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| Softwaregestütztes Talent Management

"Fokus auf Linienmanager"

Dr. Carsten Busch ist Geschäftsführer des Bereichs ETWeb Talent Management Suite bei Lumesse in Düsseldorf.
Bild: Lumesse

Lumesse bringt eine neue cloudbasierte Talent-Management-Software auf den Markt. Im Interview erläutert Geschäftsführer Carsten Busch die Ziele und den Nutzen der neuen Softwaregeneration.

Haufe Online-Redaktion: Sie bringen mit "Lumesse ETWeb Empower" eine neue Talent-Management-Software auf den Markt. Handelt es sich dabei um ein neues Softwareprodukt, das Sie quasi auf der grünen Wiese entwickelt haben?

Carsten Busch: Es ist genau so, wie Sie sagen. Wir haben in den letzten zwei Jahren eine neue Talent-Management-Lösung entwickelt, die als SaaS-Lösung oder auch als Cloud-Lösung zur Verfügung gestellt werden kann. Die Applikation zeichnet sich durch eine intuitive Benutzeroberfläche aus, die sich an die Nutzerführung der sozialen Netzwerke anlehnt. Entscheidend aber ist die neue Produktphilosophie: Die Software ist nicht mehr so HR-lastig, wie die meisten bisherigen Systeme, sondern stellt den Mitarbeiter in den Mittelpunkt. Es geht darum, den Mitarbeiter bei seiner Weiterentwicklung zu unterstützen und nicht nur einfach die HR-Prozesse umzusetzen.

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Haufe Online-Redaktion: Mit Ihrer Aussage ist eine scharfe Kritik an den bestehenden HR-Systemen verbunden. Was ist schlecht an HR-Software, die der Personalabteilung nützlich ist?

Busch: Unsere Kunden berichten, dass Führungskräfte und Mitarbeiter mit den bestehenden HR-Systemen unzufrieden sind. Das liegt daran, dass Systeme wie beispielsweise der Zielvereinbarungsprozess für HR optimiert wurden, Linienführungskräfte und Mitarbeiter aber mit der Nutzung unzufrieden sind. Das ist ein großes Problem und schadet letztlich auch der Personalabteilung, die für den Betrieb der Systeme verantwortlich ist.

Haufe Online-Redaktion: Die Personalabteilung muss ja dafür sorgen, dass es im Unternehmen einheitliche Prozesse gibt. Können Sie Ihre Kritik begründen?

Busch: Im Zielvereinbarungsprozess legen Vorgesetzte und Mitarbeiter einmal im Jahr Ziele fest, deren Erreichung nach einem Jahr im System festgehalten wird. Aus der Zielerreichung wird der Bonus errechnet, der an das Lohnabrechnungssystem weitergeleitet wird. Aus Sicht von HR ist das ein perfektes System, viele Linienmanager sind damit aber nicht zufrieden. Unsere neue Software ermöglicht dem Linienmanager, auch laufend Aufgaben für die Mitarbeiter festzulegen, deren Erreichung er stetig nachhalten und damit besser seine operativen Ziele erreichen kann. Wir wollen damit Managern und Mitarbeitern helfen, nicht einen jährlichen Zielvereinbarungsprozess abzuarbeiten, sondern den Arbeitsprozess zu verbessern.

Haufe Online-Redaktion: Das kann ein zweischneidiges Schwert sein. Für den Linienvorgesetzten mag es hilfreich sein, Aufgaben im System zu dokumentieren, der Mitarbeiter wird das möglicherweise als Kontrolle und Überwachung erleben.

Busch: Das System dient nicht der Kontrolle, sondern kann helfen, Motivation und Feedback zu verbessern. Es gibt derzeit auch einen starken Trend, das jährliche Zielvereinbarungsgespräch und die jährliche Bonuszahlung durch flexiblere Zyklen zu ersetzen. Ein Beispiel: Der Linienmanager erhält 20 Prozent der Bonussumme zur freien Verfügung und kann das unterjährig auszahlen, sobald der Mitarbeiter sein Ziel erreicht hat. Das erhöht die Motivation, weil der Mitarbeiter den Zusammenhang zwischen Zielerreichung und Belohnung unmittelbar erlebt. Das wird den Performance-Prozess stückweise revolutionieren. Unsere Softwarelösung entwickelt sich damit von einem HR-Instrument zu einem operativen Arbeitswerkzeug.

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Haufe Online-Redaktion: Den Nutzen für die Führungskraft kann ich nachvollziehen, aber was ist der Nutzen für den Mitarbeiter? Der Mitarbeiter muss weiterhin ein vom Arbeitgeber vorgegebenes Arbeitsinstrument bedienen.

Busch: In vielen Unternehmen sind die Karrierewege für die meisten Mitarbeiter nicht transparent. In unserem System können Unternehmen Karrierepfade mit Anforderungen hinterlegen, sodass die Mitarbeiter sehen können, welche Entwicklung sie machen können und welche Qualifikationen sie brauchen, um sich auf eine bestimmte Position im Unternehmen zu entwickeln.

Haufe Online-Redaktion: Hat die neue Talent-Management-Software auch Vorteile für die HR-Abteilung?

Busch: Wenn die Systeme von den Linienmanagern und Mitarbeitern nicht einfach zu nutzen sind, wirft das ein schlechtes Licht auf HR. Mir hat neulich ein Personalvorstand gesagt, dass sein Hauptkunde eigentlich der CEO sei: Wenn dieser nicht mit der Applikation zufrieden sei, schade das auch der HR. Kundenzufriedenheit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für HR, und unsere neue Software zahlt darauf ein.

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Haufe Online-Redaktion: Ihre Software kommt jetzt mit den Komponenten zu Performance Management und Karriereplanung auf den Markt. Wie sehen die weiteren Pläne für die Weiterentwicklung aus?

Busch: Unser Ziel ist der Aufbau einer ganzheitlichen und innovativen People Management Suite. Wir werden in den nächsten zwei Jahren sukzessive Komponenten zu Recruiting, Onboarding, Learning, Innovationsmanagement und Analytics entwickeln.

Haufe Online-Redaktion: Wie hoch ist der Aufwand, den Sie in die Entwicklung der neuen Software stecken?

Busch: Wir haben in den letzten zwei Jahren die gesamte Architektur und das Konzept neu entwickelt, und zwar in Düsseldorf. Wir haben für unsere Kunden einen hohen Aufwand betrieben, mehr als 50 Mitarbeiter arbeiten derzeit daran, neue Funktionalitäten zu entwickeln, sodass diese schnell verfügbar sind.

Haufe Online-Redaktion: Ihre Bestandskunden nutzen Ihr bisheriges System. Wenn Sie jetzt parallel zwei Systeme betreiben und entwickeln müssen, ist das mit erheblichem Aufwand verbunden. Müssen die Bestandskunden damit rechnen, bald auf das neue System wechseln zu müssen?

Busch: Viele Kunden haben unsere bisherige Lösung sehr stark an ihre internen Erfordernisse angepasst, so ist ein Wechsel auf das neue System nicht möglich, ohne die internen Prozesse anzupassen. Wir planen momentan nicht, das bisherige System auslaufen zu lassen, sondern werden dieses für unsere Kunden weiterentwickeln. Das neue System Empower hat als rein konfigurierbare Lösung natürlich viele Vorteile, etwa schnelle und regelmäßige Updates, eine einfache Bereitstellung und die Skalierbarkeit. Erste Bestandskunden haben sich deshalb entschieden, auf das neue System zu wechseln.

Das Interview führte Reiner Straub.

 

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