Gruppenunfallversicherung / Lohnsteuer

1 Beitragszahlungen sind Arbeitslohn

Beiträge des Arbeitgebers zu Gruppenunfallversicherungen, die er zugunsten seiner Arbeitnehmer abgeschlossen hat, führen zu Arbeitslohnzufluss, wenn die Ausübung der Rechte unmittelbar dem Arbeitnehmer zusteht.

 
Wichtig

Anwendung der 44-EUR-Freigrenze strittig

Die vom Arbeitgeber übernommenen Versicherungsbeiträge sind nach bisheriger Ansicht der Finanzverwaltung kein Sachlohn, sondern Barlohn. Der BFH hat indessen in 2 Urteilen entschieden, dass es sich bei übernommenen Versicherungsbeiträgen um Sachlohn handeln kann, wenn der Arbeitnehmer dadurch lediglich Versicherungsschutz beanspruchen kann und der Vertrag mit dem Versicherungsunternehmen über den Arbeitgeber abgewickelt wird.[1]

2 Lohnsteuerpauschalierung der Beiträge

Steuerpflichtige Beiträge sind grundsätzlich individuell nach den ELStAM des Arbeitnehmers zu versteuern. Unter folgenden Voraussetzungen kann die Lohnsteuer für steuerpflichtige Beiträge vom Arbeitgeber mit 20 % pauschaliert werden:[1]

  • Es muss sich um eine Gruppenunfallversicherung handeln, in der mindestens 2 Arbeitnehmer gemeinsam versichert sind.
  • Der durchschnittliche Beitrag darf je Arbeitnehmer 100 EUR jährlich nicht übersteigen. Für die Prüfung des Höchstbetrags von 100 EUR darf aus dem Beitrag die Versicherungssteuer von 19 % herausgerechnet werden. Eine Vervielfältigung des Betrags, z.  B. in Anlehnung an die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, ist allerdings nicht zulässig.

Die Pauschalierung mit 20 % ist unter diesen Voraussetzungen auch ohne unmittelbaren Versicherungsanspruch des Arbeitnehmers bei Lohnzufluss im Zeitpunkt der Versicherungsleistungen möglich.

Nach Ansicht der Finanzverwaltung ist in den Fällen der Pauschalierung die 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze nicht anzuwenden, da in diesem Fall die Leistungen des Arbeitgebers nicht nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG bewertet werden.

3 Zuflusszeitpunkt

3.1 Arbeitnehmer ohne unmittelbaren Versicherungsanspruch

Handelt es sich um eine Versicherung für fremde Rechnung[1], bei der die Ausübung der Rechte ausschließlich dem Arbeitgeber zusteht, fließen die Beiträge nicht bereits im Zeitpunkt der Zahlung zu, sondern kumuliert bei Gewährung der Versicherungsleistung im Schadensfall. Dies gilt unabhängig davon, ob der Unfall im beruflichen oder im privaten Umfeld eingetreten ist.

Ermittlung der nachzuversteuernden Beitragszahlungen

Erhält ein Arbeitnehmer Leistungen aus einem entsprechenden Vertrag, führen die bis dahin entrichteten, auf den Versicherungsschutz des Arbeitnehmers entfallenden Beiträge im Zeitpunkt der Auszahlung zu Arbeitslohn in Form von Barlohn. Die Zuflusshöhe ist begrenzt auf die dem Arbeitnehmer ausgezahlte Versicherungsleistung. Zur Ermittlung des Arbeitslohns sind alle seit Beginn des Arbeitsverhältnisses entrichteten und noch nicht versteuerten Beiträge zu berücksichtigen. Bei einem Wechsel des Arbeitgebers sind ausschließlich die seit Beginn des neuen Dienstverhältnisses entrichteten Beiträge zu erfassen.

Aus Vereinfachungsgründen können die auf den Versicherungsschutz des Arbeitnehmers entfallenden Beiträge unter Berücksichtigung der Beschäftigungsdauer auf Basis des zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalls geleisteten Versicherungsbeitrags hochgerechnet werden.[2]

 
Praxis-Tipp

Anwendung der Fünftelregelung prüfen

Bei den im Zeitpunkt der Versicherungsleistung zu besteuernden Beiträgen kann es sich um eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit handeln, die nach der Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden kann.[3]

 
Praxis-Beispiel

Arbeitslohnzufluss ohne unmittelbaren Rechtsanspruch

Ein Arbeitgeber schließt im Januar für 10 Arbeitnehmer eine Gruppenunfallversicherung ab. Er zahlt monatlich Versicherungsbeiträge von 5 EUR je Arbeitnehmer. Ein Mitarbeiter erleidet im Juni einen Unfall auf dem Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und erhält eine Versicherungsleistung von 1.000 EUR.

Ergebnis: Haben die Arbeitnehmer keinen unmittelbaren Versicherungsanspruch, fließt nur dem verunglückten Mitarbeiter bei Eintritt des Versicherungsfalls Arbeitslohn i.  H.  v. 30 EUR zu (6 Monatsprämien zu 5 EUR). Den übrigen Arbeitnehmern fließt kein Arbeitslohn zu.

3.2 Arbeitnehmer mit unmittelbarem Versicherungsanspruch

Zu einem fortlaufenden Zufluss bereits im Zeitpunkt der Entrichtung der Versicherungsbeiträge kommt es, wenn der Arbeitnehmer den Versicherungsanspruch selbst unmittelbar gegenüber dem Versicherungsunternehmen geltend machen kann.[1]

 
Praxis-Beispiel

Arbeitslohnzufluss bei unmittelbarem Versicherungsanspruch

Ein Arbeitgeber schließt im Januar für 10 Arbeitnehmer eine Gruppenunfallversicherung ab. Er zahlt monatlich Versicherungsbeiträge von 5 EUR je Arbeitnehmer. Die Arbeitnehmer haben im Schadensfall einen unmittelbaren Anspruch gegenüber dem Versicherungsunternehmen.

Ergebnis: Jedem Mitarbeiter fließt monatlich Arbeitslohn in Höhe der Versicherungsbeiträge von 5 EUR zu. Der Arbeitgeber kann die...

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