Hochwasser: Lohnsteuer für Arbeitslohnspenden und Beihilfen

In mehreren Bundesländern sind beträchtliche Schäden aufgrund von starken Regenfällen und des damit einhergehenden Hochwassers entstanden. Aus diesem aktuellen Anlass gewährt die Finanzverwaltung, parallel zur Coronapandemie, steuerliche Vereinfachungen und Erleichterungen bei Arbeitslohnspenden und Beihilfen an Betroffene.

Unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern  sorgte der heftige Dauerregen mit Überschwemmungen und Hochwasser für dramatische Folgen. Durch die anhaltenden Regenfälle sind Straßen unterspült, komplette Gebäude mitgerissen und Erdrutsche ausgelöst worden. Auch hat der Dauerregen für große Probleme an den Talsperren gesorgt, die teilweise zu brechen drohten.

Die Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern gewähren Steuererleichterungen aufgrund der Schäden im Zusammenhang mit den Unwetterereignissen im Juli 2021. Sie haben dazu den - bundesweit abgestimmten - sogenannten "Katastrophenerlass" in Kraft gesetzt, der in diesem Zusammenhang erweitert wurde und bei dem auch lohnsteuerliche Aspekte aufgegriffen werden. 

Lohnsteuer für Beihilfen und Unterstützungen nach Hochwasser

Bei der Lohnsteuer gelten folgende Vereinfachungen:

  • Beihilfen und Unterstützungen des Arbeitgebers an betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind bis zu einem Betrag von 600 Euro steuerfrei (nach § 3 Nr. 11 EStG; keine Prüfung der Voraussetzungen nach R 3.11 Abs. 2 LStR).
  • Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört ebenfalls nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn unter Berücksichtigung der Einkommens- und Familienverhältnisse der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers ein besonderer Notfall vorliegt. Im Allgemeinen kann bei den durch Unwetter/Hochwasser Betroffenen von einem besonderen Notfall ausgegangen werden.
  • Ebenfalls steuerfrei sind Zinszuschüsse und Zinsvorteile bei Darlehen, die zur Beseitigung von Schäden durch die Unwetter aufgenommen worden sind. Das gilt für die gesamte Laufzeit des Darlehens. Voraussetzung ist allerdings, dass das Darlehen die Schadenshöhe nicht übersteigt.
  • Vorteile aus einer erstmalig nach Eintritt des Schadensereignisses erfolgten
    • Nutzungsüberlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs an Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, deren privates Kraftfahrzeug durch das Unwetter/Hochwasser zerstört wurde,
    • Nutzungsüberlassung von Wohnungen oder von Unterkünften,
    • Gewährung von unentgeltlicher Verpflegung an die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen
    • oder andere Sachzuwendungen aus Nutzungsüberlassung
    • sind bis zum 31. Oktober 2021 in die vorstehenden Regelungen einzubeziehen. Diese Vorteile fließen in den steuerfreien Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr ein.
  • Die genannten begünstigten Zuschüsse und Sachzuwendungen sind insgesamt nur bis zu einem Betrag in Höhe des Schadens steuerfrei. 
  • Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Dabei ist auch zu dokumentieren, dass der die Leistung empfangende Mitarbeiter durch Unwetter/Hochwasser zu Schaden gekommen ist.

Steuerliche Vereinfachungen für Verzicht auf Arbeitslohn 

Verzichten Beschäftigte auf die Auszahlung von Teilen des Arbeitslohns oder auf Teile eines angesammelten Wertguthabens auf einem Zeitwertkonto/Arbeitszeitkonto

  • zugunsten einer Beihilfe/Unterstützungsleistung des Arbeitgebers an von Unwetter/Hochwasser betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Unternehmens oder
  • zugunsten einer Zahlung des Arbeitgebers auf ein Spendenkonto einer hierzu empfangsberechtigten Organisation

bleiben diese Lohnteile bei der Feststellung des steuerpflichtigen Arbeitslohns außer Ansatz, wenn der Arbeitgeber die Verwendungsauflage erfüllt und dies dokumentiert.

Dokumentation der Arbeitslohnspende für Unwetteropfer

Der außer Ansatz bleibende Arbeitslohn ist im Lohnkonto aufzuzeichnen. Hiervon kann allerdings abgesehen werden, wenn stattdessen die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer den Verzicht schriftlich erklärt hat und diese Erklärung zum Lohnkonto genommen worden ist. Der außer Ansatz bleibende Arbeitslohn ist nicht in der Lohnsteuerbescheinigung anzugeben. Die steuerfrei belassenen Lohnanteile dürfen aber bei der Einkommensteuererklärung nicht als Spende berücksichtigt werden.

Arbeitslohnspende: Sozialversicherung

Steuerfreie Zuwendungen von Beschäftigten aus Arbeitsentgelt oder Wertguthaben, die zugunsten von Naturkatastrophen in Deutschland an Geschädigte geleistet werden, zählen nicht zum sozialversicherungspflichtigen Entgelt. Darunter fallen sowohl Gehaltsumwandlungen aus laufendem Arbeitsentgelt, als auch aus Einmalzahlungen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Spende über den Arbeitgeber geleistet bzw. weitergeleitet wird. Spenden, die vom Arbeitnehmer privat geleistet werden, also ohne Einschaltung des Arbeitgebers, sind von dieser Regelung zur Beitragsfreiheit ausgenommen. Die Verwendung der Spende muss vom Arbeitgeber nachweisbar dokumentiert werden.

Achtung: Spenden bei Naturkatastrophen im Ausland sind sozialversicherungsrechtlich nicht beitragsfrei. Dies ist anders als im Steuerrecht geregelt.


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Schlagworte zum Thema:  Entgelt, Spende, Beihilfe, Hochwasser