Dienstwagen in der Entgelta... / 2.8.1 Erste Tätigkeitsstätte

Der prozentuale Ansatz der Privatnutzung, der auf das Jahr gesehen 12 % des Bruttolistenpreises beträgt, umfasst die eigentlichen Privatfahrten, z. B. Einkaufsfahrten oder Wochenend- und Urlaubsreisen sowie andere Freizeitfahrten oder Mittagsheimfahrten. Steht dem Arbeitnehmer das Firmenfahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zur Verfügung, ist dieser geldwerte Vorteil zusätzlich zu berücksichtigen. Die 0,03-%-Regelung ist unabhängig von der 1-%-Methode anzuwenden, wenn der Dienstwagen ausschließlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen wird.

Zuschlag ist an erste Tätigkeitsstätte geknüpft

Sowohl bei der 1-%-Regelung als auch bei der Fahrtenbuchmethode berechnet sich ein zusätzlicher geldwerter Vorteil als Zuschlag zur eigentlichen Privatnutzung, wenn der Dienstwagen dem Arbeitnehmer auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zur Verfügung steht. Die Zuschlagsberechnung ist an die Wegstrecke Wohnung – erste Tätigkeitsstätte geknüpft. Das Lohnbüro muss für die Durchführung der Dienstwagenbesteuerung prüfen, wo der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte hat.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des monatlichen Sachbezugswerts für Dienstwagen

Ein leitender Angestellter ist jeweils von Montag bis Donnerstag am Firmensitz in Frankfurt tätig (Entfernung zur Wohnung 40 km). Jeweils freitags arbeitet er ganztägig an der Filiale in Darmstadt, wo er auch wohnt. Für die Fahrten steht ihm ein Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis von 50.000 EUR zur Verfügung. Nach dem Anstellungsvertrag ist der Arbeitnehmer dem Filialbetrieb in Darmstadt als erste Tätigkeitsstätte zugeordnet (Entfernung zur Wohnung 3 km).

Ergebnis: Aufgrund der arbeitsrechtlichen Festlegung ist die Betriebsstätte in Darmstadt die erste Tätigkeitsstätte des leitenden Angestellten. Auf den Umfang der dort verrichteten Arbeitsleistung und auf die Tatsache, dass er überwiegend in Frankfurt arbeitet, kommt es nicht an (Vorrang des Arbeitsrechts). Für die Dienstwagenbesteuerung sind die Fahrten am Freitag nach Darmstadt anzusetzen. Der monatliche geldwerte Vorteil berechnet sich wie folgt:

 
Geldwerter Vorteil für Privatfahrten: 1 % v. 50.000 EUR 500 EUR
Zuschlag für Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte: 0,03 % x 50.000 EUR x 3 km + 45 EUR
Lohnsteuerpflichtiger Sachbezug Dienstwagen 545 EUR

Die Fahrten nach Frankfurt sind eine berufliche Auswärtstätigkeit, die beim Dienstwagen keine Besteuerung auslöst. Hätte der Arbeitgeber als erste Tätigkeitsstätte den Hauptsitz in Frankfurt festgelegt, wäre der geldwerte Vorteil für die Arbeitgeberfahrten mit 600 EUR (0,03 % x 50.000 EUR x 40 km) pro Monat deutlich höher ausgefallen. Der gesamte lohnsteuerpflichtige Sachbezug würde damit 1.100 EUR pro Monat betragen.

Gestaltungsspielraum für günstige Dienstwagenbesteuerung

Das Beispiel verdeutlicht, dass die vorrangig arbeitsrechtlich bestimmte Zuordnung des Arbeitnehmers zu einer ersten Tätigkeitsstätte, die für das Lohnsteuerrecht bindend ist, dem Arbeitgeber weitreichende Möglichkeiten für eine günstige Dienstwagenbesteuerung bietet. Aber auch ohne arbeitsrechtliche Zuordnung wird die von großzügigen Grenzen geprägte zeitliche Bestimmung nur noch ausnahmsweise zu einer ersten Tätigkeitsstätte führen. Insbesondere der klassische Außendienstmitarbeiter begründet durch den Umfang der beim Arbeitgeber zur verrichtenden Arbeiten (mindestens 1/3 der vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit oder 2 volle Arbeitstage wöchentlich oder arbeitstäglich) im Normalfall dort keine erste Tätigkeitsstätte. Für Handelsvertreter oder Kundendienstmonteure mit Dienstwagen entfällt dadurch die zusätzliche Besteuerung des geldwerten Vorteils für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, die bisher je nach Entfernung zu einer spürbaren Steuerbelastung führen konnten.

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