können sich einen Quereinstieg in ein anderes Berufsfeld vorstellen. Hintergrund: Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) von ihnen sehen in einem neuen Berufsfeld die Chance für eine berufliche Neuausrichtung. Und 44 Prozent verbinden es mit besseren Aufstiegsperspektiven. Das gilt übrigens nicht nur für einen neuen Job bei einem neuen Arbeitgeber, sondern auch für das gegenwärtige Arbeitsumfeld. Denn mehr als die Hälfte (52 Prozent) würde beim derzeitigen Unternehmen bleiben, wenn dort ein interner Quereinstieg möglich wäre.
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