Wie fließen Balkone in die Wohnfläche ein? Eine eindeutige Regelung gibt es nicht. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Berlin fließen Balkone nur mit einem Viertel ihrer Fläche in die Berechnung der Wohnfläche ein, so das LG Berlin. Dass viele private Vermieter Balkone zur Hälfte berücksichtigen, begründe keine andere örtliche Verkehrssitte.

Hintergrund: Berechnung der Wohnfläche strittig

Die Vermieterin einer Wohnung in Berlin-Wedding verlangt vom Mieter die Zustimmung zu einer Mieterhöhung. Im Zuge dessen streiten sie darüber, welche Wohnfläche der Berechnung der Miethöhe zugrunde zu legen ist. Insbesondere ist strittig, ob die Flächen der beiden Balkone der Wohnung mit einem Viertel oder zur Hälfte anzusetzen sind.

Entscheidung: Balkonfläche zählt zu 25 Prozent zur Wohnfläche

Die Fläche der Balkone ist der Wohnfläche entgegen einer in Berlin weit verbreiteten Praxis lediglich mit einem Viertel zuzurechnen.

Grundsätzlich ist bei nicht preisgebundenem Wohnraum die Größe einer Wohnung nach der örtlichen Verkehrssitte zu ermitteln. Dabei kommen neben der für preisgebundenen Wohnraum anwendbaren Wohnflächenverordnung auch alternative Regelwerke wie DIN-Vorschriften in Betracht.

Um die örtliche Verkehrssitte festzustellen, hat ein gerichtlich bestellter Sachverständiger mittels eines Fragebogens diverse Berliner Vermieter befragt, wie sie Balkone bei der Berechnung der Wohnfläche berücksichtigen. Demnach ermittelt die Mehrheit der Großvermieter die Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung, nach der die Flächen von Balkonen im Regelfall nur mit einem Viertel zu berücksichtigen sind. Hingegen setzen viele Privatvermieter Balkone zur Hälfte an.

Die Handhabung durch die Privatvermieter ist nicht als örtliche Verkehrssitte anzusehen, da die Mehrheit der Vermieter mit der Wohnflächenverordnung ein Regelwerk als verbindlich ansieht, das bei zutreffender Anwendung eine anderweitige Flächenberechnung vorschreibt. Demnach sind die Flächen von Balkonen in Berlin bei der Berechnung der Wohnfläche grundsätzlich nur mit einem Viertel anzusetzen.

(LG Berlin, Urteil v. 17.1.2018, 18 S 308/13)

Balkon und Wohnfläche: BGH hat das letzte Wort

Das Urteil des LG Berlin ist nicht rechtskräftig. Voraussichtlich hat der BGH das letzte Wort zu der Frage, wie Balkone in die Wohnfläche einfließen. Dort ist die Revision der Vermieterin unter dem Aktenzeichen VIII ZR 33/18 anhängig.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnfläche, Balkon, Mieterhöhung, Mietrecht

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