ICG-Leitfaden für effektivere Compliance im Immobiliensektor

Korruption, Geldwäsche oder Datenschutzverstöße können Immobilienunternehmen schaden, auch im öffentlichen Ansehen. Dazu kommen immer neue Regeln und schärfere Haftungsrahmen, die ein schnelles Handeln erfordern. Ein neuer kostenloser Leitfaden der ICG soll Unternehmen bei der Compliance helfen.

Mit seinem Zertifizierungssystem für Compliance-Management-Systeme habe der Arbeitskreis Compliance des Instituts für Corporate Governance (ICG) "maßgeblich zur Professionalisierung der Immobilienwirtschaft in rechtlichen Fragen beigetragen", sagt Antonios Kotsis, Head of Legal Germany, Switzerland und Austria bei JLL und Leiter des Arbeitskreises Compliance.

Der neue kostenlose  ICG-Leitfaden für "zeitgemäße Compliance" (pdf) soll Unternehmen eine Anleitung zur Implementierung von Maßnahmen bieten, die zu einer Steigerung der Wirksamkeit von (bereits) vorhandenen Compliance-Management-Bemühungen führen, so das ICG.

Strategische Compliance-Ziele für die Immobilienbranche

Änderungen von EU-Verordnungen und Richtlinien oder nationalen Gesetzen, immer neue Gesetzesentwürfe stehen vor der Tür. Die Verantwortlichen seien heute mit einem schärferen Haftungsrahmen und einer größeren Sensibilität der Öffentlichkeit konfrontiert als bisher – Geldwäsche im Immobiliensektor durch kriminelle Clans sei nur eines der relevanten Themen der jüngeren Vergangenheit, meinen die Experten. Ein funktionierendes Compliance-Management-System könne Abhilfe schaffen.

Entscheidend sei es, nach einer vorangegangenen Risikoanalyse, "verbindlich zu definieren, welche Risikofelder für das Unternehmen und seine Mitarbeiter bestehen und welcher Handlungsbedarf sich daraus ergibt", heißt es in dem Papier. Strategische Compliance-Ziele für die Immobilienbranche könnten beispielsweise eine Vermeidung von Verstößen gegen das Gesetz zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung oder der Bestechung öffentlicher Amtsträger oder privater Entscheidungsträger, etwa um an Dienstleistungsaufträge zu kommen.

Compliance am Erfolg messen

Die auf Grundlage der Risikoanalyse identifizierten Ziele sind dem ICG zufolge wegen der fortlaufenden gesetzlichen Änderungen einem Wandel unterworfen und müssen regelmäßig angepasst werden.

Wesentlich ist dem ICG zufolge auch, wie ein Unternehmen mit Compliance-Verstößen umgeht. Eine angemessene Sanktionierung gehöre zu den Basiskomponenten einer erfolgreichen Compliance-Strategie, genauso wie die verbindlichen Unternehmensziele, die fortlaufende und dokumentierte Risikoanalyse, ein aktives Management durch Führungskräfte auf allen Ebenen (tone from the middle) oder ein etabliertes Hinweisgebersystem (Whistleblower) und die Verfolgung von Compliance-Fällen (Investigation) mit Ermittlern, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wichtig ist dem Arbeitskreis zufolge zudem ein kontinuierlicher Austausch mit der Politik, dem Gesetzgeber und den zuständigen Behörden stehen.


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