Psychische Belastung

Zusammenfassung

 
Begriff

Psychische Belastungen werden verstanden als Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. Diese Belastungen können auf den Menschen einwirken und bei ihm zu einer psychischen Beanspruchung führen. Eine psychische Beanspruchung ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden oder augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das Arbeitsschutzgesetz enthält Bestimmungen, die auf eine Verbesserung der Arbeitsumwelt, der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer zielen. Hier sind auch die Pflichten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeführt, die den Gesundheitsschutz betreffen. Der Arbeitgeber muss demnach "eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung" erstellen und dann bei Bedarf Maßnahmen des Arbeitsschutzes daraus ableiten und umsetzen (§ 5 Abs. 1 ArbSchG). Dazu gehören gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 6 ausdrücklich auch die "psychischen Belastungen bei der Arbeit". Darüber hinaus verlangt § 3 Abs. 1 Satz 3 Arbeitsstättenverordnung die Berücksichtigung der psychischen Belastungen bei der Gefährdungsbeurteilung.

1 Was sind psychische Belastungen?

Das Verständnis davon, was eine psychische Belastung ist, wird sich je nach Sichtweise sehr unterscheiden. Eine Führungskraft und ein Mitarbeiter können durchaus verschiedene Vorstellungen davon haben. Neben diesen subjektiven Einschätzungen gibt es auch fachliche Konzepte, die versuchen, das Wesen psychischer Belastungen zu beschreiben. In den Arbeitswissenschaften allgemein anerkannt ist die DIN-Norm DIN EN ISO 10075-1.[1]

Der Begriff psychische Belastungen wird allgemein nach der DIN EN ISO 10075-1 definiert. Psychische Belastungen werden verstanden als "die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken." Nach dieser Definition entstehen psychische Belastungen durch objektiv erfassbare Belastungsfaktoren. 4 Gruppen von Anforderungen können zu Belastungen führen:

  • Arbeitsaufgabe, z. B. deren Dauer und zeitlicher Verlauf;
  • physikalische Arbeitsbedingungen, z. B. Beleuchtung, Klima, Lärm;
  • sozialer Kontext und Organisationsbedingungen, z. B. Betriebsklima, Zusammenarbeit, Konflikte;
  • gesellschaftliche Belastungen, z. B. die wirtschaftliche Lage.

Diese Belastungen können auf den Menschen einwirken und bei ihm zu einer psychischen Beanspruchung führen. Eine psychische Beanspruchung ist "die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden oder augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien"(DIN EN ISO 10075-1).

Die Beanspruchung ist also erst die Folge einer Belastung und deren mehr oder minder gelungener Verarbeitung. So kann die gleiche Belastung bei verschiedenen Personen zu einer unterschiedlichen Beanspruchung führen. Je nachdem, um welche Belastung es sich handelt und wie gut diese subjektiv bewältigt wird, kann es zu kurz- oder langfristigen und negativen, aber auch positiven Beanspruchungsfolgen kommen.

Demnach kann psychische Belastung sowohl positive, als auch negative Folgen für den Menschen haben. Positiv wirkt sie dann, wenn der Mensch die Belastungen von außen mit seinen individuellen Möglichkeiten zur Bewältigung ins Gleichgewicht bringen kann. Eine negative Wirkung ergibt sich, wenn das Gleichgewicht nicht besteht, z. B. bei einer Über- oder auch Unterforderung. Das Zusammenwirken von Belastung und Beanspruchung beeinflusst die Gesundheit und das Wohlbefinden des Mitarbeiters sowie seine Arbeitsleistung (Abb. 1).

Abb. 1: Arbeitsbelastungen und Beanspruchungsfolgen

[1] DIN EN ISO 10075-1 "Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung – Teil 1: Allgemeines und Begriffe".

2 Stresskonzepte

Häufig wird zur Beschreibung psychischer Belastungen auch der Begriff "Stress" gebraucht. Der Begriff Stress wird ebenfalls unterschiedlich verwendet. Im Alltagssprachgebrauch meint jemand, der "im Stress ist", dass er viel zu tun und wenig Zeit hat. Wer "Stress mit seinem Kollegen" hat, befindet sich in einer Konfliktsituation. Auch in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Stressmodelle. In der Werkstoffkunde beschreibt der Begriff den Zug oder Druck auf ein Material. In der Psychologie sind vor allem zwei Stresskonzepte aktuell: das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept und das transaktionale Modell. Je nachdem, welches Modell man zugrunde legt, ergeben sich daraus unterschiedliche Ansätze für Maßnahmen zur Stressvermeidung oder zum Stressabbau.

2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Konzept

Psychische Belastungen sind dabei alle äußeren Einflüsse, die auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken. Die psychische Beanspruchung ist die individuelle Auswirkung der Belastungen im Menschen. Die Beanspruchung hängt von seinen individuellen Voraussetzungen und seinem Zustand a...

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