09.06.2016 | Flüchtlinge

Drei von vier ausländischen Berufsabschlüssen anerkannt

Bei Fragen rund im die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse informiert eine neue App von BMBF und BIBB in verschiedenen Sprachen.
Bild: BIBB

Ein wichtiger Baustein für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist das 2012 in Kraft getretene Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Das Bundesministerium zog jetzt in einem Bericht eine Bilanz zu dem Gesetz und plant ein neues Förderprogramm.

Das Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Deutschland ist nach einer Zwischenbilanz des Bundesbildungsministeriums eine Erfolgsgeschichte. Zwischen 2012 und 2014 wurden mehr als 44 000 entsprechende Anträge allein zu sogenannten bundesrechtlich geregelten Berufen gestellt, heißt es in einem Bericht zum Anerkennungsgesetz, den Ministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch dem Bundeskabinett vorlegte. Die Zahlen für 2015 wird das Statistische Bundesamt im Herbst vorlegen.

Förderprogamm zur Unterstützung bei Anerkennungsgebühren und Übersetzungskosten

"Ich rechne damit, dass das Interesse auch aufgrund des Flüchtlingszuzugs weiter zunehmen wird. Wir müssen dabei sicherstellen, dass das Recht auf ein Anerkennungsverfahren auch tatsächlich in Anspruch genommen werden kann. Die Kosten der Anerkennung dürfen hier keine Hürde darstellen", sagte Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Deshalb plant das Bundesbildungsministerium die Auflage eines neuen Förderprogramms, mit dem gering verdienende Personen vor allem bei den Anerkennungsgebühren oder Übersetzungskosten unterstützt werden sollen. Derzeit stellen Syrer mit gut 60 Prozent den größten Anteil an den über ihre Berufsabschlüsse beratenen Flüchtlingen, heißt es im Bericht. An zweiter und dritter Stelle folgten Iraner und Afghanen. "Berufsanerkennung ist für Menschen mit einem ausländischen Bildungsabschluss eine Brücke in eine Beschäftigung, die ihrer Qualifikation entspricht. Das hilft bei der Arbeitsmarktintegration", so Wanka.

Anerkennungsgesetz ist wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung

Im zuletzt untersuchten Jahr 2014 wurden knapp 78 Prozent ausländischer Berufsabschlüsse als gleichwertig anerkannt, zu einer Ablehnung kam es nur in 3,6 Prozent der Fälle. "Der vorliegende Bericht bestätigt erneut, dass das Anerkennungsgesetz ein wichtiger Baustein im Instrumentenkasten zur Fachkräftesicherung in Deutschland ist", schreiben die Autoren. "Zudem erweitert es die Möglichkeiten zur legalen Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland." Auch die OECD hebt in ihrem Bericht "Erfolgreiche Integration" den neu geschaffenen rechtlichen Rahmen für die Anerkennung in Deutschland als Instrument zur Fachkräftegewinnung positiv hervor. Mehr als 60 Prozent der Anträge im Jahr 2014 bezogen sich auf eine Anerkennung als Arzt oder als Gesundheits- und Krankenpfleger - also auf Berufe mit hohem Fachkräftemangel.

Einheitliche und transparente Verfahren zur Berufsanerkennung

Das so genannte Anerkennungsgesetz ("Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen") hat die Bundesregierung 2012 als neues Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland geschaffen. Zuvor hatten nur wenige zuwandernde Fachkräfte die Möglichkeit, ihre beruflichen Qualifikationen bewerten zu lassen. Das Gesetz ändert dies und schafft für alle bundesrechtlich geregelten Berufe möglichst einheitliche und transparente Verfahren. So kann die Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Abschluss ermittelt werden. Dies ist in vielen Berufen Voraussetzung dafür, in diesem Beruf zu arbeiten oder sich selbständig zu machen. Das gilt vor allem für die reglementierten Berufe, so im zulassungspflichtigen Handwerk, für Ärzte, Krankenpfleger oder Apotheker. 

Hintergrund: Anerkennungsgesetz und Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz

Das Anerkennungsgesetz umfasst zum einen das Bundesgesetz „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“ (BQFG) im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung  und zum anderen Regelungen zur Anerkennung von Berufsqualifikationen in rund 60 bundesrechtlichen Berufsgesetzen und Verordnungen für die reglementierten Berufe, so die Gesundheitsberufe (Bundesärzteordnung, Krankenpflegegesetz) und die Handwerksmeister (Handwerksordnung). Auch die Länder haben für die Berufe in ihrer Zuständigkeit (zum Beispiel Lehrer, Ingenieure, Architekten, soziale Berufe) eigene Gesetze erlassen. Seit dem 1. Juli 2014 sind alle Landes-Anerkennungsgesetze in Kraft getreten. Um Fachkräften mit ausländischen Qualifikationen in Deutschland möglichst einheitliche Verfahren zu bieten, wird es aber auch weiterhin Ziel sein, die Anerkennungsverfahren in allen Berufen auch für Drittstaatsqualifikationen zu öffnen - dies gilt insbesondere für Mangelberufe, wie zum Beispiel Lehrer und Ingenieure.


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Schlagworte zum Thema:  Flüchtlinge, Ausländische Fachkräfte, Berufsabschluss

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