12.04.2017 | Enterprise 2.0

Social Collaboration steigert Arbeitseffizienz und Innovationspotenzial

Bild: Campana & Schott

Social Collaboration gewinnt als strategisches Element der digitalen Transformation zunehmend an Bedeutung. Der Einsatz von Social Software birgt viel Potenzial für Unternehmen, das aber bislang noch weitgehend brach liegt. Das zeigt eine Studie der TU Darmstadt und der Beratung Campana & Schott.

Social Collaboration steigert die Arbeitseffizienz und befähigt Mitarbeiter dazu, aktuelle Herausforderungen zielgerichtet zu bewältigen. Darüber hinaus unterstützten Collaboration-Tools neue Formen der Zusammenarbeit und verändern dabei grundlegende Verhaltensweisen und Einstellungen der Mitarbeiter – vor allem, indem sie die Innovationsorientierung und das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Belegschaft stärken. Zu diesem Ergebnis kommt die soeben veröffentlichte Deutsche Social Collaboration Studie 2017. Dabei handelt es sich um die zweite Untersuchungswelle einer im Vorjahr begonnenen gemeinsamen Zeitreihenstudie des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt und der Unternehmensberatung Campana & Schott.

Social Collaboration und Unternehmenskultur: Vielschichtige Wechselwirkungen

Die Effizienzeffekte von Social Collaboration stehen laut Studie in einem vielschichtigen Wechselwirkungsverhältnis zu unternehmenskulturellen Faktoren: So steigert zum Beispiel ein Enterprise Social Network (ESN) die Arbeitseffizienz umso mehr, je intensiver die Belegschaft das Netzwerk im Arbeitsalltag einsetzt. Je nach Einsatzszenario arbeiten ESN-Nutzer um bis zu 42 Prozent effizienter als Nichtnutzer. Außerdem korreliert die Nutzungsintensität statistisch signifikant mit der Innovationsorientierung der Mitarbeiter. „Social Collaboration fördert die netzwerkartige Zusammenarbeit und wirkt positiv auf Innovationskraft, Agilität, Technologieaffinität und Unternehmenskultur“, kommentiert Boris Ovcak, Director Social Collaboration bei Campana & Schott und Initiator der Studie.

Umgekehrt beeinflusst aber auch die bestehende Unternehmenskultur den Erfolg von Social-Collaboration-Projekten. Zusammenhang und Wechselwirkungen zwischen Social Collaboration und Unternehmenskultur werden auch unter dem Schlagwort „Enterprise 2.0“ diskutiert ("Enterprise 2.0: Digitalisierung verändert die Unternehmenskultur").

Social Software und Collaboration-Tools aus der Cloud

Und noch ein Studienergebnis, aus dem sich direkte Schlüsse für die praktische Umsetzung im Unternehmen ziehen lassen: Überall da, wo Collaboration-Tools aus der Cloud zur Verfügung stehen und intensiv genutzt werden, ist der Effizienzgewinn um bis zu 13 Prozent größer als bei konventioneller Tool-Bereitstellung. Sogar 17 Prozent mehr Effizienz sind erreichbar, wenn verschiedene Social-Collaboration-Lösungen optimal aufeinander abgestimmt werden.

Der Social-Collaboration-Reifegrad

Die Studie will mithilfe einer Kennzahl den Social-Collaboration-Reifegrad der Unternehmen aufzeigen. Dieser Social-Collaboration-Reifegrad beschreibt das Ausmaß, in dem die jeweilige Belegschaft kollaborative Technologien zur Bewältigung ihrer täglichen Arbeit nutzt. Er wird auf einer Skala von 0 (vollständig analog) bis 3 (vollständig digital) angegeben.

