Lohnsteuer und Beiträge von... / Lohnsteuer

1 Ermäßigte Besteuerung von Abfindungen

Abfindungen sind steuerpflichtig und unterliegen dem Lohnsteuerabzug. Steuerpflichtige Abfindungszahlungen in der Privatwirtschaft können unter bestimmten Voraussetzungen nach der sog. Fünftelregelung tarifermäßigt besteuert werden. Die Steuerermäßigung bezieht sich nicht ausdrücklich auf Abfindungen. Abfindungen sind Entschädigungen für entgangene oder entgehende Einnahmen, für die eine ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelregelung zulässig ist, wenn es sich hierbei zudem um außerordentliche Einkünfte handelt. Voraussetzung für die ermäßigte Besteuerung steuerpflichtiger Abfindungen nach der Fünftelregelung ist also, dass es sich um eine Entschädigung und um außerordentliche Einkünfte handelt.

Grundsätzlich erfüllen Abfindungen aufgrund einer vom Arbeitgeber veranlassten Auflösung des Dienstverhältnisses immer auch die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Entschädigung. Das setzt voraus, dass an Stelle der bisher geschuldeten Leistung eine andere tritt. Diese andere Leistung muss auf einem eigenständigen Rechtsgrund beruhen. Als weitere Voraussetzung muss der Ausfall der Einnahmen entweder von dritter Seite veranlasst worden sein oder der Betroffene muss unter rechtlichem, wirtschaftlichem oder tatsächlichem Druck gestanden haben.

Steuerermäßigung auch bei einvernehmlicher Auflösung

Auch bei einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses kann davon ausgegangen werden, dass der Arbeitnehmer unter Druck steht. Zahlt ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer im Zuge der (einvernehmlichen) Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine Abfindung, ist regelmäßig davon auszugehen, dass der Arbeitnehmer die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht allein aus eigenem Antrieb herbeigeführt hat. Wäre dies der Fall, hätte der Arbeitgeber keine Veranlassung, eine Abfindung zu leisten. Dass die Betroffenen bei Abschluss des Vertrags über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses unter nicht unerheblichem Druck stehen, bedarf keiner weiteren tatsächlichen Feststellungen.

Steuerbefreite Kapitalabfindungen im öffentlichen Dienst

Für Kapitalabfindungen im öffentlichen Dienst sind besondere Steuerbefreiungen zu beachten. So sind die Kapitalabfindungen aufgrund der Beamten-(Pensions-)Gesetze in vollem Umfang steuerfrei. Hierzu gehören

2 Ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelregelung

Bei der Fünftelregelung wird die Steuerbelastung dadurch vermindert, dass die Abfindung im Lohnsteuerabzugsverfahren nur mit 1/5 angesetzt wird. Die sich für dieses 1/5 der Abfindung nach der Jahreslohnsteuertabelle ergebende Lohnsteuer wird verfünffacht, entspricht also der Steuer für die gesamte Abfindung. Hierdurch wird der Effekt der Steuerprogression gemildert und der persönliche Steuersatz des Arbeitnehmers steigt nicht zu stark. Der Arbeitnehmer wird – rein rechnerisch – so gestellt, als erhielte er die Abfindung gleichmäßig auf die nächsten 5 Jahre verteilt.

Wie die Fünftelregelung funktioniert

Im ersten Schritt wird die Jahreslohnsteuer für den verbleibenden Arbeitslohn berechnet. Dann wird dem verbleibenden Jahresarbeitslohn 1/5 der Abfindung hinzugerechnet und die Jahreslohnsteuer erneut berechnet. Die Differenz entspricht der Steuer für 1/5 der Abfindung; das Fünffache dieser Differenz ist die Steuer auf die gesamte Abfindung.

 

Praxis-Beispiel

Lohnsteuerberechnung nach der Fünftelregelung

Ein 45-jähriger Arbeitnehmer mit einem laufenden Monatslohn von 2.500 EUR erhält im Oktober 2019 infolge einer vom Arbeitgeber veranlassten Auflösung des Dienstverhältnisses zum 31.12. eine Abfindung i. H. v. 15.000 EUR. Sonstige Bezüge sind nicht erfolgt. Der Arbeitnehmer ist in der Steuerklasse III und hat keine Kinder.

Ergebnis: Die Abfindung ist in vollem Umfang steuerpflichtig. Für den Betrag von 15.000 EUR ist die Differenz aus der Jahreslohnsteuer zu 30.000 EUR (12 Monate zu 2.500 EUR) und zu 33.000 EUR (Jahresarbeitslohn zzgl. 3.000 EUR = 1/5 von 15.000 EUR) zu ermitteln. Die Lohnsteuer, die auf die 3.000 EUR entfällt, ist mit 5 zu multiplizieren.

 
Jahreslohnsteuer von 33.000 EUR (mit 1/5 der Abfindung) 1.498 EUR
Jahreslohnsteuer 30.000 EUR (ohne Abfindung) 918 EUR
Differenz (Lohnsteuer auf 1/5 der Abfindung) 580 EUR
Gesamtlohnsteuer für die Abfindung (580 EUR × 5) 2.900 EUR
Verbleibende Nettoabfindung (15.000 EUR – 2.900 EUR) 12.100 EUR

3 Voraussetzung der ermäßigten Besteuerung bei Abfindungen

Voraussetzung für die Anwendung der Fünftelregelung auf Entlassungsabfindungen ist, dass die Zahlungen als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen erfolgen, die nicht auf eine Mitwirkung des Arbeitnehmers an der Schadensursache zurückzuführen sind und außerordentliche Einkünfte darstellen. Entlassungsentschädigungen rechnen nur dann zu den außerordentlichen Einkünften, wenn diese dem Arbeitnehmer zusammengeballt zufließen.

Prüfen der Zusammenballung in 2 Schritten

Zur Prüfung, ob eine Zusammenballung von Einkünften gegeben ist, sind grundsätzlich ...

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