Kündigungsausschluss kippt Sonderkündigungsrecht nicht
Hintergrund: Kündigung trotz Kündigungsausschluss
Die Vermieter einer Eigentumswohnung verlangen vom Mieter nach einer Kündigung die Räumung. Sie hatten die vermietete Wohnung per Zwangsversteigerung erworben. Vier Tage später erklärten sie die Kündigung des Mietverhältnisses wegen Eigenbedarfs, da die Wohnung für ihren volljährigen Sohn benötigt werde.
In dem 2005 mit dem damaligen Eigentümer abgeschlossenen Mietvertrag ist unter anderem folgende Vereinbarung enthalten:
"Eine Eigenbedarfskündigung durch den Vermieter ist ausgeschlossen."
Unter Berufung auf diese Klausel akzeptiert der Mieter die Eigenbedarfskündigung nicht.
Entscheidung: Sonderkündigungsrecht bleibt bestehen
Der BGH gibt den Vermietern Recht. Die Eigenbedarfskündigung ist wirksam.
Der im Mietvertrag vereinbarte Ausschluss einer Eigenbedarfskündigung steht der vorliegenden Kündigung nicht entgegen. § 57a ZVG gewährt demjenigen, der eine vermietete Immobilie durch Zwangsversteigerung erwirbt, ein Sonderkündigungsrecht. Der Ersteher ist berechtigt, das Miet- oder Pachtverhältnis unter Einhaltung der gesetzlichen Frist zu kündigen, wobei die Kündigung nur für den erstmöglichen Termin zulässig ist. Dieses Sonderkündigungsrecht wird durch schuldrechtliche Vereinbarungen – wie hier über den Ausschluss einer Eigenbedarfskündigung – nicht ausgeschlossen, weil es zu den gesetzlichen Versteigerungsbedingungen gehört.
Ausgeschlossen ist das Sonderkündigungsrecht ausnahmsweise dann, wenn der Mieter im Zwangsversteigerungsverfahren sein Mietrecht angemeldet hat und der Zuschlag unter Ausschluss des Sonderkündigungsrechts erteilt worden ist. Dies war hier aber nicht der Fall, sodass das Sonderkündigungsrecht bestand.
Hier haben die Ersteher die Kündigung sofort nach dem Erwerb zum nächstmöglichen Termin ausgesprochen. Zudem haben sie mit dem Eigenbedarf ein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Mietverhältnisses – ein solches ist gemäß § 573d Abs. 1 BGB auch für die Ausübung des Sonderkündigungsrechts erforderlich – dargelegt.
(BGH, Urteil v. 15.9.2021, VIII ZR 76/20)
Das könnte Sie auch interessieren:
BGH: Vorsicht bei eigenmächtiger Räumung nach Zwangsversteigerung
-
Befristeter Mietvertrag: Darauf sollten Vermieter achten
986
-
Videoüberwachung im Mehrfamilienhaus: was ist erlaubt?
929
-
Untervermietung: Was der Vermieter dulden muss und was nicht
844
-
Balkonkraftwerke: Das gilt für WEG & Vermieter
700
-
BGH kassiert "Drei-Angebote-Regel"
548
-
Rückforderung von Betriebskostenvorauszahlungen hat Grenzen
544
-
E-Mobilität im Mehrparteienhaus: Förderung startet
518
-
Schönheitsreparaturen: Zulässige Klauseln im Mietvertrag
463
-
Betriebskostenvorauszahlung: Das gilt bei Anpassungen
453
-
Jahresabrechnung nach Verwalterwechsel
4261
-
Wirtschaftliche Vorteile und Fördermöglichkeiten
07.04.2026
-
Technologien und Systeme im Energiemanagement
07.04.2026
-
Zukunftstrends im Energiemanagement
07.04.2026
-
Strategien zur Energieeinsparung in Immobilien
07.04.2026
-
Grundlagen des Energiemanagements in Immobilien
07.04.2026
-
BGH kassiert "Drei-Angebote-Regel"
27.03.2026
-
E-Mobilität im Mehrparteienhaus: Förderung startet
26.03.2026
-
Faktischer Verwalter muss wie bestellter Verwalter agieren
25.03.2026
-
Heizungsraum kann Sondereigentum sein
18.03.2026
-
VDIV-Jahresumfrage 2026 zur Verwalterbranche
18.03.2026