Fristlose Kündigung einer Theaterintendantin

Die fristlose Kündigung der ehemaligen Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch war unwirksam - ebenso die Anfechtung ihres Arbeitsvertrages. Insbesondere die Voraussetzungen für eine Druckkündigung waren nicht gegeben, entschied das Arbeitsgericht Wuppertal.

Von einer Druckkündigung spricht man, wenn die Kündigung durch den Arbeitgeber auf Verlangen Dritter erfolgt. Im konkreten Fall gab es offenbar nicht nur ein heftiges Zerwürfnis zwischen der Intendantin und der Geschäftsführung, sondern auch erhebliche Spannungen zwischen ihr und den Mitarbeitern. Dass Teile der Mitarbeiter wohl nicht mehr mit der Intendantin zusammenarbeiten wollten, genügte dem Gericht aber ebenso wenig als Grund für eine fristlose Kündigung, wie der Vorwurf einer Arbeitsvertragsverletzung. Auch eine wirksame Anfechtung des Arbeitsvertrages konnte das Arbeitsgericht nicht erkennen.

Der Fall: Fristlose Kündigung und Anfechtung des Arbeitsvertrages

Die ehemalige Intendantin war ein Jahr bei dem weltweit bekannten Tanztheater beschäftigt. Ihr Arbeitsvertrag war auf fünf Jahre befristet, wobei die Möglichkeit einer ordentlichen Kündigung des Arbeitsverhältnisses darin nicht vorgesehen war. Nach monatelangen Unstimmigkeiten zwischen den Parteien kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis im Juli 2018 außerordentlich fristlos. Er begründete die Kündigung damit, dass die Intendantin keinen umsetzbaren Spielplan für die folgenden Spielzeiten vorgelegt habe, sowie Mitarbeiter nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten wollten. Darüber hinaus habe sie vor ihrer Einstellung nicht darüber informiert, dass sie – was angeblich der Fall sein soll – bei ihrem vorherigen Arbeitgeber fristlos gekündigt oder zumindest suspendiert worden sei, weshalb der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag angefochten hat.

Viele Fehler bei der fristlosen Kündigung

Die Arbeitnehmerin klagte hiergegen erfolgreich vor dem Arbeitsgericht Wuppertal. Nach Auffassung des Gerichts war die fristlose Kündigung des Arbeitsvertrags unwirksam. Im Zusammenhang mit der Erstellung des Spielplans für die kommenden Spielzeiten konnten die Richter keine Verletzung der vertraglichen Pflichten feststellen, die eine außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt hätte. Zudem bemängelten sie, dass die ehemalige Intendantin vor Ausspruch der Kündigung nicht wirksam abgemahnt worden sei. Die Voraussetzungen einer sogenannten Druckkündigung hielt das Gericht nicht für gegeben. In der Urteilsbegründung wies es darauf hin, dass – selbst im Falle, dass einige Mitarbeiter die Kündigung der Intendantin verlangt hätten – der Arbeitgeber zunächst ausreichend vermitteln und sich schützend vor die Intendantin hätte stellen müssen.

Keine wirksame Anfechtung des Arbeitsvertrags

Das Arbeitsgericht Wuppertal entschied weiter, dass auch die Anfechtung des Arbeitsvertrags unwirksam war. Die Arbeitnehmerin habe – entgegen der Auffassung des Arbeitgebers – bei ihrer Einstellung nicht getäuscht. Denn unabhängig davon, ob und welche Konflikte sie möglicherweise auch mit dem vorigen Arbeitgeber gehabt habe, habe sie sich mit ihm geeinigt und deshalb auch nicht die Pflicht gehabt, weitere Umstände bei ihrer Einstellung zu offenbaren.

Hinweis: ArbG Wuppertal, Urteil vom 13.12.2018, Az: 5 Ca 1714/18

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