Digitalisierung der Verwaltung erfordert Qualifizierung

Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen kann für die Bürger Erleichterungen und Vorteile bringen. Dafür müssen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst aber weiterqualifiziert werden.

Städtische Apps, Online-Formulare, kommunale Internet-Plattformen - die Bürger in Deutschland werden künftig voraussichtlich viel stärker mit digitalen Angeboten von Rathäusern und Verwaltung konfrontiert sein. Gewerkschaften sehen mögliche Vorteile für jeden Einzelnen - aber von alleine gibt es aus ihrer Sicht keine schöne neue digitale Verwaltungswelt.

Hausbesuche von Rathausmitarbeitern als neue Verwaltungsleistung?

«Es wird immer mehr so sein, dass die Bürger nicht für jeden Kleinkram ins Rathaus gehen müssen», sagt der Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach. Auf seiner Jahrestagung in Köln macht der dbb Digitalisierung zum zentralen Thema. Silberbach gewinnt der Umwälzung viele positive Seiten ab: «Auf dem Land können wir die Beratungsleistungen anders organisieren.» Verwaltungsmitarbeiter könnten etwa verstärkt Sprechstunden mit Infomobilen auch in entlegenen Dörfern anbieten. Kommen mobile Rathausvertreter künftig nach Hause? «Sie können auch Hausbesuche mit dem Laptop in der Tasche machen», sagt Silberbach.

Aufbau digitaler Plattformen notwendig

Verdi-Chef Frank Bsirske sieht die deutschen Städte und Gemeinden gefordert. «Kommunen stehen vor der Herausforderung, digitale Plattformen aufzubauen», sagt Bsirske. «Vom Verkehr bis zum Tourismus, von der lokalen Wirtschaft bis zu Energieangeboten können sie verstärkt zum digitalen Dienstleister werden.» Er meint: Je schneller - desto besser. «Sie dürfen das Feld nicht den Googles dieser Welt überlassen.»

Gewerkschaften warnen vor Mehrarbeit für Beschäftigte durch Digitalisierung

Doch wo sind Kehrseiten? Bsirske mahnt: «Die Janusköpfigkeit der Digitalisierung zeigt sich auch in der öffentlichen Verwaltung.» Entscheidend sei: «Wer steuert - der Mensch oder die Maschine?» Monotonie, doppelte Dokumentationen analog und digital, Schwierigkeiten mit der Software – das alles mache Digitalisierung belastend. Schon heute gäben 54 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst an, sie müssten durch die Digitalisierung mehr arbeiten, mahnt Bsirske unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds, den DGB-Index Gute Arbeit.

Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen weiterqualifiziert werden

Silberbach stimmt den öffentlichen Dienst auf Umwälzungen ein. Berufsbilder würden sich massiv ändern. «Das wird Geld kosten», schreibt der Gewerkschaftschef den Arbeitgebern ins Stammbuch. «Die Mitarbeiter müssen in viel größerem Ausmaß regelmäßig weiterqualifiziert werden.» Heute mache Qualifizierung im öffentlichen Dienst nur 1 bis 3 Prozent der Personalkosten aus - in der Wirtschaft sei es das Drei- bis Vierfache.

Öffentlicher Dienst in Deutschland liegt bei Digitalisierung zurück

Im Vergleich zu den skandinavischen Ländern sei der deutsche öffentliche Dienst bei der Digitalisierung mindestens zehn Jahre zurück, ärgert sich der dbb-Vorsitzende. «Das kann Deutschland nicht reichen.» Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen.

Einig sind sich alle - ohne flächendeckenden Breitbandausbau wird es nicht gehen. Milliardensummen des Bundes dürften nötig sein. Aber nicht alles kann digitalisiert werden. «Wo es um Schicksale von Menschen geht, wo Recht gesprochen wird, wo es um komplexe Projekte geht, brauchen wir auch künftig Mitarbeiter, die Dinge abwägen und Ermessensspielräume nutzen», sagt der dbb-Chef.

 

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dpa