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Auf den Hund gekommen: Dürfen Haustiere an den Arbeitsplatz?

Ein Platz für "Bello" im Büro?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Rund 15 Bundestagsabgeordnete haben eine fraktionsübergreifende Initiative in den Bundestag eingebracht: Sie wollen künftig ihre Hunde mit zur Arbeit bringen. Was aber gilt für Arbeitnehmer, die „auf den Hund gekommen“ sind?  

Grundsätzlich muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber um Erlaubnis fragen, wenn er Haustiere mit an den Arbeitsplatz nehmen möchte. In den allermeisten Fällen sind  das Eigentum des Arbeitgebers, die Arbeitsleistung, Kollegen oder Kunden mittelbar oder unmittelbar betroffen. Ohne konkrete Erlaubnis (z.B. Im Arbeitsvertrag oder einzeln abgefragt) kann bei Mitnahme des Haustieres sonst eine Abmahnung und in Wiederholungsfällen eine verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber erfolgen.

Anspruch aufgrund besonderer Umstände

Unter besonderen Umständen kann der Arbeitnehmer hingegen berechtigt sein, Haustiere an den Arbeitsplatz mitzubringen. Denkbar ist z. B., dass der Arbeitgeber es über Jahre hinweg erlaubt hat, dass Arbeitnehmer Hunde an den Arbeitsplatz mitnehmen und dadurch eine betriebliche Übung entstanden ist. Duldet der Arbeitgeber die Mitnahme von Haustieren bei einigen Arbeitnehmern, kann das auch dazu führen, dass sich andere auf den Gleichbehandlungsgrundsatz berufen können.

Ist es z.B. den Kollegen in der Personalabteilung gestattet ihre Hunde mitzubringen, kann sich auch die Finanzbuchhalterin darauf berufen, solange keine sachlichen Gründe eine Ungleichbehandlung rechtfertigen. Sachliche Gründe für eine unterschiedliche Behandlung könnten z. B. darin liegen, dass in einem Fall Kundenkontakt besteht und im anderen nicht, oder im einen Gemeinschaftsbüro ein Kollege mit Hundehaarallergie sitzt.

Schließlich sind noch (seltene) Fälle denkbar, in denen der Arbeitnehmer zur Ausführung seiner Arbeit auf das Tier angewiesen ist. Benötigt z.B. der (schwerbehinderte) Blinde den Blindenhund zum Erreichen des Arbeitsplatzes, umfasst die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung auch die Mitführung des Hundes.

Anspruch auf Erlaubnis?

Dem Arbeitgeber als Inhaber des Hausrechts steht es - ausgenommen die o.g. Sondersituationen - grundsätzlich frei, ob er Hunde oder andere Haustiere zulässt oder nicht. Eine Pflicht zur Erlaubnis dürfte deshalb nur in besonderen Fällen aufgrund arbeitsvertraglicher Rücksichtnahmepflicht bestehen, wenn keinerlei Interessen des Arbeitgebers durch das Tier berührt werden. Das wird aber allenfalls in seltenen Fällen bei völlig isoliert arbeitenden Arbeitnehmern anzunehmen sein.

Ausweg: Home-Office

Kann ein Arbeitnehmer sich während der Arbeitszeit partout nicht vom Haustier trennen, kommt als Ausweg noch das Home-Office in Betracht. Ohne besondere betriebliche oder tarifliche Regelung besteht jedoch kein Rechtsanspruch. Der Arbeitgeber kann sich diese Option dann für besonders wertvolle Mitarbeiter im Einzelfall vorbehalten.

Mitbestimmung des Betriebsrats

Die Frage des Mitbringens von Haustieren an den Arbeitsplatz unterfällt grundsätzlich gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG der Mitbestimmung des Betriebsrats. Nur wenn unmittelbar die Arbeitsleistung selbst von der Anwesenheit des Tieres betroffen ist (z.B. bei sonst gestörtem Kundenkontakt), kann der Arbeitgeber Weisungen mitbestimmungsfrei erteilen. Über die Mitnahme von Haustieren kann daher eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden. Auch der Betriebsrat könnte - ähnlich wie die o.g. Bundestagsabgeordneten - initiativ werden und eine Regelung fordern. Gelingt keine Einigung, ist nach § 87 Abs. 2 BetrVG die Einigungsstelle zuständig. Es empfiehlt sich für den Arbeitgeber gegenüber dem Betriebsrat also auch bei diesem Thema Kompromissbereitschaft, bevor durch hohe Einigungsstellenkosten der Betrieb gänzlich „vor die Hunde“ geht.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsplatz, Hund, Betriebsrat, Gleichbehandlungsgrundsatz, Betriebliche Übung

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