Praxis-Beispiele: Kurzarbeitergeld

1 Sonderregelungen aufgrund der Corona-Pandemie bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes

 
Wichtig

Aufgrund der außergewöhnlichen Situation am Arbeitsmarkt infolge der COVID-19-Pandemie hatte die Bundesregierung bereits im März 2020 Sonderregelungen zur Entlastung der Arbeitgeber bei den Sozialversicherungsbeiträgen beschlossen. Danach erstattet die Bundesagentur für Arbeit Arbeitgebern für Arbeitsausfälle bis zum 31.12.2020 die von ihnen grundsätzlich allein zu tragenden Beiträge pauschaliert in voller Höhe. Dies gilt auch soweit in dieser Zeit Saison-Kurzarbeitergeld in der Baubranche bezogen wird. Als Pauschale wird ein Satz von 40 % abzüglich des Beitragsatzes zur Arbeitslosenversicherung (derzeit 2,4 %) zugrunde gelegt. Diese Regelungen wurden nunmehr – modifiziert – bis zum 31.12.2021 verlängert.[1] Danach erstattet die Bundesagentur für Arbeit

  • bis zum 30.6.2021 die Beiträge weiterhin in voller Höhe,
  • in der Zeit ab 1.7.2021 längstens bis 31.12.2021 die Beiträge in Höhe von 50 %, wenn mit der Kurzarbeit bis zum 30.6.2021 begonnen wurde.

Darüber hinaus gelten Sonderregelungen zur Höhe des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte. Sie erhalten bei längerem Bezug erhöhte Leistungssätze. Danach beträgt das Kurzarbeitergeld

  • ab dem 4. Bezugsmonat für Arbeitnehmer mit Kind 77 % und für Arbeitnehmer ohne Kind 70 %
  • ab dem 7. Bezugsmonat für Arbeitnehmer mit Kind 87 % und für Arbeitnehmer ohne Kind 80 %

der maßgeblichen Nettoentgeltdifferenz.

Voraussetzung für den jeweils erhöhten Leistungssatz ist, dass die Differenz zwischen dem Sollentgelt und dem Istentgelt (d. h. der Entgeltausfall) im Bezugsmonat mindestens 50 % beträgt. Für die Berechnung sind Monate mit Kurzarbeit ab März 2020 zu berücksichtigen.[2]

Wichtig: Die nachfolgenden Beispiele berücksichtigen die Regelleistungssätze von 60 % für Leistungsberechtigte ohne Kind(er) und 67 % für Leistungsberechtigte mit Kind(ern) im Sinne des Steuerrechts.

[1] § 2 KugV i.d.F der Ersten Änderungsverordnung zur KugV.

2 Arbeitnehmer ist verheiratet und hat ein Kind

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer, Steuerklasse III, mit einem Kind (15 Jahre), erzielt im April 2020 infolge von Kurzarbeit ein Bruttoentgelt von 1.835 EUR. Ohne Kurzarbeit hätte er 2.455 EUR brutto verdient.

Wie werden das Kurzarbeitergeld und die Beiträge zur Sozialversicherung berechnet?

Lösung

Das Kurzarbeitergeld für den Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind im Sinne des Steuerrechts beträgt 67 % der Nettoentgeltdifferenz. Die Nettoentgeltdifferenz entspricht dem Unterschiedsbetrag zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem gerundeten Soll- bzw. Istentgelt.

 
Berechnung Kurzarbeitergeld
Gerundetes Sollentgelt 2.460,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Sollentgelt   1.907,84 EUR
Gerundetes Istentgelt 1.840,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Istentgelt   1.472,00 EUR
Nettoentgeltdifferenz (Sollentgelt ./. Istentgelt)   435,84 EUR
Kurzarbeitergeld April 2020 (435,84 EUR x 67 %)   292,01 EUR

Hinweis: Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Als Entgeltersatzleistung unterliegt es jedoch dem steuerlichen Progressionsvorbehalt, d. h. es wird als Einkommen bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt.

Berechnung der Beiträge zur Sozialversicherung

Für die Berechnung der SV-Beiträge ist zwischen dem tatsächlich erzielten Entgelt und dem Kurzarbeitergeld zu unterscheiden:

  • Für die SV-Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Entgelt gelten die allgemeinen Regelungen zur Berechnung, Tragung und Zahlung der Beiträge in allen Zweigen der Sozialversicherung.
  • SV-Beiträge aus dem Kurzarbeitergeld sind zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu entrichten, nicht jedoch zur Arbeitslosenversicherung. Als beitragspflichtige Einnahme ist ein fiktives Entgelt in Höhe von 80 % des Unterschiedsbetrags zwischen dem ungerundeten Soll- und Istentgelt zugrunde zu legen.
  • Die auf das Kurzarbeitergeld entfallenden SV-Beiträge (einschließlich des Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung) sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.
 
Abrechnungsmonat April 2020
Brutto-Sollentgelt 2.455 EUR
Abzgl. Brutto-Istentgelt - 1.835 EUR
Differenz 620 EUR
Fiktives Entgelt für Beitragsberechnung Kurzarbeitergeld (620 x 80 %) 496 EUR
 
Beitragspflichtige Einnahmen
  KV / PV RV ALV
SV Entgelt 1.835 EUR 1.835 EUR 1.835 EUR
SV Fiktives Entgelt 496 EUR 496 EUR 0 EUR
SV Gesamt 2.331 EUR 2.331 EUR 1.835 EUR

Hinweis

Im Falle einer späteren Arbeitslosigkeit entstehen dem Arbeitnehmer durch die für Zeiten des Kurzarbeitergeldbezugs nicht zu entrichtenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung keine Nachteile bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes. Soweit Zeiten der Kurzarbeit in die Arbeitslosengeldberechnung einfließen, ist für diese Zeiten – unabhängig von der Höhe der Beiträge – das Bruttoarbeitsentgelt zugrunde zu legen, das der Arbeitnehmer ohne die Kurzarbeit erzielt hätte.

3 Arbeitnehmer ist verheiratet und hat 2 Kinder

 

Sachverhalt

Ein Mitarbeiter einer Speditionsfirma, Steuerklasse IV, mit 2 minderjährigen Kindern, erzielt im Juli 2020 infolge von Kurzarbeit ein Bruttoentgelt von 1.205 EUR. Ohne Kurzarbeit hätte er 3.381 EUR brutto verdient.

Wie werden das Kurzarbeitergeld und die Beiträge zur Sozialversic...

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