Gottwald/Mock, Zwangsvollst... / 9.4.1 Guthaben auf Kontokorrent- und Girokonten
 

Rz. 130

Die in das Kontokorrent eingestellten Einzelforderungen sind unpfändbar (BGH, NJW 1982, 1150 = WM 1982, 233 = BB 1982, 399 = ZIP 1982, 292 = DB 1982, 1002 = JurBüro 1982, 853 = MDR 1982, 574 = JuS 1982, 626). Die Kontokorrentabrede beinhaltet, dass diese Einzelforderung nicht abgetreten werden dürfen. Zwar würde bei der Vereinbarung eines Abtretungsverbots gem. §§ 399, 2. Alt. BGB, 851 Abs. 2 ZPO zumindest im üblichen Fall der Vereinbarung eines Geldkontokorrents jede Einzelforderung dennoch wg. der Pfändbarkeit von Geld pfändbar sein. Von diesem Grds. macht § 357 HGB jedoch eine Ausnahme, denn diese Vorschrift geht davon aus, dass nur Salden aus dem Kontokorrent pfändbar sind (vgl. BGH, NJW 1981, 1611 = DB 1981, 1324 = WM 1981, 542 = ZIP 1981, 591 = BB 1981, 1051 = Rpfleger 1981, 290 = MDR 1981, 730 = JurBüro 1981, 1326 = JuS 1981, 846).

 

Rz. 131

Der Zustellungssaldo, d. h. der Saldo zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Pfändung (vgl. § 829 Abs. 3 ZPO), ist hingegen gem. § 357 HGB pfändbar. Unerheblich ist, dass i. d. R. zu diesem Zeitpunkt die laufende Kontokorrentperiode noch nicht beendet und eine Saldierung noch nicht fällig ist. Die Pfändung in das laufende Kontokorrent bewirkt, dass das Konto lediglich buchungstechnisch und auch nur im Verhältnis zw. Bank und dem Gläubiger auf den Zeitpunkt der Pfändung vorläufig abgeschlossen wird (BGH, NJW 1981, 1611 DB 1981, 1324 = WM 1981, 542 = ZIP 1981, 591 = BB 1981, 1051 = Rpfleger 1981, 290 = MDR 1981, 730 = JurBüro 1981, 1326 = JuS 1981, 846; Thomas/Putzo, § 829 Rn. 46). Ebenfalls pfändbar, soweit dies zusätzlich beantragt ist, ist der Saldo am Ende der laufenden Rechnungsperiode (BGHZ 84, 371 = WM 1982, 816 = DB 1982, 1714 = ZIP 1982, 932 = JZ 1982, 609 = BB 1982, 1575 = NJW 1982, 2193 = MDR 1982, 904; siehe auch LG Oldenburg, JurBüro 1982, 620; BGH, NJW 1988, 2543 = ZIP 1988, 871 = BB 1988, 1284 = WM 1988, 950 = MDR 1988, 859 = EWiR 1988, 727 = Rpfleger 1988, 418 = JuS 1989, 65; BGHZ 93, 71= WM 1985, 78 = ZIP 1985, 150 = BB 1985, 294 = DB 1985, 545 = NJW 1985, 863 = JurBüro 1985, 701 = EWiR 1985, 25 = MDR 1985, 404 = WuB I A Nr. 19 AGB-Banken 1.85). Pfändbar sind auch die zukünftigen Salden. Die Pfändung richtet sich beim Bank- und Sparkassenkontokorrent nicht nach § 357 HGB, sondern nach den §§ 829 ff. ZPO Erfasst werden also, soweit der Pfändungsbeschluss dies anordnet, die künftigen Guthabensalden zum Ablauf der jeweiligen Abrechnungsperioden sowie Festgeldkonten (OLG Köln, Vollstreckung effektiv 2000, 21). Zu Oder-Konten bzw. "Und-Konten" vgl. Rz. 141 ff.

 

Rz. 132

Erwirbt die kontokorrentführende Bank erst nach der Pfändung des Kontokorrentsaldos durch einen Gläubiger des Bankkunden eine Forderung gegen diesen, so kann sie den "Zustellungssaldo" auch nicht aufgrund ihres AGB-Pfandrechts mit Wirkung gegenüber dem Pfändungsgläubiger um den Betrag der Forderung verringern (BGH, MDR 1997, 878 = WM 1997, 1324 = ZIP 1997, 1231 = NJW 1997, 2322 =  BB 1997, 1501 = DB 1997, 1969 = Rpfleger 1997, 487 = KTS 1997, 636 = KKZ 1998, 165; OLG Düsseldorf WM 1984, 489 und Ergänzung BGH, 1984-11-29, IX ZR 44/84, BGHZ 93, 71, 78.).

 

Rz. 133

Beim Kontokorrent ist als Geldforderung auch der Anspruch auf fortlaufende Auszahlung des sich zwischen den Rechnungsabschlüssen ergebenden Guthabens mit dem Recht, über dieses Guthaben durch Überweisungsaufträge zu verfügen, pfändbar. Auch diese Pfändung muss ausdrücklich beantragt und ausgesprochen werden (BGH, NJW 1982, 2193 = WM 1982, 816 = DB 1982, 1714 = ZIP 1982, 932 = MDR 1982, 904 = BGHZ 84, 371; BFH, NJW 1984, 1919 = DB 1984, 1076 = BB 1984, 906 = ZIP 1984, 692 = ZfZ 1984, 174 = WM 1984, 864 = HFR 1984, 262 = Information StW 1984, 306 = DStR 1984, 375). Die Pfändung der künftigen Ansprüche aus einem Girovertrag bleibt – unbeschadet der Möglichkeit der Insolvenzanfechtung – auch insoweit wirksam, als sie sich auf ein nach dem zwischenzeitlichen Erlass eines Sequestrationsbeschlusses entstehendes Guthaben erstreckt (BGH, NJW 1997, 1857).

 

Rz. 134

Beim Girokonto kann zwischen den förmlichen Rechnungsabschlüssen über ein Guthaben verfügt werden. Dieser Anspruch auf Auszahlung des Guthabens ist pfändbar (BGH, NJW 1982, 2193 = WM 1982, 816 = DB 1982, 1714 = ZIP 1982, 932 = MDR 1982, 904 = BGHZ 84, 371; BFH, NJW 1984, 1919 = DB 1984, 1076 = BB 1984, 906 = ZIP 1984, 692 = ZfZ 1984, 174 = WM 1984, 864 = HFR 1984, 262 = Information StW 1984, 306 = DStR 1984, 375; vgl. auch OLG Celle, ZIP 1981, 496; LG Göttingen, Rpfleger 1980, 237; LG Detmold, Rpfleger 1978, 150). Bei der Berechnung des jeweiligen Guthabens sind die Ein- und Abgänge des Tages, an dem der Pfändungsbeschluss an den Drittschuldner zugestellt wurde, sowie die bis zu diesem Tage fälligen Kontoführungsgebühren, Überziehungsprovisionen und Sollzinsen mit dem bisherigen Kontostand zu saldieren; nicht aber auch künftige Ansprüche der Bank, die an diesem Tage zwar dem Grunde nach absehbar waren, jedoch erst später zur Entstehung gebracht worden sind (OLG Düsseldorf, ZIP 1984, ...

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