Neue Nüchternheit in Dubai?
Herr Rey, wie kann man sich Ihren beruflichen Alltag als Makler in Dubai vorstellen – arbeiten Sie alleine, im Team oder in einer klassischen Agenturstruktur?
Jonathan Rey: Ich bin tatsächlich alleine unterwegs und habe vor knapp zwei Jahren meine eigene Makleragentur gegründet. Ursprünglich hatte ich mich auch bei anderen Agenturen beworben, aber das war einfach nicht so meins. Ich bin nicht der klassische Anzugträger-Makler.
Häufig hieß es in Agenturen: Wir stellen dich ein, du baust den deutschen Markt auf und machst Druck auf die Kaufinteressenten. Dieses Gefühl von "Pressure Sales" war für mich nicht passend. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.
Die komplette Folge mit Jonathan Rey zum Nachhören:
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Ich arbeite hier in einem kleinen Coworking Space. Viel läuft über Social Media – dort kommen auch die meisten Kundenanfragen rein, weil ich kein großes Netzwerk aus Deutschland mitgebracht habe. Freelancer unterstützen mich im Social-Media-Bereich. Ansonsten bin ich allein unterwegs, also wirklich Einzelkämpfer.
Mein Fokus liegt auf Ferienimmobilien – vom Luxussegment bis zu kleineren Objekten. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr eine Immobilie für 1,5 Millionen Euro verkauft, aber auch eine für 150.000 Euro. Dabei geht es weniger ums klassisches Auswandern, sondern vor allem um Feriennutzung und Vermietung über Plattformen wie Airbnb oder Booking.com.
Immobilienmarkt Dubai: Erosion am Aktienmarkt
Hat sich Ihr Geschäft seit Kriegsbeginn verändert – merken Sie die Auswirkungen im Markt?
Das ist natürlich eine andere Situation als zuvor. Ich bekomme jetzt vermehrt Anfragen von Leuten, die gezielt nach Deals unter Marktwert suchen und von der Situation profitieren wollen. Das ist deutlich häufiger geworden. Gleichzeitig gibt es auch viele, die sagen: Ich möchte eher etwas Sicheres.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Ehepaar aus Mannheim, das eine Doppelhaushälfte hier sucht – also trotz der Situation weiterhin kaufen möchte. Allerdings in einer sehr sicheren Gated Community eines etablierten Bauträgers. Das ist ein anderes Käuferverhalten als bei klassischen Investoren, die zuvor eher Apartments als reine Kapitalanlage gekauft haben.
Interessant ist auch die Entwicklung am Aktienmarkt. Immobilien- und Bauträgeraktien wurden dort deutlich stärker abgestraft. Der größte Bauträger weltweit außerhalb Chinas hat etwa zeitweise über 40 Prozent verloren, sich inzwischen aber teilweise wieder erholt.
Der Aktienmarkt reagiert immer schneller als der Immobilienmarkt. Dort sieht man Entwicklungen früher. Im Immobilienmarkt spürt man aber schon, dass die Transaktionen zurückgehen. Insgesamt kommen weniger Investoren in den Markt, was aber auch gut für den Markt sein wird.
Was genau meinen Sie damit – dass sich der Markt gerade bereinigen könnte?
Ich habe die Preisentwicklung der letzten Jahre in Dubai immer mit einer kritischen, eher deutschen Brille betrachtet. Dabei habe ich mich oft gefragt: Wer soll dort am Ende eigentlich wohnen? Es wurde häufig vermittelt, man könne Apartments schnell mit Gewinn weiterverkaufen und habe nach einem Jahr bereits eine deutliche Wertsteigerung.
Das sehe ich kritisch, weil eine Immobilie für mich keine Kryptowährung ist. Eine Verdopplung des Wertes in so kurzer Zeit ist auch unrealistisch. Insofern kann die aktuelle Situation dem Markt durchaus guttun, weil sich möglicherweise eine Korrektur bei überteuert verkauften Projekten vollzieht.
Es gibt grundsätzlich zwei Lager: sehr positive Stimmen, oft von Influencern, die ein perfektes Bild zeichnen, und andere, die den Markt komplett abschreiben. Ich sehe das eher in der Mitte. Kurz- bis mittelfristig wird es sicher Auswirkungen auf Tourismus und Immobilienmarkt geben, gleichzeitig kann sich der Markt dadurch auch stabilisieren.
Der Status als "Schweiz des Mittleren Ostens" ist angekratzt und Vertrauen muss sich neu aufbauen. Die hiesige Regierung denkt zum Glück sehr langfristig, etwa mit dem Dubai 2040 Masterplan. Im Marketing sagt man: Markenaufbau dauert Jahre, Zerstörung geht schnell – und Vertrauen braucht entsprechend Zeit, um zurückzukehren.
Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Jonathan Rey.
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