Treiber für Arbeitgeber-Weiterempfehlung

Welche Faktoren tragen dazu bei, dass Beschäftigte ihren aktuellen Arbeitgeber weiterempfehlen würden? Dieser Frage ging eine Studie der Universtität Marburg nach. Die Antwort lautet: Es ist nicht in erster Linie das Geld, das Mitarbeitende dazu bringt, positiv über ihr Unternehmen zu sprechen.

Um qualifizierte Fachkräfte zu finden, die auch zur Unternehmenskultur passen, haben Arbeitgeber verschiedene Strategien entwickelt. Doch sie vergessen dabei oftmals das naheliegendste – die Weiterempfehlung von Arbeitgebern. Viele Firmen haben bereits Mitarbeiterempfehlungsprogramme implementiert. Der Vorteil: Ihre Mitarbeitenden können gut einschätzen, welche Personen aus ihrem Umfeld gut ins Unternehmen passen würden.

Freiwillige Mitarbeiterempfehlungen: die Top-Treiber

Eine wissenschaftliche Studie der Universität Marburg auf Basis der Daten von Great Place to Work (246.292 Befragte aus 852 Unternehmen) ging der Frage nach, welche Faktoren dazu führen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders positiv über ihr Unternehmen sprechen sodass sie ganz freiwillig, ohne monetäre Anreize ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. Dies ist für das Employer Branding ein wichtiger Beitrag, denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind besonders glaubhafte Botschafter.

Um bei der Empfehlungsbereitschaft zu punkten, denken Unternehmen vielfach fälschlicherweise, dass sie dies durch höhere Gehälter steuern können. Doch die Studie fand heraus, dass die Vergütung erst an vierter Stelle der Treiber für die Arbeitgeber-Weiterempfehlungen steht. In absteigender Wichtigkeit sind diese vier Themen von Bedeutung: 

  1. Mitarbeiterorientiertes Personalmanagement
  2. Starkes Wir-Gefühl und Spaß am Arbeitsplatz
  3. Arbeitsumgebung und Arbeitskonditionen
  4. Vergütung.

Mitarbeiterorientiertes Personalmanagement als wichtigster Faktor

Die Bemühungen des Arbeitgebers um das psychische und physische Wohlbefinden der Mitarbeitenden ist Teil der Corporate Social Responsibility. Hierzu zählen unter anderem Maßnahmen für die Gesundheitsförderung, die persönliche und berufliche Weiterentwicklung, die Förderung von Diversity und Fairness sowie die Förderung einer Work-Life Balance.

Mitarbeitende streben nicht nur nach einem Job, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern suchen aktiv nach einem Mehrwert und persönlicher Erfüllung in ihrer Arbeit. Eine wichtige Komponente dabei ist die faire Behandlung und die Wertschätzung seitens des Arbeitgebers. Wenn Mitarbeitende sich fair behandelt und wertgeschätzt fühlen, entwickelt sich ein positives Arbeitsumfeld und es entsteht eine Kultur der Reziprozität. Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen, sind oft motivierter, sich aktiv am Unternehmen zu beteiligen und ihr Bestes zu geben. Diese positive Einstellung spiegelt sich nicht nur in ihrer individuellen Leistung, sondern auch in ihrer Bereitschaft wider, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihren Arbeitgeber weiterzuempfehlen.

Um diese wichtigste Qualität zur Mitarbeiterempfehlung zu erreichen, führen Top-Unternehmen regelmäßige Befragungen durch, um die erlebte Kultur und die Attraktivität als Arbeitgeber zu ermitteln und unter Einbindung der Mitarbeitenden gezielt an der Umsetzung der Maßnahmen zu arbeiten. Sie entwickeln mit diesem Vorgehen systematisch ihre Personalarbeit am Bedarf der Mitarbeitenden weiter. 

Treiber Nummer zwei: Starkes Wir-Gefühl und Spaß am Arbeitsplatz

Natürlich darf der Spaß am Arbeitsplatz nicht zu kurz kommen. Er wurde als zweiter Faktor für freiwillige Mitarbeiterempfehlungen ermittelt. Hierzu gehören das Wir-Gefühl im Team, das Feiern von persönlichen und beruflichen Erfolgen sowie Firmenevents. Gerade im hybriden Arbeitsmodus, in dem viele Unternehmen heute agieren, müssen Unternehmen das Wir-Gefühl aktiv durch organisierte Zusammenkünfte und Events fördern. Das Management von firmeninternen Events und Begegnungen wird zunehmend ein Teil der Personalarbeit.

