Agilität

Zusammenfassung

 

Begriff

Agilität gilt als essenzieller Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und sichert damit letztlich das Überleben eines Unternehmens. In der Literatur wird unter Agilität die Fähigkeit einer Organisation verstanden, sich kontinuierlich an ihre komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen. Allerdings bleibt der Begriff Agilität insbesondere im beruflichen Sprachgebrauch nach wie vor unscharf.

Verschiedene Definitionen und Blickwinkel

So bemerken Förster und Wendler im Hinblick auf Theorien und Konzepte zu Agilität eine Vielfalt und Fülle von verschiedensten Ansätzen, was sich auch in 24 unterschiedlichen Definitionen verschiedener Autoren aus dem Zeitraum von 1982 bis 2011 widerspiegelt, die sie zusammengetragen haben. Diese Definitionen unterliegen überdies im zeitlichen Verlauf Wandlungen. Die Bandbreite reicht dabei von eher knapp und allgemein gehaltenen Definitionen wie "Agile enterprises react quickly and effectively to changing markets, driven by customised products and services" bis hin zu umfangreichen und differenzierten Definitionen wie die von Sambamurthy et al., die zwischen "costumer agility", "partnering agility" und "operational agility" differenzieren.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Definitionen auch bezüglich der verwendeten Begrifflichkeiten. Einige Autoren sprechen von "agile manufacturing", weitere von "agile enterprises", Brown und Agnew von "corporate agility" und andere ganz allgemein von "agility".

Des Weiteren thematisieren die verschiedenen Definitionen unterschiedliche Aspekte, wie Veränderungen in der Umwelt oder die Orientierung am Kunden. So definierten unter anderem Brown und Agnew bereits 1982 Agilität als "[…] the capacity to react quickly to rapidly changing circumstances […]", Gunasekaran definiert die agile Produktion 1999 als "[…] the capability of surviving and prospering in a competitive environment of continuous and unpredictable change by reacting quickly and effectively to changing markets […]" und Tseng und Lin definieren agile Unternehmen 2011 als "[…] concerned with change, uncertainty and unpredictability within their business environment and with making an appropriate response".

Kennzeichen von Agilität

Mit Blick in die Literatur ist also zu konstatieren, dass es kein einheitliches Verständnis davon gibt, was genau Agilität in Unternehmen ist. Trotz der skizzierten Unterschiede hinsichtlich des Umfangs, des Blickwinkels und der Schwerpunktsetzung lassen sich jedoch folgende Kennzeichen von Agilität über alle Definitionen hinweg festhalten: Zeit, Kosten, Kompetenz, Flexibilität und Qualität sowie "die reaktive und proaktive Reaktion auf Marktveränderungen unter dem Fokus der Kundenzufriedenheit".

1 Drei Stufen der Entwicklung von Agilität

Nun ist Agilität kein neues Thema, sondern existiert bereits seit fast 70 Jahren in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen. Man kann dabei grob 3 Stufen der Entwicklung mit dem Thema Agilität in Unternehmen unterscheiden.

1. Stufe: 1950

Zum einen gibt es seit den 1950er Jahren Literatur aus dem Bereich der Organisationstheorien, die sich mit der Frage der Anpassungsprozesse von Unternehmen an ihre Umwelt sowie dem "Überleben" und "Sterben" von Unternehmen befassen. Diese beinhalten bereits wesentliche Grundgedanken der heutigen Praxis in agilen Unternehmen und postulieren zentrale Unternehmensaufgaben, wie die Anpassung an die Umwelt, das Erreichen von Zielen, die Integration von Interessen unterschiedlicher Gruppen sowie das Überleben als Unternehmen.

2. Stufe: 1990

Zum anderen sind zahlreiche Publikationen zum Thema Agilität ab den frühen 1990er Jahren erschienen. Förster und Wendler führen dies auf den 1991 erschienenen Bericht "21st Century Manufacturing Enterprise Strategy" des Iacocca Institutes der Lehigh Universität zurück. Dieser beruht auf mehrjähriger Forschungstätigkeit des Instituts und löste in den Folgejahren weitere Forschungsaktivitäten zum Thema Agilität aus. Erforscht wurden z. B. die schnelle Produktentwicklung (Simultaneous Engineering), multi-funktionale Teams und die ständige Optimierung der Produktionsabläufe während des Prozesses. Oftmals steht dabei zur Verbesserung der Agilität innerhalb der Produktion die Wandlungsfähigkeit der Technik bzw. der Betriebsmittel im Vordergrund. Einige Autoren führen diesen Gedanken jedoch weiter und bringen ihn in eine systemische Betrachtungsweise. In ihrem Verständnis wird die alleinige Adaption der agilen Technik (wandlungsfähiges Produktionsequipment) den Anforderungen an ein ganzheitliches agiles Produktionssystem nicht genügen. Um ein agiles Produktionssystem zu etablieren, müssen dazu intern verschiedene Handlungsfelder berücksichtigt werden. Es kann somit vermutet werden, dass ein Unternehmen nur dann agil werden kann, wenn es einen Gleichklang in allen 3 Bereichen des TOM-Modells (Technik, Organisation, Mensch) erreicht. Eine agile Technik wird keinen Vorteil bringen, wenn sie in einer nicht-agilen Organisation mit Menschen eingesetzt werden soll, die ebenfalls keine Kompetenzen u...

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