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Ältere bemängeln monotones Arbeitsumfeld

In einer Studie berichten Silverager häufiger als Jüngere von ständig wiederkehrenden Arbeitsabläufen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ältere sind heute deutlich leistungsfähiger als noch vor 20 Jahren, belegt eine Studie. Doch noch nutzen Unternehmen deren Potenzial wenig: Eine zweite Studie offenbart vermehrt monotone Arbeitsabläufe bei Älteren. Zudem hat sich die körperliche Belastung in den vergangenen Jahren kaum geändert.

Die heute 75-Jährigen sind demnach im Durchschnitt geistig erheblich fitter als die 75-Jährigen vor 20 Jahren, zeichnen sich durch höheres Wohlbefinden aus und sind insgesamt zufriedener mit ihrem Leben. Das zeigt eine gemeinsame Studie mehrerer Berliner Forschungseinrichtungen, darunter die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die Charité - Universitätsmedizin Berlin, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) und das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), die in der Zeitschrift "Psychology and Aging" veröffentlicht wird. Die Wissenschaftler untersuchten dafür die Daten von 708 über 60-jährigen Berlinern. Deren gestiegene Leistungsfähigkeit führen die Forscher  unter anderem auf das Bildungsniveau, bessere körperliche Fitness und die damit verbundene höhere Selbstständigkeit im Alter zurück.

Ältere häufig unter den gering Qualifizierten

Davon können auch Unternehmen profitieren, die Ältere – zumindest in der Theorie – länger als bisher einsetzen und so dem demografischen Wandel entgegen wirken könnten. In der Praxis scheint es hier aber gerade im handwerklichen und produzierenden Bereich noch wenige überzeugende Angebote für Ältere zu geben: Denn in einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unter 20.000 Erwerbstätigen äußern knapp drei Viertel der älteren Mitarbeiter in Handwerksberufen den Wunsch, vorzeitig in den Ruhestand gehen zu können.

Für die Analyse wurden die Angaben der älteren abhängig Beschäftigten (50 bis 64 Jahre) mit denen von abhängig Beschäftigten mittleren Alters (30 bis 49 Jahre) verglichen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass unter anderem ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge dafür verantwortlich sein könnten, dass viele Ältere nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten wollen. Denn diese nehmen demnach im Alter zu, besonders bei den höher qualifizierten (nicht-) technischen Berufen (51 Prozent) und den Handwerksberufen (62 Prozent).

Am häufigsten berichten Arbeitnehmer in  den gering qualifizierten Berufen von monotonen Arbeitsabläufen (76 Prozent). Hier konnten die Autoren zwar keinen großen Unterschied zwischen den beiden untersuchten Altersklassen beobachten. Allerdings stellten sie auch fest, dass der Anteil Älterer in gering qualifizierten Berufen mit 35 Prozent am größten ist und dass unabhängig von der Altersgruppe vorwiegend Frauen (rund 70 Prozent) diese Berufe ausüben.

Je geringer die Qualifikation der Beschäftigten, desto häufiger berichteten diese auch von gesundheitliche Beschwerden. Insgesamt fiel zudem auf, dass Ältere – unabhängig vom Qualifikationsniveau – auch ihren Gesundheitszustand häufiger als schlecht einschätzten.

Zwangshaltungen haben zugenommen

Dabei spielt wohl auch die körperliche Belastung am Arbeitsplatz eine große Rolle. Denn der Vergleich mit der BAuA-Befragung vor sechs Jahren zeigt, dass sich trotz zunehmend automatisierter Produktionsprozesse und ergonomischer Büroeinrichtung die Belastung insgesamt nur wenig geändert hat. Zwar sind Stehen, Heben und Tragen schwerer Lasten und Arbeiten bei Erschütterungen demnach etwas seltener geworden. Allerdings haben Zwangshaltungen, also längere, oft einseitige Körperhaltungen, die zu Beschwerden führen können wie knien und bücken, zugenommen.

Insgesamt möchte immerhin jeder Vierte Befragte bis zum regulären Rentenalter arbeiten. Damit die Zahl derer, die bis dahin oder sogar über das Rentenalter hinaus arbeiten wollen, steigt, empfehlen die BAuA-Autoren gesundheitsfördernde und –erhaltende Maßnahmen wie eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung (wie eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, Bereitstellung von Trage- und Transporthilfen, Schwingungsisolierung von Maschinen) und die Einhaltung von Verhaltensregeln (wie rückenschonende Hebe- und Tragetechniken, gezielte Ausgleichsbewegungen, Pauseneinhaltung).

Prognose: Leistungsfähigkeit nimmt am Lebensende schneller ab

Trotz aller gesundheitsfördernder und –erhaltender Maßnahmen hat die gestiegene Leistungsfähigkeit Älterer aber wohl eine Kehrseite. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass "die beobachteten positiven Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden am Lebensende deutlich abnehmen", wie Denis Gerstorf, Professor für Entwicklungspsychologie am Institut für Psychologie der HU, die Ergebnisse der Berliner Studie ergänzt. Nach einem Zuwachs an guten Lebensjahren sei nach wie vor mit einem schnellen und deutlichen Nachlassen der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens am Lebensende zu rechnen. Für dieses Bild sprächen aktuelle Studien von Gerstorf und Kollegen, die die letzten Lebensjahre älterer Menschen in den Blick nehmen.
Die gemeinsame Studie von HU, Charité, MPIB und SOEP kann unter www.diw.de heruntergeladen werden.

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