14.04.2015 | Beschäftigung Älterer

Wer rechtzeitig wechselt, bleibt länger gesund und zufrieden

Ältere in der Produktion können oft wegen der körperlichen Belastung nicht bis zur Rente im gleichen Job bleiben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ex-Kanzler Helmut Schmidt hat eine längere Lebensarbeitszeit gefordert. Um lang aktiv zu bleiben, müsse man in körperlich belastenden Berufen jedoch im Alter die Tätigkeit wechseln, fordert Schmidt. Eine Studie untermauert dies: Wer sich beruflich weiterentwickelt, ist im Alter gesünder und zufriedener.

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ist ein Paradebeispiel für einen Silver Ager, der weit über das gesetzliche Rentenalter hinaus mit Elan seiner Beschäftigung nachgeht.

Eigenen Angaben zufolge arbeitet er auch jetzt im Alter von 96 Jahren noch zwischen 30 und 40 Stunden die Woche allerdings nicht in dem Beruf, den er eigentlich einmal gelernt habe, so Schmidt. Im hohen Alter könne man nicht mehr "dasselbe Dach decken oder denselben Tunnel bauen".

Wichtig sei es daher, im Alter die Tätigkeit zu wechseln – von einer körperlich belastenden Arbeit in der Produktion zum Beispiel an eine Position am Schreibtisch.

Dabei geht es Schmidt jedoch offenbar nicht nur um die Perspektiven des Einzelnen. Ältere Mitarbeiter länger beschäftigungsfähig zu halten sieht Schmidt vielmehr als wirtschaftliche Notwendigkeit an: "Wenn wir den Wohlfahrtsstaat aufrechterhalten wollen, dann müssen wir in Zukunft länger arbeiten", so der Ex-Kanzler.

Voraussetzung: Laufbahn systematisch gestalten

Anlass für Schmidts Ausführungen zum Arbeiten im Alter war die Vorstellung der Studie "Neue Wege bis 67 – gesund und leistungsfähig im Beruf", die die "Zeit"-Stiftung zusammen mit der Handelskammer Hamburg und dem Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung durchgeführt hat. Schmidt ist Kurator der Stiftung.

Für die Studie wurden zwei Metallbetriebe in Hamburg untersucht: die Kupferhütte Aurubis AG mit 88 Mitarbeitern und der Schmelz- und Gießbetrieb der Arcelor Mittal Hamburg GmbH mit 58 Mitarbeitern.

Daraus konnten die Studienautoren folgende Erkenntnisse zur Beschäftigung Älterer in der Metallbranche gewinnen:

  • Die Basis für eine langfristige Arbeitsfähigkeit in der Metallbranche ist eine systematische Laufbahngestaltung.
  • Beschäftigte, die mit 45 plus ihren Beruf gesund und zufrieden ausüben, zeichnet aus, dass sie sich immer wieder beruflich weiter entwickelt haben. Sie verließen vorige Tätigkeiten und Belastungsfelder und erschlossen sich neue Tätigkeiten.
  • In vielen Fällen führt dieser gesunde Tätigkeitswechsel letztlich auch zu einem Berufswechsel.
  • Im Rahmen des Projekts wurden gesundheitliche Frühwarnindikatoren herausgearbeitet, die darauf hindeuten, dass ein Beschäftigter bereits übermäßige Beanspruchungen zeigt und dringend die Tätigkeit oder sogar den Beruf wechseln sollte.
  • Im Rahmen des Projekts wurde außerdem ein Beratungsansatz erarbeitet, der die Grundlage für diese systematische Laufbahngestaltung in einem Unternehmen sein kann: Bereits existierende systematische Ansätze, wie Mitarbeitergespräche (Vorgesetzte) und betriebsärztliche Untersuchungen (Betriebsarzt), fungieren als "Frühwarner". Betriebliches und überbetriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM) unterstützen Tätigkeits- und Berufswechsel aktiv. 

Leitfaden für Führungskräfte und Mitarbeiter in der Produktion

Wie diese Studienerkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden können, soll ein Leitfaden zeigen, den die Handelskammer Hamburg und die "Zeit"-Stiftung herausgegeben haben. Die Broschüre ist in zwei Teile aufgeteilt: Der erste Teil richtet sich an Führungskräfte, der zweite an Mitarbeiter in der Produktion.

Wie dringend die Diskussion zur Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit Älterer in der Produktion ist, zeigten vor Kurzem die Ergebnisse einer Studie des Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  (BAUA): Darin gaben drei von vier Arbeitnehmern in Produktion und Handwerk an, nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten zu wollen.

Kein Wunder: Die körperliche Belastung am Arbeitsplatz hat sich im Vergleich mit der BAuA-Befragung vor sechs Jahren trotz zunehmend automatisierter Produktionsprozesse und ergonomischer Büroeinrichtung insgesamt nur wenig geändert. Gleichzeitig fehlt es an attraktiven Alternativen für Ältere, die in der aktuellen BAuA-Studie auch monotone Arbeitsabläufe bemängeln.

Den Leitfaden für Mitarbeiter und Führungskräfte können Sie kostenlos downloaden unter www.zeit-stiftung.de.

Weitere Ergebnisse der Studie "Neue Wege bis 67 - gesund und leistungsfähig im Beruf" können Sie im Projektbericht ebenfalls unter www.www.zeit-stiftung.de nachlesen.

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Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Demografie, Ältere Mitarbeiter

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