Interview: Immobilienmanager sind digitale Visionäre

Die Digitalisierung stellt den Immobilienmanager von morgen vor Herausforderungen. Welche Fähigkeiten ins Repertoire gehören, erklärt Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer, Professorin und Studiengangsleitung für Immobilienmanagement an der IU Internationale Hochschule.

Haufe Online Redaktion: Hat sich das Berufsbild des Immobilienmanagers in den vergangenen Jahren gewandelt?

Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer: Die aktuellen Megatrends haben umfassende Auswirkungen auf die Anforderungen an Immobilienmanager. Planungsprozesse werden komplexer und ökologische sowie gesellschaftliche Aspekte immer wichtiger. Gegenstand des Immobilienmanagements sind heute nicht mehr nur "analoge" Immobilien. Daten gewinnen zunehmend an Relevanz, etwa für die Ermittlung der Gebäudeeffizienz oder von Nutzerprofilen und Belegungskonzepten.

Immobilienmanager der Zukunft benötigen Grundlagenwissen, etwa zur digitalen Transformation unternehmensbezogener Prozesse, zur intelligenten Gebäudeautomation sowie zu Datenschutz und Datensicherheit. Sie müssen sich abhängig von ihrer thematischen Ausrichtung auch Wissen zum Energie- und Ressourcenmanagement, zur Zertifizierung eines Sustainable Buildings, Well Building und Smart Building sowie zu sich verändernden Leadership-Trends und -Perspektiven aneignen.

"Für das Immobilienmanagement sind Experten mit technischem und informationstechnischem Know-how gefragt." Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer

Technologien spielen in diesem Berufsfeld eine immer größere Rolle.

Immobilienmanager müssen heute über ein interdisziplinäres Grundlagenwissen verfügen und sich Digital Skills aneignen. Sie bleiben aber Spezialisten für die immobilienwirtschaftlichen Themen und deren Rahmenbedingungen. In angrenzenden Themenbereichen nehmen Immobilienmanager das "große Ganze" in den Blick und bleiben Generalisten.

Immobilienmanager haben ein Verständnis für den Einsatz digitaler Technologien, können eine Vision für die digitale Transformation des Unternehmens und ihrer Tätigkeitsfelder entwickeln und Digitalisierungsstrategien ableiten. Für die Implementierung konkreter Anwendungen werden sie im Regelfall IT-Experten hinzuziehen.

Der Zuständigkeitsbereich von Immobilienmanagern liegt weiterhin auf dem Erwerb, der Verwaltung, der Vermietung, der Vermarktung und dem Verkauf von Immobilien. Dabei haben sie Eigentümer- oder Investorenziele ebenso im Blick wie neue Trends. Kurzum: Für das Immobilienmanagement sind Experten mit technischem und informationstechnischem Know-how gefragt.

"Durch die Covid-19-Pandemie sind Expertisen im Management sowohl von Wohn- als auch von Gewerbe- und Büroflächen gefragt." Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer

Prof. Dr. Sigrid Schaefer
Prof. Dr. habil. Sigrid Schäfer

Sollten sich Immobilienmanager auf eine bestimmte Assetklasse spezialisieren?

Wohn-, Gewerbe- und Büroflächen betreffen Immobilienarten, die auf unterschiedlichen Märkten angeboten werden und abweichende Zielgruppenanforderungen adressieren. Es kann sich als sinnvoll erweisen, dass sich Immobilienmanager auf ausgewählte Immobilienarten und -märkte spezialisieren.

Es gilt allerdings weitergehend zu differenzieren. Bei Fokussierung etwa auf das Facility Management nähern sich die Immobilientypen zunehmend einander an. Die Aufgabe von Facility Managern besteht unter anderem darin, in vernetzten Gebäuden intelligente Lösungen für eine nutzerzentrierte, effiziente Gebäudebewirtschaftung zu entwickeln – und dabei Benutzerkomfort, Flächenverfügbarkeit und Gebäudesicherheit beizubehalten. Durch den Einsatz von KI erfolgt dies für unterschiedliche Immobilienarten nach ähnlichen Mustern.

Nach den Veränderungen auf dem Immobilienmarkt durch die Covid-19-Pandemie können Potenziale in Immobilien liegen, die Gewerbe-, Büro- und Wohnnutzungen vereinen. Dann sind Expertisen im Management sowohl von Wohn- als auch von Gewerbe- und Büroflächen gefragt.

Zum Praxis-Check: Worauf kommt es bei der Ausbildung der Immobilienmanager von morgen an?

Im Masterstudium Immobilienmanagement der IU Internationale Hochschule arbeiten wir beispielsweise mit Fallstudien und Projekten. Grundlage der Studien sind konkrete Praxisfälle, auf die das vermittelte Wissen systematisch angewendet und mit denen der Praxistransfer von Theorien und Modellen trainiert werden kann. Dies ist erforderlich, um die komplexen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ökologischen und technischen Zusammenhänge von Immobilien, Unternehmen und Märkten zu verinnerlichen.

Die Projektarbeit ist darauf ausgerichtet, das branchenbezogene Fachwissen und dessen Transfer in die Praxis anhand von konkreten Fragestellungen aus der Immobilienwirtschaft im nationalen und internationalen Kontext einzuüben. Im Rahmen von Projektarbeiten kann eine Fokussierung wahlweise auf das Asset Management, das Facility Management, das Corporate Real Estate Management und das Real Estate Consulting erfolgen.

Außerdem werden die Masterstudiengänge zum Immobilienmanagement als Fernstudium angeboten. Dies ermöglicht ein berufsbegleitendes Studium mit konkretem Praxisbezug. Teilweise werden unmittelbar aus dem Unternehmen heraus Themen für eine Master Thesis eingebracht. In der Masterarbeit werden Lösungsvorschläge erarbeitet, die unmittelbar in Unternehmen einsetzbar sind oder bereits parallel zur Erstellung der Master Thesis im Joballtag erprobt werden können.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Masterstudiengang Immobilienmanagement an der IU Internationale Hochschule.


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienmanagement, Digitalisierung, Ausbildung