29.09.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Der Talent Pool - und seine Probleme

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Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Viele dicke Fische gehen den Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels nicht mehr in die Netze. Da könnte sich ein Goldfischteich, sprich: ein Talent Pool, lohnen. Doch wie Kolumnist Martin Claßen weiß, ist das nicht einfach - wenn vorab die Erwartungen nicht richtig abgeklärt werden.

Was haben die Alte Schmiede auf der Ostfrieseninsel Juist und viele Unternehmen gemeinsam? Einen sehr großen Goldfischteich. Nicht wenige antworten sogar: einen zu großen Goldfischteich.

Ein Goldfischteich ist ein beliebtes Instrument im Talent Management, das sich in fünf Schritten einführen lässt.

  • Schritt eins: Man entscheidet sich in seinem Unternehmen Goldfische zu züchten.
  • Schritt zwei: Man findet im Unternehmen Fische, die deutlich goldiger sind als die anderen; oder kauft sie von draußen ein.
  • Schritt drei: Man richtet für diese Goldfische einen ganz besonders schönen Teich – den Talent Pool – ein.
  • Schritt vier: Man überlegt sich wie das Leben dieser Goldfische noch weiter vergoldet werden kann.
  • Schritt fünf: Man achtet darauf keinen seiner Goldfische durch herumflatternde Raubvögel zu verlieren.

Zwei Probleme beim Talent Pool

Nun können im Goldfischteich der Alten Schmiede auf der Ostfrieseninsel Juist zwei schreckliche Dinge beobachtet werden, die auch den Hütern von Talent Pools in Unternehmen nicht unbekannt sein dürften. Zum einen kann so ein Goldfischteich austrocknen. Ganz ohne Wasser lebt es sich als Goldfisch schlecht und er muss wieder zurück in die sumpfigen Tümpel mit den normalen Fischen. Zum zweiten kann so ein Goldfischteich mit Goldies übervölkert sein. Das Futter reicht dann längst nicht mehr für alle. Oder es wird rationiert und die verwöhnten Goldfische müssen Hunger leiden.

Bestimmt schon ein dutzend Mal hätte ich die Chance auf ein Beratungsmandat zur Verkleinerung von Talent Pools gehabt, sowohl hinsichtlich der Menge an High Potentials als auch mit Blick auf deren individuelle Karrierehoffnungen. Da musste ich stets ablehnen, mangels vernünftiger Ideen.

Denn hinterher ist es zu spät. Erwartungsmanagement wird gleich am Beginn betrieben. Hat sich die Vermutung goldener Zukunft erst einmal ausgebreitet, bekommt niemand sie mehr eingefangen. Das sollte aus dem Goldfisch-Märchen der Gebrüder Grimm (KHM 85) bekannt sein.

Zwei Fragen vorab klären

Beim Goldfischteich in Unternehmen stellen sich noch Fragen, die den Fischlein der Alten Schmiede auf der Ostfrieseninsel Juist vermutlich egal sind.

  • Frage eins: Darf ein Goldfisch wissen, dass er ein Goldfisch ist?
  • Frage zwei: Dürfen die normalen Fische vom Goldfischteich wissen und was es dort an Leckereien gibt?

Ich denke die Antwort auf beide Frage ist ein klares Ja. Denn im Gegensatz zu den stummen Fischen der Alten Schmiede auf der Ostfrieseninsel Juist sprechen die Menschen in einer Firma mit- und übereinander. Da bleibt so etwas wie ein Talent Pool samt seinen Goodies für die Goldies nicht lange geheim.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Schlagworte zum Thema:  Talent Management, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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