Brexit-Auswirkungen auf Deutschland

Großbritannien ist mit Ablauf des 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten. Bis zum Jahresende gilt nun eine elfmonatige Übergangsphase, in der Großbritannien und die EU versuchen werden, sich auf ein Handelsabkommen zu verständigen. Bis zum Ablauf der Übergangsphase gilt das bisherige Recht weiter.

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU zum 31. Januar 2020 hat das sich schier endlos hinziehende Brexit-Gezerre, das mit dem Referendum am 23. Juni 2016 seinen Anfang nahm, ein vorläufiges Ende. Doch was bedeutet der Brexit nun für deutsche Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

Zunächst verbleibt Großbritannien noch mindestens bis zum Jahresende, bei Verlängerung sogar noch bis zu drei Jahre lang Mitglied des Binnenmarkts und der Zollunion. In dieser Übergangszeit wollen beide Seiten einen Freihandels- und Partnerschaftsvertrag aushandeln. Die größte Befürchtung im Zusammenhang mit dem Brexit ist, dass Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet sein könnten. Rund 460.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind mit Exporten nach Großbritannien verbunden - gut 60.000 davon in der Autoindustrie. Das geht aus einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Kein anderes Land der Welt ordert mehr Autos aus deutschen Werken als Großbritannien mit zuletzt rund 770.000 Pkw pro Jahr.

Brexit hat auch positive Effekte auf den Arbeitsmarkt

Bereits seit 2018 haben zahlreiche britische Unternehmen ihren Sitz in EU-Länder verlegt. Damit sind beträchtliche Investitionen verbunden und europaweit werden dadurch tausende neuer Arbeitsplätze entstehen. Auch Branchen mit Fachkräftemangel könnten profitieren. Es wird damit gerechnet, dass viele EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten, in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Einige deutsche Unternehmen werben derzeit bereits gezielt um solche wechselwilligen Fachkräfte.

Anstieg der Einbürgerungen von Briten in Deutschland

Nicht nur in Großbritannien lebende EU-Bürger wandern wegen des Brexits nach Deutschland aus, auch immer mehr Briten beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft. Laut der Daten des Statistischen Bundesamts nahm die Zahl der Einbürgerungen von Briten in der Bundesrepublik seit der Brexit-Diskussion stetig zu. Waren es vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2015 nur 622 Briten gewesen, die einen deutschen Pass beantrag hatten, wuchs die Zahl der Einbürgerungen britischer Staatsangehöriger von 2016 bis 2018 auf insgesamt 17.000.

Problemstellungen für Personaler

Bis Ende 2020 wird die innereuropäische Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen der EU und Großbritannien bestehen bleiben. Ab 2021 werden dann aber Aufenthaltsgenehmigungen erforderlich sein. Dann können Arbeitnehmer aus der EU nicht mehr ohne weiteres in Großbritannien tätig werden und Arbeitnehmer aus Großbritannien nicht in der EU.

Auch für in Deutschland arbeitende Briten wird die Beantragung von Aufenthaltstiteln erforderlich werden, die nur unter bestimmten Voraussetzungen erteilt werden. Manche Ausländerbehörden haben sich hierauf bereits eingestellt und gesonderte Meldeverfahren vorbereitet. Britische Staatsbürger werden als Arbeitnehmer in Deutschland ab 2021 eine Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis benötigen.

Datenaustausch mit Großbritannien

Der Datentransfer zwischen Deutschland und Großbritannien wird ab 2021 einen Transfer in Drittländer im Sinne der EU-Datenschutzgrundverordnung darstellen, für den besonders strenge Voraussetzungen gelten. Mit Drittländern können Arbeitnehmerdaten ausgetauscht werden, wenn die Anforderungen von Kapitel V der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfüllt sind.

Die grenzüberschreitende Übermittlung von Sozialdaten, die anlässlich eines Beschäftigungsverhältnisses erforderlich sein kann, wird sich dann nach § 77 Absatz 3 des SGB X in Verbindung mit Kapitel V der DSGVO richten. Danach ist die Übermittlung von Sozialdaten im Wesentlichen zulässig, soweit sie für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Sozialleistungsträger erforderlich ist und die betroffene Person kein schutzwürdiges Interesse am Ausschluss der Übermittlung hat.

Wegfall der Waren- und Dienstleistungsfreiheit

Weitreichende Konsequenzen werden sich auch durch den Wegfall der Waren- und Dienstleistungsfreiheit ergeben. So können nicht nur Beschränkungen in Bezug auf Kundenbeziehungen die Folge sein, sondern es kann auch das Verhältnis der einzelnen nationalen Gesellschaften betreffen. Grenzüberschreitende Personaleinsätze und die Erbringung von Werkvertragsleistungen werden dann, abhängig von noch zu regelnden Handelsabkommen, von Zollbeschränkungen erfasst werden.

Brexit: Mehr als nur Aufenthaltsfragen

Der Brexit wird arbeitsrechtliche Probleme mit sich bringen, die über bloße Aufenthaltsfragen hinausgehen werden. Personalern ist in jedem Fall zu raten, rechtzeitig Vorkehrungen zur Beschäftigung ihrer Mitarbeiter mit EU- und mit britischer Staatsangehörigkeit vorzubereiten.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Brexit, Fachkräfte