Homeoffice als möglicher Schlüsselfaktor in der Energiekrise
64 Prozent der Beschäftigten, deren Arbeit grundsätzlich im Homeoffice möglich ist, pendeln derzeit mit dem Auto zur Arbeit. Gleichzeitig wünschen sie sich im Durchschnitt fast einen Homeoffice-Tag mehr pro Woche, als sie aktuell nutzen. Genau dieser eine zusätzliche Tag macht den Unterschied: Wenn Millionen Beschäftigte an diesem Tag nicht ins Büro fahren, entfallen entsprechend viele Pendelkilometer – und damit ein erheblicher Teil des täglichen Kraftstoffverbrauchs.
Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro spart 32 Millionen Liter Kraftstoff
Laut Berechnungen der Konstanzer Homeoffice-Studie beträgt das Einsparpotenzial bei einem zusätzlichen Tag Homeoffice bereits 32 Millionen Liter Kraftstoff, was 19 Prozent des täglichen Kraftstoffverbrauchs in Deutschland entspricht. „Wir haben hier ein seltenes Zusammentreffen von individuellen Wünschen, gesellschaftlichem Nutzen und betriebswirtschaftlichem Interesse“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior an der Universität Konstanz. „Aktuelle Studien zeigen, dass etwa drei Tage mobiles Arbeiten als optimal für die objektive Produktivität in vielen Tätigkeiten wären– wir sind also noch nicht dort.“ Die Konstanzer Homeoffice-Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.017 Beschäftigten mit Bürotätigkeiten, deren Arbeit grundsätzlich mobil oder im Homeoffice erledigt werden kann. Die aktuelle 19. Erhebungswelle wurde im Zeitraum vom 27. März bis 1. April 2026 durchgeführt.
Strukturelle Hürden verhindern mehr Homeoffice
Insgesamt halten 62 Prozent der Befragten mehr Homeoffice wegen der gestiegenen Energiepreise für sinnvoll – dennoch geben bislang aber nur 20 Prozent an, ihr Verhalten aufgrund der steigenden Kosten angepasst zu haben. Der Grund liegt hierbei nicht in fehlender Motivation, sondern in strukturellen Hürden. Gleichzeitig gibt ein Drittel (33 Prozent) der Beschäftigten an, häufig ins Büro zu kommen, ohne dass dies inhaltlich notwendig wäre, und ein Fünftel (20 Prozent) teilt den Eindruck, dass viele Mitarbeitende im Büro ohnehin eher Zeit absitzen. „Ein sinnvoll gestalteter dritter Homeoffice-Tag wäre keine Abkehr von Zusammenarbeit, sondern ein Gewinn an Effizienz – für Beschäftigte, Unternehmen und das Energiesystem“, erklärt Studienautor Dr. Kilian Hampel, Senior Research Fellow am Future of Work Lab der Universität Konstanz.
Einstellung der Führungskräfte: Präsenzpflicht steigt nicht an
Die Skepsis von Führungskräften gegenüber mobilem Arbeiten scheint in den vergangenen Jahren deutlich zu sinken: Der Anteil, der eine stärkere Präsenzpflicht befürwortet, fällt von 33 (2024) auf 22 Prozent, Kommunikationsbedenken halbierten sich seit 2026 von 43 auf 23 Prozent. Parallel dazu bleibt die Präsenzpflicht auf niedrigem Niveau im Vergleich zu den Vorjahren: Nur 21 Prozent berichten von verschärften Anwesenheitsregeln, und die Daten bestätigen erneut: Wer zur Präsenz verpflichtet wird, ist deutlich erschöpfter, ohne einen messbaren Produktivitätsgewinn. „Die Führungskultur in Deutschland verändert sich sichtbar“, betont Kilian Hampel. „Führungskräfte, die hybride Arbeit professionell gestalten, werden selbst zu Treibern einer modernen Arbeitskultur. Währenddessen müssen sich Organisationen, die krampfhaft versuchen, ihre Mitarbeitenden durch Zwang ins Büro zurückzuholen, langfristig Gedanken um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen."
Klare Homeoffice-Spielregeln zahlen sich aus
Erstmals untersuchte die Studie systematisch, ob Unternehmen hybride Arbeit durch klare Regeln und Leitlinien strukturieren. Das Ergebnis: In einem Drittel bis zur Hälfte der Unternehmen fehlen solche Strukturen noch. Dabei sind die Vorteile messbar: Beschäftigte in Unternehmen mit guten Hybrid-Work-Regelungen erfahren mehr kollegiale Unterstützung und berichten von mehr Engagement sowie höherer Produktivität gestaltete Präsenzzeiten. "Unternehmen, die darin jetzt investieren, gewinnen nicht nur bei Energiekosten – sie stärken auch den Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit ihrer Teams", fasst Florian Kunze zusammen.
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