Asbesthaltige Baustoffe: Vorsicht bei Sanierungen

Obwohl die Verwendung asbesthaltiger Bauprodukte bereits seit 1993 verboten ist, findet sich der Stoff heute noch in vielen Gebäuden. Bei Sanierungen ist Vorsicht geboten, um zu verhindern, dass Asbestfasern freigesetzt werden. Markus Ruf vom TÜV Rheinland erläutert, wie entsprechende Sanierungskonzepte und Schutzmaßnahmen für Handwerker festgelegt werden können.

Asbest ist eine mineralische Naturfaser mit guten Dämmeigenschaften sowie hoher Beständigkeit gegen Hitze und Chemikalien. Das machte ihn zu einem beliebten Baustoff. Asbest wurde ab den 1930er-Jahren in mehreren tausend Produkten eingesetzt, wie zum Beispiel Zement, Bodenbeläge und Dachabdeckungen. Auch bei Brandschutzklappen in Lüftungskanälen wurde Asbest verbaut, um den Feuerschutz zu verbessern. Bereits in den 1970er-Jahren wurde jedoch bekannt, dass die menschliche Lunge durch das Einatmen von Asbestfasern schwer geschädigt wird, sodass in Deutschland 1984 zunächst eine gesetzliche Einschränkung erfolgte und im Jahr 1993 ein vollständiges Verbot für Asbest erlassen wurde. Allerdings wird aufgrund von Lagerbestandschätzungen davon ausgegangen, dass in der Mehrheit der vor dem Jahr 1995 errichteten Gebäude von Asbest zu finden ist.

Asbestsanierung: Beschädigung setzt Asbestfasern frei

Produkte mit schwach gebundenem Asbest können aufgrund von Alterungsprozessen oder Erschütterung Fasern in die Raumluft abgeben, auch wenn nicht an ihnen gearbeitet wird. Diese Produkte sollten gemäß den Vorgaben der Asbestrichtlinien fachgerecht entfernt und durch unbedenkliche Materialien ersetzt werden. Nicht alle asbesthaltigen Baustoffe sind so gefährlich. Der sogenannte Asbestzement zum Beispiel beinhaltet fest gebundene Fasern und ist unbedenklich, solange er intakt ist. Wenn diese Produkte jedoch beschädigt werden oder sie bearbeitet werden, können Asbestfasern in die Luft gelangen.

In Wänden, Böden und Dächern ist die Verwendung von Asbest meist bekannt. Seltener wird er in Fliesenkleber und Spachtelmasse vermutet. Doch auch hier kann sich der Gefahrstoff verbergen. Dabei muss nicht einmal eine komplette Sanierung vorgenommen werden, um an diesen Stellen Asbest freizusetzen. Schon bei Umbauten, beispielsweise für eine neue Heizung oder Elektroanlage, entstehen Beschädigungen. Deshalb ist eine vorhergehende Asbestprüfung notwendig, um festzustellen, welche Gebäudeteile betroffen sind und in welcher Form und Konzentration asbesthaltige Materialien vorliegen. Eine nachgewiesene Schadstoffbelastung kann bei der Planung mit entsprechenden Maßnahmen berücksichtigt werden. So werden Fachkräfte und Nutzer geschützt.

Asbestprodukte analysieren

Ob ein Material schwach oder fest gebundene Asbestfasern enthält, hängt von seiner Zusammensetzung ab. Die "Technische Regel Gefahrenstoffe" (TRGS 519 Asbest) definiert Produkte mit einer Rohdichte bis zu 1.000 Kilogramm pro Kubikmeter als schwach und ab 1.400 Kilogramm pro Kubikmeter als fest gebunden. Für den dazwischenliegenden Bereich ist eine Bewertung durch einen Gutachter notwendig. Bei Verdacht auf schwach gebundenen Asbest kann auch eine Luftmessung Auskunft über die aktuelle Raumluftbelastung mit den gefährlichen Asbestfasern geben.

Mit einer Materialanalyse kann im Labor der Asbestgehalt anhand einer Probe festgestellt werden. In den vergangenen Jahren wurde die sogenannte SBH-Methode eingeführt, die besonders bei der Untersuchung von Putzen, Klebern und Ausgleichsmassen eingesetzt wird. Dabei werden durch Erhitzen der Probe auf 400 Grad Celsius die organischen Bestandteile zerstört. Anschließend löst Salzsäure weitere anorganische Substanzen auf, sodass im Wesentlichen nur noch Asbestfasern übrigbleiben. Zuletzt werden die Fasern mit einem Rasterelektronenmikroskop untersucht. Das neue Verfahren hat den Vorteil, dass auch Asbestbestandteile von weit unter einem Prozent nachgewiesen werden können.

Nach der Analyse gibt der Asbestgutachter eine Empfehlung ab, wie mit dem belasteten Material umzugehen ist. Asbest darf nur von speziell geschulten und staatlich geprüften Firmen ausgebaut werden. Dabei kommen unter anderem Schutzanzüge und Atemmasken zum Einsatz. Die Entsorgung muss ebenfalls fachgerecht erfolgen. Wenn alle Asbestprodukte identifiziert wurden, und ein ordnungsgemäßes Sanierungskonzept erstellt wurde, steht einer Sanierung nichts mehr im Wege.

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