Über alle Studienteilnehmer hinweg beträgt der durchschnittliche Reifegrad derzeit 1,14. Aufgrund der stark vergrößerten Teilnehmerzahl lassen sich valide Aussagen zum Adaptionsfortschritt seit 2016 nur aus den Antworten derjenigen Unternehmen ableiten, die schon im Vorjahr an der Erstbefragung teilnahmen: Hier stieg der Reifegrad nur geringfügig, um vier Prozentpunkte, an. (Mehr zur Social Collaboration Studie 2016 lesen Sie hier). Das zeigt auch, dass die oben beschriebenen Potenziale von Social Collaboration noch weitgehend ungenutzt sind.

Social Collaboration: Acht Szenarien

Im Detail wurden in der Studie acht Szenarien betrachtet, die die wichtigsten Aktivitäten der täglichen Kommunikation und Zusammenarbeit um Unternehmen abbilden.

  • Suche nach Experten
  • Mobiles Arbeiten
  • Austausch in Interessengruppen
  • Firmeninterne Informationen und Neuigkeiten
  • Austausch von Dokumenten
  • Kommunikation und Abstimmung im Team
  • Suche nach Wissen
  • Anträge und Formulare

Für jedes Szenario wurde ein eigener Reifegrad ermittelt (siehe Infografik). Diejenigen Szenarien mit einem niedrigen Reifegrad umfassen tendenziell Aufgaben, die von Natur aus eher unstrukturiert und bei denen viele Akteure involviert sind. Bei Szenarien mit höherem Reifegrad lässt sich die jeweilige Problemstellung relativ gut abgrenzen. So ist beispielsweise beim mobilen Arbeiten oder bei Anträgen und Formularen meist klar, auf welche Systeme zuzugreifen ist und welche Informationen hierfür relevant sind.

Der Social-Collaboration-Reifegrad unterscheidet sich auch je nach Branche. Wenig überraschend weist die IT-Branchen den höchsten Reifegrad (1,39) auf. Branchen mit besonders niedrigem Reifegrad sind „Gesundheitswesen“, „Versorger“ und „Dienstleistungen“.

Social Collaboration als strategisches Element der digitalen Transformation

Wie die aktuelle Umfrage zeigt, gewinnt Social Collaboration als strategisches Element der digitalen Transformation zunehmend an Bedeutung. „Die meisten Studienteilnehmer nutzen vernetzte Formen der Zusammenarbeit nicht primär, um Kosten zu sparen, sondern in erster Linie, um ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln und die Digitalisierung ihrer Geschäftstätigkeit voranzutreiben“, sagt Dr. Eric Schott, Geschäftsführer von Campana & Schott. Konkret benannten 57 Prozent der Befragten den kulturellen Wandel in ihrem Unternehmen als zentrales Motiv für den Einsatz kollaborativer Technologien. Auf dem zweiten Platz der wichtigsten Ziele rangiert mit 53 Prozent das Streben nach höherer Innovativität der Mitarbeiter. Erst an dritter Stelle folgt mit 47 Prozent der Wunsch nach Kostensenkung und höherer Arbeitseffizienz. Lesen Sie auch: „Digitale Transformation: In fünf Schritten vom Unternehmen 1.0 zum Enterprise 2.0“.

Hintergrund: Über die "Deutsche Social Collaboration Studie"

Als mehrjährige Zeitreihenuntersuchung liefert die Deutsche Social Collaboration Studie einen tool- und herstellerunabhängigen Gesamtüberblick über die Entwicklung digital vernetzter Zusammenarbeit in Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz. An der diesjährigen Erhebung beteiligten sich 1.005 Mitarbeiter großer und mittelständischer Unternehmen unterschiedlichster Branchen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Neben wissenschaftlichen Aussagen zum Status quo der Social-Collaboration-Adaption in der Wirtschaft bietet die Studie empirische Erfolgsfaktoren für den praktischen Einsatz im Unternehmen. Die vollständige Studie finden Sie hier zum Download.

 

Schlagworte zum Thema:  Collaboration, Software, Unternehmenskultur, Digitalisierung

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