1 Sonderregelungen aufgrund der Corona-Pandemie bei der Berechnung

 

Wichtig

Das Kurzarbeitergeld hat sich in der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Krise erneut als wirksames Instrument zur Sicherung von Arbeitsplätzen erwiesen. Dazu haben maßgeblich auch Sonderregelungen zu Zugangserleichterungen, zu einer verlängerten Bezugsdauer, zu erhöhten Leistungssätzen und zur Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen an Arbeitgeber beigetragen. Die negativen Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben aktuell nachgelassen. Mit Blick auf die aktuellen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, insbesondere die durch die Auswirkungen der weltweiten Pandemie mitbedingten Störungen von Lieferketten, die sich wegen des Ukraine-Krieges weiter verschärfen können, gelten jedoch Erleichterungen für den Zugang zum Kurzarbeitergeld fort:

  • Die abgesenkte Zugangsbedingung, nach der ein Betrieb Kurzarbeit bereits anmelden kann, wenn mindestens 10 % der Beschäftigten von einem Entgeltausfall betroffen sind, gilt bis zum 30.9.2022. Grundsätzlich liegt diese Schwelle bei mindestens 1/3 der Beschäftigten.
  • Auch ist ein Aufbau von negativen Arbeitszeitguthaben bis zum 30.9.2022 nicht erforderlich. Grundsätzlich müssen entsprechende Vereinbarungen über Arbeitszeitschwankungen zur Vermeidung von Kurzarbeit genutzt werden.

Die Sonderregelung, nach der für das Kurzarbeitergeld erhöhte Leistungssätze ab dem 4. Bezugsmonat (70 % / 77 %) bzw. ab dem 7. Bezugsmonat (80 % / 87 %) gelten, ist zum 30.6.2022 ausgelaufen. Für Zeiten der Kurzarbeit ab dem 1.7.2022 sind für die Höhe des Kurzarbeitergeldes deshalb wieder die Leistungssätze von 60 % bzw. 67 % maßgebend, die auch in den nachfolgenden Beispielen zugrunde gelegt werden.

Mit dem Steuerentlastungsgesetz 2022 wurden der Grundfreibetrag und der Arbeitnehmer-Pauschbetrag rückwirkend zum 1.1.2022 angehoben. Daraus ergeben sich vielfach höhere Beträge für das Kurzarbeitergeld. In der Folge sind grundsätzlich auch bereits erfolgte Abrechnungen des Kurzarbeitergeldes für die Monate ab Januar 2022 durch die Arbeitgeber zu korrigieren. Neben dem hierzu zur Verfügung stehenden geänderten Programmablaufplan für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes hat die Bundesagentur für Arbeit im Internet neue Leistungstabellen für das Jahr 2022 für das Kurzarbeitergeld eingestellt, auf deren Grundlage auch die nachfolgenden Beispiele berechnet sind. Entsprechende Korrektur-Anträge zum Kurzarbeitergeld können bei der Agentur für Arbeit gestellt werden.

2 Arbeitnehmer ist verheiratet und hat ein Kind

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer, Steuerklasse III, mit einem Kind (15 Jahre), erzielt im April 2022 infolge von Kurzarbeit ein Bruttoentgelt von 1.835 EUR. Ohne Kurzarbeit hätte er 2.455 EUR brutto verdient.

Wie werden das Kurzarbeitergeld und die Beiträge zur Sozialversicherung berechnet?

Ergebnis

Das Kurzarbeitergeld errechnet sich nach einem Leistungssatz von 67 %. Der Leistungsbetrag ergibt sich nach der Tabelle der BA als Differenzbetrag zwischen den maßgeblichen rechnerischen Leistungssätzen des pauschalierten monatlichen Sollentgelts und des pauschalieren monatlichen Istentgelts.

 
Gerundetes Sollentgelt 2.460,00 EUR  
Rechnerischer Leistungssatz aus dem Sollentgelt   1.300,14 EUR
Gerundetes Istentgelt 1.840,00 EUR  
Rechnerischer Leistungssatz aus dem Istentgelt   986,24 EUR
Differenz der rechnerischen Leistungssätze = Kurzarbeitergeld (Leistungssatz aus dem Sollentgelt ./. Leistungssatz aus dem Istentgelt)   313,90 EUR

Berechnung der Beiträge zur Sozialversicherung:

Für die Berechnung der SV-Beiträge ist zwischen dem tatsächlich erzielten Entgelt und dem Kurzarbeitergeld zu unterscheiden:

  • Für die SV-Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Entgelt gelten die allgemeinen Regelungen zur Berechnung, Tragung und Zahlung der Beiträge in allen Zweigen der Sozialversicherung.
  • SV-Beiträge aus dem Kurzarbeitergeld sind zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu entrichten, nicht jedoch zur Arbeitslosenversicherung. Als beitragspflichtige Einnahme ist ein fiktives Entgelt in Höhe von 80 % des Unterschiedsbetrags zwischen dem ungerundeten Soll- und Istentgelt zugrunde zu legen.
  • Die auf das Kurzarbeitergeld entfallenden SV-Beiträge (einschließlich des Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung) sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.
 
Abrechnungsmonat April 2022
Brutto-Sollentgelt 2.455,00 EUR
Abzgl. Brutto-Istentgelt - 1.835,00 EUR
Differenz 620,00 EUR
Fiktives Entgelt für Beitragsberechnung Kurzarbeitergeld (620 EUR x 80 %) 496,00 EUR
 
Beitragspflichtige Einnahmen
  KV / PV RV ALV
SV Entgelt 1.835,00 EUR 1.835,00 EUR 1.835,00 EUR
SV Fiktives Entgelt 496,00 EUR 496,00 EUR 0,00 EUR
SV Gesamt 2.331,00 EUR 2.331,00 EUR 1.835,00 EUR

Lohnsteuerrechtliche Beurteilung

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Als Entgeltersatzleistung unterliegt es jedoch dem steuerlichen Progressionsvorbehalt, d. h. es wird als Einkommen bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt.

Hinweis

Im Falle einer späteren Arbeitslosigkeit entstehen dem Arbeitnehmer durch die für Zeiten des Kurzarbeitergeldbezugs nicht zu entrichtenden Beiträge...

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