Betriebliche Pandemieplanung / 1.3 Risikobewertung

Viren gelten im arbeitsschutzfachlichen Sinn als biologische Arbeitsstoffe. Damit unterliegen Tätigkeiten mit dem Virus, egal ob gezielt oder nicht gezielt, der Biostoffverordnung. Hier werden an den Arbeitgeber Anforderungen an die Beurteilung der Gefährdungen für die Beschäftigten und die Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen gestellt. Voraussetzung für diese Beurteilung ist das Wissen um die Gefährlichkeit der jeweiligen Biostoffe. Deshalb werden Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten in Risikogruppen eingeteilt. Aus der Risikogruppe ergibt sich die Schutzstufe und damit auch der Umfang der notwendigen Schutzmaßnahmen.

Die Einteilung der Stoffe wird grundsätzlich europaweit einheitlich im Anhang III der Biostoffrichtlinie (Richtlinie 2000/54/EG) vorgenommen. Im Fall einer Pandemie, also beim Auftreten eines neuen Virus, ist eine kurzfristige Einstufung notwendig. Diese wird im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch den Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) vorgenommen. Dieser Ausschuss veröffentlicht seine Beschlüsse in der Regel über die Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Hier finden sich dann auch Empfehlungen für spezielle Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch Influenzaviren.

 
Wichtig

Empfehlungen des ABAS zum Coronavirus

Der ABAS hat das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) mit Beschluss vom 19.2.2020 vorläufig in Risikogruppe 3 nach § 3 Biostoffverordnung eingestuft, also als "Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich". Der Grund dafür ist, dass das Virus nach bisherigem Wissen durch die Inhalation von Aerosolen sowie durch den Kontakt mit Schleimhäuten (Nase, Mund, Augen) übertragen werden kann.

Aus Sicht des ABAS ist der Umgang mit SARS-CoV-2 und damit infizierten Personen in Bereichen, in denen Beschäftigte berufsbedingte Kontakte mit dem Virus haben könnten (z. B. Arztpraxen, Labore, Krankentransport) durch die vorhandenen Arbeitsschutzbestimmungen geregelt. Dies sind inbesondere die TRBA 100 "Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien" und die TRBA 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege". Ergänzend enthält der ABAS-Beschluss 609 Maßnahmen, die sich auf den Umgang mit anderen luftübertragbaren Erregern der Risikogruppe 3, zu denen auch SARS-CoV-2 gehört, übertragen lassen. Für diagnostische Labore wurde für das neuartige Virus SARS-CoV-2 durch den ABAS mit Beschluss vom 19.2.2020 ein gestuftes Verfahren festgelegt.

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