Gutscheine und Geldkarten, FAQ zur Abgrenzung zwischen Geldleistung und Sachbezug

Kurzbeschreibung

Für die Frage, ob bei Gutscheinen und Guthabenkarten die 44-EUR-Freigrenze angewendet werden kann, ist ausschlaggebend, dass diese einen Sachbezug darstellen. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Gutscheine und Geldkarten und die Abgrenzung von Barlohn zu Sachbezügen.

1. Gutscheine und Geldkarten

1.1 Was gilt nun für Geld- und Guthabenkarten z. B. von Sodexo oder Edenred?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Aussagen zu einzelnen Produkten treffen können.

Beachten Sie bitte folgende Grundsätze: Einen Sachbezug stellen seit 2020 gem. der neuen Regelung nur Gutscheine und Geldkarten dar, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen. Geldkarten, die als Geldersatz im Rahmen unabhängiger Systeme des unbaren Zahlungsverkehrs eingesetzt werden können, sind nicht mehr begünstigt. Schädlich sind demnach auch sog. Prepaid-Geldkarten und Karten mit Barauszahlungsfunktion (es wird jedoch nicht beanstandet, wenn verbleibende Restguthaben bis zu einem EUR ausgezahlt werden können). Viele Anbieter haben inzwischen ihre Bedingungen entsprechend angepasst. Trotzdem kommt es natürlich immer auf den Einzelfall an.

Nunmehr ab 2022 müssen die Karten/Gutscheine zudem die Kriterien laut § 2 Abs. 1 Nr. 10 a), b) oder c) Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) erfüllen. Danach sind 3 verschiedene Kategorien erlaubt:

  1. Limitierte Netze – § 2 Abs. 1 Nr. 10 a) ZAG: Hierunter fallen Gutscheinkarten von Einkaufsläden, Einzelhandelsketten oder regionale CityCards.
  2. Limitierte Waren- oder Dienstleistungspalette – § 2 Abs. 1 Nr. 10 b) ZAG: Hierunter fallen z. B. Tankkarten, Gutscheinkarten für Buchläden, Beauty- oder Fitnesskarten sowie Kinokarten.
  3. Instrumente zu steuerlichen und sozialen Zwecken – § 2 Abs. 1 Nr. 10 c) ZAG: Hierzu gehören z. B. Essensgutscheine.

Es kommt bei den o. g. Anbietern also insbesondere ab dem 1.1.2022 zusätzlich auf die Begrenzung der Gutscheine und Geldkarten an. Entscheidend ist, ob es sich bei der Form der Guthabenkarte um Gutscheine oder Geldkarten handelt, die nur in Deutschland eingesetzt werden können und das Netzwerk von den Dienstleistern im Rahmen einer Geschäftsvereinbarung begrenzt ist. Eigentlich sollte das auch schon seit 2020 gelten, bis Ende 2021 wird jetzt aber eine Übergangsregelung für unbegrenzte Gutscheine und Karten gewährt.

Die Finanzverwaltung hat in einem BMF-Schreiben zu der neuen gesetzlichen Regelung Stellung genommen, um Zweifelsfragen und Abgrenzungsprobleme zu klären (BMF, Schreiben v. 13.4.2021, IV C 5 - S 2334/19/10007 :002). Sollten in Einzelfällen immer noch Zweifelsfälle bestehen, die nicht durch das BMF-Anwendungsschreiben klar hervorgehen, kommt eine lohnsteuerliche Anrufungsauskunft beim Betriebsstättenfinanzamt in Betracht.
1.2 Was gilt nun für Gutscheine zum Interneteinkauf, z.B. von Amazon, Zalando etc.?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Aussagen zu einzelnen Produkten treffen können. Bis Ende 2021 gibt es aber kein Problem, solange der Gutschein ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigt.

Ab 2022 gilt Folgendes: Begünstigt sind Karten eines Online-Händlers, die nur zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen aus seiner eigenen Produktpalette berechtigen. Diese Voraussetzung ist aufgrund der fortschreitenden Plattformverbreitung problematisch. Inzwischen bieten viele Online-Händler auch Waren von Fremdanbietern über ihre Plattformen an (z. B. Marketplace), für deren Kauf die Gutscheine je nach den Bedingungen im Einzelfall ebenfalls einlösbar sind. Das wäre nach dem Verwaltungserlass ab 2022 schädlich.
1.3 Fallen unter die 44-EUR-Sachbezugsgrenze noch Gutscheine, die z. B. für ein ganzes Einkaufszentrum gelten? Oder ist das auch nicht mehr erlaubt?
Aktuell sind aufgrund der vorgestellten Übergangsregelung ohnehin auch unbegrenzte Gutscheine erlaubt. Ab 2022 müssen zusätzliche Voraussetzungen als Begrenzung erfüllt sein. Gutscheine für ein Einkaufszentrum sind aber auch im Jahr 2022 weiter begünstigt, nur eine Barauszahlungsmöglichkeit darf nicht bestehen .
1.4 Wie sind selbst erstellte Gutscheine des Arbeitgebers zu bewerten?

Erstellt der Arbeitgeber einen Gutschein zur Einlösung bei Dritten selbst, stellt dies beim "Einlösen" (= Einreichen der Quittung) beim Arbeitgeber als nachträgliche Kostenerstattung seit 2020 Barlohn dar und die Sachbezugsfreigrenze von aktuell 44 EUR ist nicht anwendbar. Hier gibt es keine Übergangsregelung.

Eine Ausnahme gilt jedoch für einen vom Arbeitgeber selbst ausgestellten Gutschein, wenn die Akzeptanzstellen (z. B. Tankstelle) aufgrund eines vorher geschlossenen (Rahmen-)Vertrags unmittelbar mit dem Arbeitgeber abrechnen.
1.5 Kann der Arbeitgeber auch Gutscheine zur Einlösung bei Dritten für das ganze Jahr einkaufen und diese monatlich an die Arbeitnehmer ausgeben, oder muss er die Gutscheine monatlich kaufen?

Der Arbeitgeber kann die Gutscheine für ein ganzes Jahr einkaufen. Wichtig ist aber: Es gilt das Zuflussprinzip, d. h. monatlich darf ...

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