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21.12.2015 | Serie HR-Trends 2016

Mobiles Arbeiten nicht überall Trend

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Mobiles Arbeiten gilt seit Jahren als Trend, ist tatsächlich aber gar nicht so verbreitet.
Bild: Haufe Online Redaktion

Mobiles Arbeiten ist noch lange keine Realität in deutschen Unternehmen. Dies hat eine Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ergeben. Tatsächlich hat die Arbeit im Homeoffice seit 2013 nicht zugenommen, obwohl viele Beschäftige ihre Arbeit gerne zeitlich und örtlich flexibler gestalten würden.  

Arbeiten wo und wann man will. Dank Smartphone, Tablet oder Laptop kann das Büro theoretisch überall sein: Im Zug, im Café, zu Hause oder im Ferienhaus auf Mallorca. Eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales durchgeführte repräsentative Befragung von 771 Personalverantwortlichen und 7.000 Beschäftigten hat ergeben, dass mobiles Arbeiten außerhalb des Büros aber noch längst nicht Alltag ist.

Bitte ins Büro: Überwiegend herrscht Anwesenheitskultur

Nur knapp ein Drittel der Betriebe in Deutschland bieten Beschäftigten die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Bei Betrieben mit über 500 Beschäftigten ist es die Hälfte. In den meisten Unternehmen, die Homeoffice anbieten, ist dies keine Arbeitsform für den Alltag und nur unregelmäßig möglich. Nur bei 16 Prozent der Betriebe ist Homeoffice vertraglich festgelegt. In den meisten Fällen wird die Möglichkeit von Zuhause aus zu Arbeiten nur in Ausnahmefällen gewährt. Insgesamt ist festzustellen, dass Betriebe, die flexible Arbeitszeiten und Personalentwicklungsmaßnahmen zur Beschäftigungsbindung nutzen auch mehr Homeoffice ermöglichen. Tatsächlich hat die Arbeit im Homeoffice seit 2013 nicht zugenommen.

Mobiles Arbeiten: eine Sache für Wissensarbeiter

In vielen Berufen sind die technischen und strukturellen Voraussetzungen für mobiles Arbeiten von zu Hause nicht gegeben. Als Hindernisse für die Arbeit im Homeoffice wurden vor allem zwei Gründe genannt: dass die Anwesenheit von Vorgesetzten erwünscht wird sowie die Einschätzung, dass die eigene Tätigkeit zu Hause nicht möglich ist. Durch die Digitalisierung entstehen aber vor allem für Angestellte, insbesondere hochqualifizierte "Wissensarbeiter/innen", neue Möglichkeiten und neue Formen mobilen Arbeitens. Technisch gesehen kann die Arbeit durch das Teilen von Arbeitsinhalten in Clouds, Web 2.0-Lösungen oder die Kommunikation mit bildübertragenden Diensten in vielen Bereichen unproblematisch außerhalb des Büros geleistet werden. Von den in der Studie des BMAS befragten Beschäftigten erbringen 31 Prozent der Angestellten und lediglich 2 Prozent der Arbeiter/innen ihre Arbeit zumindest teilweise von Zuhause.

Erreichbarkeit hat zugenommen

Auch wenn die vereinbarte Arbeitszeit außerhalb des Büros nicht zugenommen hat - durch Email, Handy oder Internet rückt die Arbeit dennoch näher nach Hause. Die berufliche Erreichbarkeit von Arbeitnehmern hat deutlich zugenommen. Zwei Drittel der Angestellten werden zumindest gelegentlich in der Freizeit dienstlich kontaktiert. 38 Prozent der Angestellten, die einige Male pro Woche oder jeden Tag in ihrer Freizeit dienstlich angerufen werden oder dienstliche E-Mails beantworten, finden: „Kommunikationsmittel wie E-Mail, Handy oder Internet machen meine Freizeit zur Arbeitszeit“. Insgesamt ist der Anteil derjenigen, die nie in der Freizeit dienstlich erreichbar sind, seit 2013 von 40 Prozent auf 35 Prozent gesunken.

Definitiv höhere Wochenarbeitszeit durch mobiles Arbeiten

Bei der Befragung wurde in zwei Gruppen unterschieden. Zum einen die Gruppe der Beschäftigten, die vertraglich geregelt von zu Hause bzw. außerhalb des Büros arbeiten, also während ihrer regulären Arbeitszeit. Zum anderen die Gruppe von Beschäftigten, die angaben regelmäßig nach Feierabend oder am Wochenende, also in ihrer Freizeit von zuhause zu arbeiten. Für beide Gruppen wurde festgestellt, dass sie mehr arbeiten und mehr Überstunden machen als Angestellte, die nie von zu Hause arbeiten. Etwa drei Viertel der Gruppe, die in ihrer Freizeit zu Hause arbeiten, bekommen ihre Arbeit zu Hause weder durch einen Zeitausgleich noch finanziell kompensiert. Nicht geklärt wurde in der Studie, ob der Grund für die zusätzliche Arbeit zuhause ein besonderes Engagement ist oder das Arbeitspensum in der regulären Arbeitszeit nicht zu schaffen ist.

Vorteile überwiegen trotz Vermischung von Arbeit und Privatem

Beide Gruppen der Beschäftigten, die zu Hause arbeiten, erleben eine Vermischung von Arbeit und Privatem. Sie gaben aber auch an, dass manche Tätigkeiten besser von zuhause erledigt werden können. Insgesamt überwiegen die beruflichen Vorteile der Arbeit von zu Hause. Beschäftigte, die in ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten, erleben häufig private Vorteile. So wurde die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt, auch die Zeitersparnis durch die wegfallende Fahrzeit wird sehr positiv wahrgenommen. Negativ erwähnt wurde nur der etwas schlechtere Kontakt mit Kollegen.

Engere Verbundenheit mit Betrieb

Die Beschäftigten, die während der regulären Arbeitszeiten im Homeoffice arbeiten, fühlen sich mit ihrem Betrieb enger verbunden und empfinden ihre Vorgesetzten als fairer, als Beschäftigte, die nie zu Hause arbeiten. Beschäftigte, die in ihrer Freizeit zu Hause arbeiten, sehen ihr Familienleben eher von der Arbeit beeinträchtigt, sind aber ebenfalls stark mit ihrem Betrieb verbunden und insgesamt nicht unzufriedener mit ihrer Arbeit, als Beschäftigte, die nie von zu Hause aus arbeiten.

Wunsch nach Homeoffice ist groß

Insgesamt ergab die Befragung, dass viele Beschäftigte sich wünschen ab und zu von zu Hause arbeiten zu dürfen. Besonders Beschäftigte mit Kindern unter 14 Jahren würden gerne mehr im Homeoffice arbeiten, ebenso wie Beschäftigte, die Überstunden machen, unter hohem Termindruck und mit Multitasking- Aufgaben arbeiten. Beschäftigte, die nie von zu Hause arbeiten, das aber gerne tun würden, nehmen ihren Vorgesetzten als weniger fair wahr, sehen ihr Arbeitsleben stärker durch das Familienleben beeinträchtigt und umkehrt.

 

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