Exklusivbeitrag: Jetzt kostenlos registrieren und alle Exklusivbeiträge nutzen.
Modulares Bauen

Nachhaltigkeit im Fokus des modularen Bauens


Nachhaltigkeit im Fokus des modularen Bauens

Modulares Bauen gilt als nachhaltig, besonders, wenn Holzmodule zum Einsatz kommen. Die industrielle Vorfertigung ermöglicht außerdem präzise Herstellungsprozesse und reduziert Abfall. Dennoch gilt es, Transportwege und den gesamten Lebenszyklus der Materialien im Blick zu behalten.

Modulares Bauen ist schon im Kern nachhaltig. Je standardisierter der Modulbau, desto einfacher, günstiger und klimaschonender wird das Bauvorhaben. Denn statt immer wieder von vorne anzufangen, können Bauherren auf bereits bestehende Konzepte und Module zurückgreifen, die im Bestfall bereits maximal auf Nachhaltigkeit getrimmt sind.

Module können demontiert und für andere Zwecke wiederverwendet oder recycelt werden. Im Idealfall verlängert das den Lebenszyklus der Bauteile und reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen.

Verwendung umweltfreundlicher Materialien wie Holzmodule 

"Der Modulbau entfaltet sein volles Potential bei der Verwendung von Holz“, sagt Fabian Viehrig, Leiter im Bereich Bauen und Technik im Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

Die Vorteile des Holzmodulbaus sind aus seiner Sicht vielfältig: Erstens, es gibt eine geringe Fehlertoleranz und damit eine höhere Passgenauigkeit. Zweitens, die Materialien, also vor allem das Holz, können in der Fabrik sehr sparsam und maximal effizient eingesetzt werden, während es auf klassischen Baustellen oft zu mehr Verschnitt kommt, der nicht mehr genutzt werden kann. Drittens, der entstehende Staub kann besser gemanagt werden. Er gelangt nicht in die Umwelt, weil er in der geschlossenen Halle aus der Luft gefiltert und fachgerecht entsorgt wird. 

Einen Nachteil sieht Viehrig aber dennoch: "Im Modulbau gibt es im Vergleich mehr Transporte. Statt wie beim klassischen Bau wenige Male Kies und Zement auf die Baustelle zu fahren, braucht es für den Transport der Module mehr Fahrten." Entscheidend sei daher auch, wie weit das ausführende Modulbauunternehmen von der Baustelle produziert. Die Gesamtbilanz lässt sich in einer CO2-Fußabdruck-Rechnung ausrechnen, dem Global-Warming-Potencial (GWP). "Wohnungsbauunternehmen können auch mithilfe des GWP verschiedene Modulbau-Anbieter vergleichen", empfiehlt Viehrig.  

Wer die Gesamtnachhaltigkeit des geplanten Gebäudes berechnen möchte, muss berücksichtigen, dass Holz am Ende seiner Lebenszeit per Definition verbrannt wird. Dabei wird das darin gespeicherte CO2 freigesetzt. Eigentlich sollte es aber wiederverwendet werden. Bei klassischer Bauweise mit Zement entstehen die Emissionen hingegen direkt zu Baubeginn, nämlich dann, wenn der Zementklinker gebrannt und das CO2 ausgetrieben wird. Während seiner Standzeit nimmt der Beton aber wieder einen Teil CO2 auf. "Eine Lebenszyklusberechnung hat also auch immer Grenzen und Randdefinitionen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen“, sagt Viehrig. 

Reduktion von Abfall durch präzise Fertigungsprozesse

Während auf Baustellen oft Verpackungsmaterial umherweht oder beim Nachbarn im Garten landet und immer mal wieder etwas neben dem Container landet statt darin, punkten Modulbaufertiger mit einer systematischen Mülltrennung. "Im Werk lässt sich Abfall viel besser organisieren und trennen. Das erleichtert die Entsorgung und das Recycling", sagt Markus Steppler, Geschäftsführer der Modulbaufirma Derix und Berater und Sachverständiger für Modulbau. 

Noch ein ganzes Stück weiter geht der Cradle-to-Cradle-Ansatz. Der Grundsatz dieser Methode ist, dass alles wieder genutzt und das Gebäude irgendwann wieder in seine Einzelbestandteile zerlegt werden kann. "Alles, was ich vorfertigen kann, kann ich später auch wiederverwenden“, so Steppler. Am nachhaltigsten ist es, wenn am Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes ganze Module erneut genutzt werden. Doch das ist nicht immer möglich – nicht nur aufgrund unterschiedlicher Zwecke, sondern auch, weil sich DIN-Normen mitunter ändern. "Dann braucht es vielleicht eine neue Dämmung oder eine Ausnahmegenehmigung", ergänzt Steppler. 

Realisierung energieeffizienter Standards

Die Fertigung im Werk ermöglicht es, die Module nicht nur sehr genau zu bauen, sondern auch in einem kontrollierten Umfeld. Während beim Bau vor Ort auf der Baustelle alle Materialien und natürlich die arbeitenden Menschen Sonne, Regen und Wind oder sogar Schnee ausgesetzt sind, bietet eine Werkhalle optimale Produktionsbedingungen. "So können wir schon in der Produktion kontrollieren, wie jedes einzelne Stahlteil gedämmt wurde", sagt Steppler.

Potenzielle Wärmebrücken lassen sich auf diese Art schnell identifizieren. Diese würden andernfalls später nicht nur für einen Wärmeverlust im Haus sorgen, sie könnten auch zur Schimmelfalle werden. Natürlich muss die finale Kontrolle trotzdem auf der Baustelle stattfinden, doch die Werksfertigung gewährleistet im Modulbau eine hohe Qualität. 

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass viele mit Modulen gebaute Immobilien quadratisch bis rechteckig sind. Das heißt: Es gibt eine große Innen- und eine geringe Außenfläche. "Aus so kompakten Baukörpern kann Energie schlechter entweichen, sie sind also energieeffizienter zu betreiben", sagt Derix-Chef Steppler. 

Ein Satteldach, das die Energieeffizienz in einem Gebäude erhöhen kann, ist in Modulbauweise aber nicht herzustellen und kann nur auf Wunsch im Nachhinein installiert werden. Alternativ bietet sich ein begrüntes Flachdach an. "Das fungiert im Winter als zusätzliche Dämmschicht und hält im Sommer kühl", fasst Steppler zusammen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Holzbau – eine Alternative für die Immobilienbranche

Schlagworte zum Thema:  Modulbau , Neubau , Wohnungsbau , Nachhaltigkeit
0 Kommentare
Das Eingabefeld enthält noch keinen Text oder nicht erlaubte Sonderzeichen. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe, um den Kommentar veröffentlichen zu können.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion