Marktgespräch HR-Software mit Volker Rosendahl von Oracle

Der US-amerikanische Softwarekonzern Oracle gibt sich auch im deutschen Markt selbstbewusst. Das Unternehmen zählt sich zu den Top drei Anbietern sogenannter HCM-Suiten für große Unternehmen und Konzerne. Bereits Anfang des vergangenen Jahres entschied sich die Deutsche Bahn für die HCM Cloud-Plattform des Anbieters. Doch reicht dieser Prestige-Erfolg zum Durchbruch im Markt? Ein Marktgespräch mit Volker Rosendahl, Cloud-Applications-Chef bei Oracle Deutschland.

Mitte Juni wies die Oracle Corporation einen globalen Umsatz in Höhe von 11,8 Milliarden US-Dollar für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 aus. Das entspricht einem währungsbereinigten Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast doppelt so schnell wuchs das Cloud-Geschäft (19 Prozent) des im texanischen Austin ansässigen Unternehmens. "Wir wachsen überwiegend organisch", sagt Volker Rosendahl, Vice President und Country Leader Cloud Applications bei Oracle Deutschland. Auf die Nachfrage, ob sich das globale Wachstum auch im deutschen Markt widerspiegle, wiegelt er höflich ab. Nur so viel: "Wir sind mit der Entwicklung und dem Geschäft in Deutschland sehr zufrieden."

Steigerungspotenzial bei der Sichtbarkeit

Weltweit zählt Oracle zu den wichtigsten Anbieter für sogenannte HCM-Suiten, also Software-Komplettlösungen für die Digitalisierung von Personalprozessen. In Deutschland ist das Unternehmen, zumindest medial, deutlich weniger sichtbar als beispielsweise der Walldorfer Platzhirsch SAP. Das hat historische Gründe. "Wir sind deutlich später in den Markt eingetreten als andere Mitbewerber, dafür haben wir die modernste und vollständigste Suite an Cloud-Lösungen auf einer integrierten Plattform", sagt Rosendahl, der den Wettbewerb nie beim Namen nennt. Dennoch sieht er sein Unternehmen, neben dem amerikanischen Cloud-Software-Anbieter Workday und SAP, unter den Top drei Anbietern für HCM-Suiten für Großunternehmen und Konzerne. Auch wenn bei der Sichtbarkeit noch Steigerungspotenzial bestünde, würde der Softwareanbieter seinem Cloud-Chef zufolge bei allen großen Ausschreibungen in Deutschland eingeladen.

Großprojekt bei der Deutschen Bahn gesichert

Ein Prestige-Erfolg gelang Anfang des Jahres 2021, als sich die Deutsche Bahn für die Cloud-Plattform des Anbieters entschied. DB-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnet die Entscheidung auf der Website des Softwarekonzerns als "Meilenstein bei der Digitalisierung und […] das technologische Fundament für effiziente und intuitive Personalprozesse". Die Entscheidung für das Komplettpaket der digitalen Personalsoftware nennt Rosendahl einen "Big Bang". Wie viele davon Oracle im deutschen Markt bereits gelungen sind, lässt die Website nur erahnen. Dort sind vornehmlich amerikanische und internationale Referenzkunden gelistet.

Rosendahl zufolge braucht es jedoch nicht den großen Knall für ein erfolgreiches Neugeschäft. "Wir können Best-of-Suite ebenso wie Best-of-Breed", sagt er. Ein Bespiel dafür nennt er ebenfalls: den Hamburger Transport- und Logistikriesen Hapag-Lloyd. Dieser entschied sich kürzlich dafür, zunächst die Talent-Management-Software der Amerikaner einzuführen. Ein modularer Einstieg sei immer auch möglich, sagt Rosendahl, mit dem Vorteil, die Transformation Schritt für Schritt angehen zu können. Die Geschwindigkeit mit der das (Kunden-)Unternehmen den Wandel vollziehe, sei bei der Einführung einer Software-Lösung ein erfolgskritischer Faktor. Umgekehrt sei die fehlende Bereitschaft aufseiten des Unternehmens, die Transformation ganzheitlich anzugehen, ein häufiger "Show Stopper", so Rosendahl.

Globales Datenmodell soll Bedienbarkeit erleichtern

Mit dem englischen Vokabular klingt der Global Player durch. Darauf ist man bei Oracle besonders stolz. "Wir verfolgen eine globale Ausrichtung", sagt Rosendahl. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in 179 Ländermärkten tätig. Das Datenmodell für die Cloud-Plattform stünde weltweit auf einer einheitlichen Basis, was eine einfache Bedienbarkeit ermögliche. Gleichzeitig seien so schnellere Innovationszyklen möglich. Gerade im Umfeld der Konzerne würde die weltweite Einsetzbarkeit der Lösung besonders geschätzt. Besonderheiten im deutschen Markt hinsichtlich der Anforderungen an das System sieht Rosendahl kaum: "Wir haben weltweit eine lebhafte Nutzer-Community, die uns fortlaufend Feedback gibt." Auf Basis dieser Rückmeldungen entstünden rund 90 Prozent aller neuen Features. Wo die Anforderungen der Kunden über die Systemgrenzen des Anbieters hinausgingen, würden Schnittstellen geschaffen.

Zukunftsthema "Strategische Personalplanung"

Die Zukunft - dafür muss man sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen - dürfte für Oracle im Cloud-Software-Geschäft liegen. Diesen Eindruck vermittelt auch Rosendahl, der sich selbst als "Cloud Typ" bezeichnet und die Vorteile des Modells immer wieder betont. Dennoch bietet das Unternehmen seinen On-Premise-Kunden weiterhin lange Supportzeiten, die nach eigenen Angaben teilweise schon jetzt über das Jahr 2030 hinausreichen.

Welche Themen die Unternehmen dann beschäftigen, lässt sich heute nur bedingt absehen. Einen gegenwärtigen Trend macht Rosendahl – neben den häufig genannten Gebieten künstliche Intelligenz, Machine Learning und Employee Experience – bei Software-Lösungen zur strategischen Personalplanung aus: "Gerade Unternehmen in ruhigerem Fahrwasser beschäftigen sich damit." In welche Gewässer Oracle steuert, muss sich zeigen. Glaubt man Rosendahl, steht der Wind günstig.


Zur Serie: Im "Marktgespräch HR Tech" spricht die Haufe Online Redaktion in regelmäßigen Abständen mit Geschäftsführern und Geschäftsführerinnen etablierter Softwarehäuser sowie aufstrebender Startups und beleuchtet dabei die Entwicklungen und Trends im Markt für HR-Software.

Schlagworte zum Thema:  HR-Software, Digitalisierung