Firmen wie Southwest Airlines in den USA machen dies bereits vor und schreiben Humor ganz groß. In den USA ist am 28. Januar der "Spaß bei der Arbeit"-Tag. Das klingt zunächst seltsam und es sollte auch nicht bei einem einzigen Tag im Jahr bleiben. Aber es ist ein erster guter Schritt, diese Eigenschaft eines Jobs fest im Unternehmen zu verankern. Auch in Deutschland werben immer mehr Unternehmen mit einem Arbeitsklima, das auch Spaß machen soll, und sprechen damit insbesondere die jüngeren Generationen an.

Arbeitsumgebung und Arbeitskonditionen

Die Arbeitsumgebung – das heißt Arbeitsmittel, Bürogebäude und die Ausstattung – folgt an dritter Stelle der Faktoren für freiwillige Arbeitgeber-Weiterempfehlungen. Mitarbeitende wollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Die Ausstattung und die Arbeitsmittel sollen sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Das wurde oftmals als selbstverständlich angesehen. Doch gerade in Zeiten der Coronapandemie, als viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne ausreichende Ausstattung zu Hause auf dem Sofa arbeiteten, wurde klar, wie wichtig ein funktionierendes Umfeld ist. Ein Unternehmen, das auf helle, offene und große Büroräume setzt, ergonomische Arbeitsplätze fördert und moderne Technik zur Verfügung stellt, wird eher empfohlen als ein Arbeitgeber ohne ansprechende Arbeitsumgebung.

Arbeitgeber-Weiterempfehlung: Bedeutung der monetären Vergütung

Die Frage des Gehaltes ist tatsächlich erst der vierte und letztgenannte Faktor, der dafür ausschlaggebend ist, ob Mitarbeitende bereit sind, ihr Unternehmen als Arbeitgeber zu empfehlen. Das heißt nicht, dass sie keinen Einfluss auf die Bereitschaft der Mitarbeitenden hat, positiv über ihr Unternehmen zu sprechen, aber sie hat die kleinste Bedeutung. Die Studie hat generationenübergreifend geforscht und aufgrund der großen Datenmenge kann dieses Ergebnis als valide angesehen werden.

Daher empfiehlt sich, sehr wohl das Erleben von Mitarbeitenden zur Gehaltsgerechtigkeit zum Beispiel über Befragungen zu erheben. Ebenso ist es ratsam, diese Ergebnisse ins Benchmark mit anderen Unternehmen zu setzen und sicherzustellen, dass das eigene Unternehmen nicht deutlich nach unten abweicht. Viel wichtiger ist es aber, auf die ersten drei der genannten Faktoren zu achten, diese auf ein hohes Niveau zu heben und dort zu halten. Auch hier bietet sich immer eine Betrachtung im Vergleich mit anderen Unternehmen an.

Neue Mitarbeiterwerte: Fokus auf Unternehmenskultur und Wohlbefinden

Früher diente die Erwerbsarbeit überwiegend zur Existenzsicherung und zum Geldverdienen, weswegen viele Unternehmen die Vergütung als ausschlaggebenden Punkt für das Mitarbeiterverhalten gesehen haben. Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass sich die Werte der Mitarbeitenden verändert haben. Unternehmen müssen für eine positive Empfehlungsbereitschaft zukünftig mehr Gewicht auf die Kultur, das physische und psychische Wohlbefinden sowie den Teamgeist und den erlebten Spaß bei der Arbeit legen.

Spaß ist ein Thema, dass in vielen traditionellen Unternehmen noch widerwillig mit erfolgreicher Arbeit in Verbindung gebracht wird, künftig als Kulturtreiber aber aktiv zu fördern und zu steuern ist. Insgesamt lässt sich sagen, dass für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das tägliche Miteinander von höchster Bedeutung ist.


Autorinnen und Autoren dieses Textes: Anna Mutter, Jasmin Afrahi und Prof. Dr. Thomas Armbrüster (Philipps-Universität Marburg), Andreas Schubert und Dr. Karsten Schulte-Deußen (Great Place to Work Deutschland)


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