Praxis-Beispiele: Berufskra... / 3 Nahverkehr
 

Sachverhalt

Ein angestellter Berufskraftfahrer liefert mit dem Lkw seines Arbeitgebers Baustoffe für einen örtlichen Baustoffhändler an dessen Kunden aus. Er übernimmt morgens den Lkw auf dem Betriebshof und stellt ihn abends dort wieder ab. Seine Wochentour sieht wie folgt aus:

 
  Verlassen der Wohnung Fahrzeit Beginn Fahrzeit Ende Rückkehr in der Wohnung
Montag 6:30 Uhr 7:10 Uhr 16:20 Uhr 16:50 Uhr
Dienstag 4:40 Uhr 5:00 Uhr 18:20 Uhr 18:50 Uhr
Mittwoch 7:40 Uhr 8:10 Uhr 15:00 Uhr 15:30 Uhr
Donnerstag 6:30 Uhr 7:00 Uhr 14:00 Uhr 14:30 Uhr
Freitag 6:00 Uhr 6:30 Uhr 13:00 Uhr 13:30 Uhr

Kann der Arbeitgeber für diesen Mitarbeiter Verpflegungsmehraufwendungen steuerfrei erstatten?

Lösung

Der Fahrer übt eine Fahrtätigkeit aus. Berufskraftfahrer haben am Betriebssitz keine erste Tätigkeitsstätte. Allerdings handelt es sich in diesem Fall bei dem Betriebssitz um einen Sammelpunkt. Etwas anderes gilt nur, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Betriebssitz arbeitsrechtlich als erste Tätigkeitsstätte zuordnet. Der Tätigkeitsmittelpunkt ist auf einem Fahrzeug. Somit liegt eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vor. Für die Berechnung der steuerfreien Verpflegungsmehraufwendungen kommt es auf die Abwesenheitszeiten von der Wohnung an. Die Abwesenheitszeiten des Arbeitnehmers vom Betriebshof sind unbeachtlich.

Für eintägige auswärtige Tätigkeiten ohne Übernachtung kann bei einer Abwesenheit von mehr als 8 Stunden von der Wohnung eine Pauschale von 12 EUR berücksichtigt werden.

Folgende steuerfreien Verpflegungsmehraufwendungen können gezahlt werden:

 
  von – bis Abwesenheit Steuerlich maßgebende Abwesenheit Verpflegungsmehraufwand
Montag 06:30-16:50 Uhr 10 Std. u. 20 Min. mehr als 8 Stunden 12 EUR
Dienstag 04:40-18:50 Uhr 14 Std. u. 10 Min. mehr als 8 Stunden 12 EUR
Mittwoch 07:40-15:30 Uhr 7 Std. u. 50 Min. nicht mehr als 8 Stunden 0 EUR
Donnerstag 06.30-14:30 Uhr 8 Std. nicht mehr als 8 Stunden 0 EUR
Freitag 06:00-13:30 Uhr 7 Std. u. 30 Min. nicht mehr als 8 Stunden 0 EUR
Summe       24 EUR

Hätte der Arbeitnehmer am Donnerstag eine Minute länger gearbeitet oder hätte die Heimfahrt etwas länger gedauert, wären die Voraussetzungen für einen Verpflegungsmehraufwand von 12 EUR erfüllt gewesen. In diesem Fall würde die Abwesenheitszeit von der Wohnung mehr als 8 Stunden betragen.

Bus- oder Lkw-Fahrer haben regelmäßig keine erste Tätigkeitsstätte. Wenn dauerhaft und typischerweise arbeitstäglich ein vom Arbeitgeber festgelegter Ort aufgesucht werden soll, werden die Fahrten von der Wohnung zu diesem Ort/Sammelpunkt gleich behandelt mit den Fahrten von der Wohnung zu einer ersten Tätigkeitsstätte. Ein steuerfreier Arbeitgeberersatz ist in diesem Fall nicht zulässig.

Für die Fahrten von der Wohnung zum Betriebshof ist lediglich die Entfernungspauschale als Werbungskosten abzugsfähig. Eine steuerfreie Erstattung durch den Arbeitgeber ist nicht möglich. Jedoch kann der Arbeitgeber in diesem Fall die Lohnsteuer für die Zahlung mit 15 % pauschalieren. Dadurch entsteht Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung. Allerdings muss der Arbeitnehmer beachten, dass die Entfernungspauschale um die pauschal versteuerte Erstattung gekürzt wird.

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