Künstliche Intelligenz und Robotik dringen immer weiter in die Arbeitswelt vor. Die neusten technologischen Entwicklungen sind derzeit auf der Cebit und der Messe Automatica in München zu sehen. Sie zeigen: Die Roboter können immer intaraktiver mit Menschen zusammen arbeiten.

Dass Maschinenmenschen in Fabrik- und Lagerhallen arbeiten, ist nichts Ungewöhnliches mehr. Doch bisher sind sie in der Regel auf eine einzige Aufgabe spezialisiert und durch Absperrungen von ihren Kollegen aus Fleisch und Blut getrennt. Das wird sich künftig ändern.  

Der Service-Roboter Armar-6 aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beispielsweise kann mit menschlichen Kollegen zusammenarbeiten und ihnen mit Hammer oder Bohrmaschine zur Hand gehen. Darüber hinaus ist Armar-6 in der Lage, durch pure Beobachtung den Gebrauch neuer Werkzeuge zu erlernen. Die aktuelle Generation der Roboterfamilie ist Teil des EU-Projekts Second Hands, das die Automatisierung im industriellen Umfeld fördern soll.

Neuste Entwicklungen im Bereich Mensch-Maschine-Kollaboration

Nach einer Prognose der International Federation of Robotics werden 2020 bereits mehr als drei Millionen Roboter in Fabriken rund um den Globus tätig sein. Arbeitsmodelle, die auf Mensch-Maschine-Kollaboration beruhen, werden Alltag in der Arbeitswelt.


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Auf der Cebit (11. bis 15. Juni in Hannover) zeigen die neusten humanoiden und kollaborativen Roboter („Cobots“) Kostproben ihres Könnens: Neben Armar-6 verblüfft beispielsweise der rund 1,20 Meter große Pepper von Softbank Robotics nicht nur mit seiner Mimik und Sprachbegabung; er kann auch auf menschliche Emotionen reagieren und beispielsweise als smarter Mitarbeiter im Einzelhandel Fragen zu bestimmten Produkten beantworten. Auch im Bereich digitales Lernen im Arbeitsumfeld können Roboter wie Pepper eingesetzt werden. Einen kleinen Einblick gibt E-Learning-Expertin Gudun Porath in ihrer Kolumne "Pepper würzt das Lernen mit dem Roboter".

„Die jüngsten Entwicklungen in der KI dürften dazu führen, dass Roboter immer bessere Assistenten am Arbeitsplatz werden“, sagt Junji Tsuda, Präsident des Weltroboterverbands International Federation of Robotics. „Maschinen werden künftig nicht nur Aufträge ausführen, auf die sie programmiert sind. Sie werden in der Lage sein, die Fragen der menschlichen Kollegen zu verstehen, zu beantworten und auf Gesten zu reagieren. Im nächsten Schritt gilt es, die Arbeitsschritte eines Menschen zu antizipieren, um Hindernisse schon im Vorfeld zu erkennen und aus dem Weg zu räumen.“

Bereicherung oder Bedrohung? Was Arbeitnehmer über Künstliche Intelligenz denken

Im Auftrag der Automatica, der Weltleitmesse für Robotik und Automation, wurden 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt, wie sie diese Entwicklungen beurteilen. 62 Prozent der Befragten sehen künstliche Intelligenz (KI) als Technologie, mit der Maschinen zu besseren Assistenten am Arbeitsplatz werden. Insbesondere die intelligente Steuerung über Sprachbefehle oder Touchpads werde es Menschen leichter machen, der Maschine neue Aufgaben zu geben, glauben 70 Prozent. Die sozialen Fähigkeiten von Menschen werden die Informatiker mit ihren digitalen Helfern nach Ansicht von 78 Prozent der Arbeitnehmer allerdings nicht ersetzen können. Insgesamt wird der Einsatz von Maschinen, die mit KI in die Lage versetzt werden Aufgabenstellungen eigenständig zu bearbeiten, aber den Arbeitsplatz bereichern, so das Fazit von rund 60 Prozent der Befragten.

Sorgen der Arbeitnehmer in Bezug auf KI

Gleichzeitig macht das Vordringen von KI in die Arbeitswelt den Arbeitnehmern auch Angst. Laut der Studie „Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz 2018“ des IMWF Instituts für Management und Wirtschaftsforschung bereitet jedem zweiten Berufstätigen die künstliche Intelligenz (KI) Sorgen. 63 Prozent der 2.000 Befragten fürchten das Fehlen einer menschlichen Komponente, 55 Prozent erwarten, dass die KI als billige Konkurrenz zu sinkenden Löhnen führen wird. Jeweils 46 Prozent bemängeln, dass unklar bleibe, wie eine künstliche Intelligenz Entscheidungen trifft, oder dass Programmierfehler schwerwiegende Folgen nach sich ziehen könnten.

„An künstlicher Intelligenz ist nichts Künstliches“

Der Entwicklungschef von Google Deutschland, Dr. Wieland Holfelder, sagte im Vorfeld zur Automatica 2018 (19. bis 21. Juni in München) zur Frage, wie sich KI auf die Arbeitswelt auswirken wird: „Im Prinzip ist an der künstlichen Intelligenz nichts Künstliches. Sie ist von Menschen für Menschen gemacht – von daher müssen wir diesen Spirit aufrechterhalten und schauen, dass sie menschlich bleibt.“

 

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