Gewalt in Quartieren und gegen Wohnungsunternehmen nimmt zu

Konflikte in Wohnquartieren entstehen in erster Linie dort, wo eine schwierige soziale Situation vorherrscht, wie eine Studie des GdW zeigt. Auch die Gewalt gegen Vermieter und ihre Mitarbeiter nimmt zu. Was können Wohnungsunternehmen tun? Handlungsempfehlungen für ein funktionierendes Zusammenleben.

An erster Stelle der Konfliktgründe stehe eindeutig die soziale Situation der Mieter, sagt Anne von Oswald von der Minor Wissenschaftsgesellschaft, die die Studie "Herausforderung: Zusammenleben im Quartier" im Auftrag des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW realisiert hat. Befragt wurden Unternehmen mit einem Bestand von mindestens 500 Wohnungen. Mitarbeiter von Wohnungsunternehmen berichteten von zunehmender Gewalt ihnen gegenüber, auch von tätlichen Angriffen.

Insgesamt habe sich in den vergangenen fünf Jahren die Situation mit Blick auf das Zusammenleben der Mieter in fast jedem zweiten Wohnquartier verschlechtert, so von Oswald weiter. Der Studie zufolge rangieren Konflikte wegen der Hausordnung oder interkulturelle Konflikte auf den Rängen zwei beziehungsweise drei.

GdW: Wohnungsunternehmen für Quartiersarbeit fördern

Auch GdW-Präsident Axel Gedaschko sieht die Entwicklung in den Quartieren insgesamt negativ. Wie die Studie zeigt, hat auch die Segretation, also die ungleiche Verteilung von unterschiedlichen Bewohnergruppen in den betrachteten Quartieren, zugenommen: von knapp 46 Prozent ist die Rede. 

"Wir brauchen eine verantwortungsbewusste politische Haltung, sich in den Städten eindeutig gegen Segregationstendenzen zu stellen", erklärt Minor-Geschäftsführer Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann. Dafür würden erhebliche Investitionen benötigt, die mit einer besseren räumlichen Verteilung preiswerten Wohnraums in allen Stadtteilen zusammenhängen. Auch für Wohnungsunternehmen müsse es Förderprogramme für die Quartiersarbeit geben, ergänzt Gedaschko.

"Die Integrationsaufgaben ... sind eine nationale Daueraufgabe, die gerade vor Ort in den Quartieren stattfindet. Daher ist ein Innovationsprogramm zur Finanzierung von Forschung und Modellprojekten zur Stärkung des Zusammenlebens und der Teilhabe im Quartier unumgänglich." Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Nach Auffassung des Verbandes stehen die Wohnungsunternehmen in belasteten Quartieren vor Problemen wie Kinderarmut, geringem Bildungsstand, Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit, interkulturellen Konflikten, Perspektivlosigkeit, Gewalt in Familien sowie Alkoholismus. Lärmbelästigung, Vandalismus, Verschmutzung, verbale Gewalt und Schlägereien bis hin zu Drogenhandel sorgen für Ärger in den Quartieren. Insbesondere die alteingesessene Mieterschaft reagier mit Wut, Verzweiflung, Unverständnis und fordere den Erhalt des sozialen Friedens.

Handlungsempfehlungen im Überblick

In der vorliegenden Studie werden entsprechende Handlungsempfehlungen ausführlich behandelt. Fasst man zusammen, wird Wohnungsunternehmen geraten, ihre Beratung zum Quartiersmanagement, zur Jugendarbeit und in Richtung Diversity Management zu verstärken. Auch die Einrichtung einer Dachstelle "Zusammenleben im Quartier" auf Verbandsebene könnte wichtige Impulse liefern. Hilfreich könnten auch Analysetools für die Quartiere sein.

Doch alleine können die Unternehmen die Herausforderung nicht stemmen: Gefragt sind alle relevanten Akteure auf bundes-, landes- und kommunaler Ebene. Neben dem Bund, der vor allem finanziell und politisch gefragt ist, etwa was Zukunftsstrategien für schrumpfende Kommunen und Quartiere sowie stark belastete Quartiere in Ballungsräumen betrifft, könnten beispielsweise auch Wohlfahrtsverbände, Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftliche Akteure den Wohnungsunternehmen unterstützend zur Seite stehen. Ihnen rät die Studie

  • zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen und dem Übergang Schule-Arbeit im Quartier
  • zur gezielten Bekämpfung von Arbeitslosigkeit durch die Stärkung von lokalen Angeboten im Quartier, wie Begegnungsstätten, Nachbarschaftstreffs sowie Jugend- und Freizeitangeboten
  • zur systematischen Unterstützung, Begleitung sowie Stärkung von Ehrenamt, Teilhabe und des Engagements der Bewohner
  • zur Entwicklung und Umsetzung diversitäts- und diskriminierungssensibler Angebote
  • und zum Ausbau von Lotsenprogrammen, beispielsweise "Integrationslotsen" oder "Stadtteilmütter und -väter"

Unter den Empfehlungen an die Landkreise, Kommunen und Länder werden in der Studie sechs Tipps besonders hervorgehoben:

  • Förderung von Bildungseinrichtungen
  • Stärkung der Sprach- und Integrationskurse
  • Öffnung der Schulen als Orte der Begegnung, der Integration und des sozialen Lernens auch am Nachmittag und Abend
  • Kommunale Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit
  • Honorierung von ehrenamtlicher Tätigkeit
  • Verstärkte Unterstützung von Initiativen für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und gegen Antisemitismus, Extremismus und Rassismus


Das könnte Sie auch interessieren:

Wohntrends: Segregation, Digitalisierung und neue Wohnformen

Fünfte DW-Werkstatt zum Thema Sicherheit

dpa
Schlagworte zum Thema:  Wohnungsunternehmen, Stadtentwicklung