GIS-Software

Digitale Tools für das Grünflächenmanagement


GIS-Software: Digitale Tools für das Grünflächenmanagement

Geoinformationssysteme (GIS) können Kosten für die Pflege und Verwaltung von Grünanlagen senken. Sie bieten Unternehmen Übersicht, erleichtern die Dokumentation der Verkehrssicherungspflicht und können Biodiversität fördern.

Die Ausschreibung von Garten- und Winterdiensten war bei der Wohnungsgenossenschaft Ratingen eG vor 14 Jahren ein aufwändiges Unterfangen. "Mit einem Messrad mussten Gehwege und die Umrandungen von Rasenflächen abgegangen werden, um die Größe der Flächen zu ermitteln", sagt Gisela Zappe, Abteilungsleiterin Technik bei der Genossenschaft mit rund 2.000 Wohnungen in der 90.000 Einwohner zählenden nordrhein-westfälischen Stadt. "Dabei blieb immer ein Unsicherheitsfaktor, weil das Distanzrad nicht völlig exakt gerollt werden kann."

Heute muss Zappe an ihrem Rechner nur ein paar Knöpfe drücken und bekommt die Informationen auf den Quadratzentimeter genau. Die Wohnungsgenossenschaft setzt seit 2012 auf Geogreen, einen Anbieter digitaler Lösungen für das Grünflächenmanagement. Kern des Angebots ist ein Geoinformationssystem (GIS), in dem sämtliche relevanten Daten enthalten sind. "Die Bandbreite reicht von der genauen Größe jeder Grünfläche und der Länge und Breite jedes Weges bis hin zu Katastern für Spielplätze und Bäume", sagt Zappe.

Kataster: Position jedes Baumes ist vermerkt

Exakte Daten bieten Firmen bei Ausschreibungen Vorteile: "Jeder Garten- und Landschaftsbauer, jeder Winterdienstanbieter weiß genau, welcher Aufwand auf ihn zukommt, und kann sein Angebot entsprechend genau kalkulieren", sagt die Diplom-Ingenieurin. Das senke die Kosten für die Wohnungsgenossenschaft. "Unternehmen müssen bei ihren Geboten keinen Aufschlag für unsichere Flächenangaben vornehmen", ergänzt Zappe.

Ein weiterer Vorteil ist das Baumkataster samt der vom Softwareanbieter selbst vorgenommenen Kontrollen mit regelmäßigen Baumbegehungen. Die Experten dokumentieren dabei jeden Schritt ihrer Tätigkeit. "Damit erfüllen wir die Auflagen der Verkehrssicherungspflicht", sagt die Abteilungsleiterin. Zeigt eine Begehung, dass einzelne Äste geschnitten oder ein ganzer Baum zum Schutz von Passanten gefällt werden müsse, könne eine Spezialfirma exakt mit den erforderlichen Arbeiten beauftragt werden. Im Programm sei die Position jedes Baumes konkret vermerkt. Über ein Tablet gebe der Kontrolleur ein, welche Arbeiten nötig seien. Bis hin zu exakt den Ästen, die abgetrennt werden müssen.

Grünflächen: Aufmaßplan als Basis

Geogreen, 2003 gegründet, ist einer der größeren Anbieter von IT-Lösungen für das Grünflächenmanagement in Deutschland. Rund 30 Wohnungsunternehmen – von Dresden und Rostock im Osten bis nach Düsseldorf und Köln im Westen – umfasst der Kundenstamm. Die Grundlage der Dienstleistung basiert darauf, aus den Katastern der jeweiligen Kommune und Luftbildaufnahmen einen exakten Aufmaßplan der Grünflächen des Wohnungsunternehmens zu erstellen.

"Da die Unterlagen der Gemeinden nicht immer zentimetergenau sind und Luftbildaufnahmen häufig durch Schattenwürfe von Gebäuden Ungenauigkeiten aufweisen, kontrolliert ein Vermesser von uns zusätzlich vor Ort die Freiflächen zur exakten Bestimmung des Umfangs", sagt Claudia Ebbers-Fiegl, Mitglied der Geschäftsleitung des Göttinger Unternehmens.

