Praxis-Beispiele: Annehmlichkeiten

1 Arbeitsessen (außergewöhnlicher Einsatz)

 

Sachverhalt

In einem Unternehmen steht die Jahresinventur durch die Mitarbeiter an. Die Inventur soll ohne größere Unterbrechungen ablaufen. Daher bestellt der Arbeitgeber an jedem der 3 Tage für alle Einsatzkräfte Mittagessen und Getränke, die im Betrieb verzehrt werden. Die Kosten belaufen sich auf 25 EUR pro Tag und pro Person.

Handelt es sich bei den 25 EUR um lohnsteuer- und sozialversicherungsfreie Aufmerksamkeiten für die Mitarbeiter?

Lösung

Die Mahlzeiten gelten als Aufmerksamkeiten, da sie bei einem außergewöhnlichen Arbeitseinsatz gewährt werden. Die Kosten überschreiten nicht die Grenze von 60 EUR pro Mahlzeit und pro Tag. Somit gilt die Aufmerksamkeit für die Mitarbeiter nicht als Arbeitslohn und auch nicht als Arbeitsentgelt.

2 Verzehr im Betrieb (Kaffee, Tee, Gebäck)

 

Sachverhalt

In einem Unternehmen wird den Mitarbeitern Kaffee, Tee, Mineralwasser sowie Gebäck und Süßigkeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Arbeitgeber selbst trinkt auch Kaffee im Büro. Ist die Zurverfügungstellung von Getränken und Lebensmitteln an die Mitarbeiter steuer- und sozialversicherungspflichtig und muss der Arbeitgeber seine eigene Tasse Kaffee als Privatentnahme buchen?

Lösung

Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zum Verzehr im Betrieb unentgeltlich zur Verfügung stellt, gelten als Aufmerksamkeiten. Sie gelten nicht als Arbeitslohn.

Auch die eigene Tasse Kaffee darf sich der Arbeitgeber weiterhin gönnen, sofern die Aufwendungen insgesamt im angemessenen Rahmen bleiben.

Hinweis

Werden den Arbeitnehmern vollständige Mahlzeiten zur Verfügung gestellt, ist Vorsicht geboten. Diese gelten nur als Aufmerksamkeiten, wenn sie im Rahmen eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes gewährt werden. Auch die Bewirtung in einer Gaststätte zählt nicht als Aufmerksamkeit.

3 Tankgutschein

 

Sachverhalt

Ein Arbeitgeber möchte seinen Mitarbeitern anstelle einer Prämie monatlich einen Tankgutschein zur Verfügung zu stellen.

Wie muss der Gutschein ausgestellt sein, damit er für den Mitarbeiter keinen lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn darstellt?

Lösung

Sachbezüge bis zu einer Freigrenze von 44 EUR monatlich, die nicht in Geld bestehen, bleiben lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Der Arbeitgeber darf dem Arbeitnehmer einen Gutschein mit einem ausgewiesenen Geldbetrag oder auch einen Geldbetrag mit der Auflage zum Erwerb einer Sachleistung überlassen.

Es bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Der Arbeitgeber händigt dem Arbeitnehmer einen Gutschein über höchstens 44 EUR aus. Die Tankstelle rechnet anschließend mit dem Arbeitgeber ab.
  • Der Arbeitgeber überlässt dem Arbeitnehmer eine Tankkarte; mit dieser darf der Arbeitnehmer bei einer bestimmten Tankstelle für monatlich höchstens 44 EUR tanken.
  • Der Arbeitgeber überlässt dem Arbeitnehmer 44 EUR monatlich als zweckgebundene Geldleistung in bar, die dieser dann in Form einer monatlichen Tankquittung abrechnen muss.
  • Die Gutscheine können natürlich auch zum Erwerb von anderen Waren ausgegeben werden. Der Arbeitgeber kann Gutscheine im Einzelhandel für maximal 44 EUR erwerben und an die Arbeitnehmer ausgeben.

Hinweis

Bei der 44-EUR-Grenze handelt es sich um eine monatliche Freigrenze, die insgesamt pro Arbeitnehmer nicht überschritten werden darf. Es ist darauf zu achten, ob der Arbeitnehmer weitere Sachbezüge von seinem Arbeitgeber erhält, z. B. eine Dienstwohnung, für die der Arbeitnehmer weniger als die ortsübliche Miete zu zahlen hat oder ein zinsbegünstigtes Darlehen.

Die Zurverfügungstellung eines Dienstwagens zur privaten Nutzung sowie die Überlassung von Essenmarken bleiben dabei unberücksichtigt.

Praxis-Tipp

Der Arbeitgeber sollte bei der Ausgabe von Gutscheinen weiterhin darauf achten, dass diese auf jeden Fall monatlich ausgegeben werden.

4 Warengutschein

 

Sachverhalt

Eine Arbeitnehmerin erhält zum Geburtstag einen Gutschein einer Parfümerie in Höhe von 60 EUR. Stellt der Gutschein lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn für die Arbeitnehmerin dar?

Lösung

Der Gutschein gilt als steuerfreie Aufmerksamkeit.

Hinweis

Die 60-EUR-Grenze für Sachgeschenke anlässlich eines besonderen persönlichen Ereignisses gilt unabhängig von der 44-EUR-Grenze für geringfügige Sachbezüge. Die Mitarbeiterin kann also z. B. neben der Überlassung eines monatlichen Jobtickets in Höhe von 44 EUR einen Geburtstagsgutschein in Höhe von 60 EUR erhalten. Auch die Überlassung eines Dienstwagens zur privaten Nutzung bzw. die Überlassung von Mahlzeiten oder Essenmarken ist nicht auf die 44-EUR-Grenze anzurechnen.

5 Sachgeschenk (Wert unter 60 EUR)

 

Sachverhalt

Eine Arbeitnehmerin erhält zum Geburtstag ein Parfüm zum Preis von 30 EUR sowie einen Blumenstrauß zum Preis von 10 EUR. Ist das Sachgeschenk steuer- und beitragsfrei für die Mitarbeiterin?

Lösung

Die Freigrenze von 60 EUR für Sachgeschenke wird nicht überschritten. Das Sachgeschenk kann als Aufmerksamkeit abgerechnet werden und gehört als solche nicht zum lohnsteuer- und beitragspflichtigen Arbeitslohn.

Praxis-Tipp

Auf allen Belegen, die abrechnet werden, sollten sofort der Empfänger des Geschenks und der Anlass notiert werden....

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