Aus diesen Daten entwickelt die GIS-Software anschließend ein digitales Grünflächenkataster, in dem der exakte Verlauf und die Breite und Länge jedes Weges, jeder Rasenfläche, jedes Buschbestandes sowie jedes einzelnen Baumes und Spielplatzes in unterschiedlichen Farben festgehalten ist. "Dadurch können Wohnungsunternehmen, die Arbeiten für einzelne Grünflächen, Spielplätze und Winterdienste an den jeweiligen Adressen ihrer Mehrfamilienhäuser umfassend genau ausschreiben“, sagt Ebbers-Fiegl.

Über eine App könnten die beauftragten Firmen die von ihnen geleisteten Arbeiten mit exakter Zeitangabe dokumentieren. "Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn es um die Verkehrssicherungspflicht geht", sagt die Managerin. Die mit dem Winterdienst beauftragten Firmen könnten so belegen, dass ihre Mitarbeitenden die Gehwege den Zeitauflagen der jeweiligen Kommune entsprechend rechtzeitig geräumt und gestreut haben. Ebenso ließen sich bei Spielplatz- und Baumbegehungen die Kontrollen sowie die Erledigung etwaig nötiger Reparaturen und Astkappungen zeitgenau festhalten.

Grünflächenmanagement: Relevanz nimmt zu

Die wirtschaftliche Bedeutung des Grünflächenmanagements wächst. Dies zeigt eine Auswertung des BGL Bundesverbands Garten- und Landschaftsbau. Danach erzielten die 19.636 Branchenfirmen mit 131.166 Mitarbeitenden 2024 einen Umsatz von 10,65 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von drei Prozent gegenüber den 10,34 Milliarden Euro im Vorjahr und ein Plus von stattlichen 19,3 Prozent gegenüber den 8,93 Milliarden Euro im Jahr 2019.

Größter Auftraggeber sind private Haushalte mit einem Umsatzanteil von 56,58 Prozent 2024. An zweiter Stelle steht die öffentliche Hand mit 20,14 Prozent gefolgt von der Wohnungswirtschaft mit 10,1 Prozent. 

Zu den bedeutenden Anbietern im digitalen Grünflächenmanagement in Deutschland zählt auch die Vonovia SE. Ihre Tochter Vonovia Grünflächen- & Gebäudeservices bewirtschaftet mit rund 2.100 Mitarbeitenden bundesweit 24 Millionen Quadratmeter Grünfläche, 480 Kilometer Hecken und 262.000 Bäume auf eigenen Grundstücken und für Dritte.

"Aufgrund des Erfolgs der digitalen Lösungen im eigenen Bestand bieten wir unsere Dienstleistungen auch externen Kunden an", sagt Norbert Rieger, Geschäftsführer Wohnumfeld Vonovia. Das Unternehmen setze "konsequent auf Digitalisierung als Schlüssel für ein nachhaltiges und lebenswertes Wohnumfeld", betont der Bereichsleiter. Mit den modernen Technologien könnten zudem neue gesetzliche Vorgaben wie die der "EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur" leichter bewältigt werden.

Ökologisches Potenzial besser nutzen

"Die digitale Flächen-Management-Lösung ermöglicht eine exakte und ressourcenschonende Planung und Pflege." Dabei würden detailliert Umweltbedingungen, der Zustand und die Artenvielfalt von Bäumen sowie Klimarisiken erfasst und analysiert.

"Mithilfe von digitalen Tools und umfangreichen Daten können wir ökologische Potenziale besser nutzen, Risiken frühzeitig erkennen und unser Engagement für Nachhaltigkeit gezielt steuern", sagt Rieger. Im Zentrum steht ein Geoinformationssystem, das alle Grün- und Freiflächen, Bäume und Spielplätze digital in anschaulichen Kartenansichten abbildet. "Auch Sonderflächen wie Mietergärten oder für Insektenhotels, Habitate oder Zisternen werden integriert", sagt Rieger.

"So sichern wir den Erhalt und Ausbau naturnaher Flächen, fördern Biodiversität und stellen sicher, dass ökologische und soziale Aspekte Hand in Hand gehen." Die Digitalisierung erleichtere nicht nur die Organisation, sondern schaffe auch Transparenz für die Mieterinnen und Mieter des Wohnungsunternehmens. "Der Pflegeaufwand wird nachvollziehbar, Betriebskosten werden transparent abgerechnet, und die Steuerung der Leistungen erfolgt bedarfsgerecht und effizient", erläutert Rieger.

Effizienzgewinn nach anfänglichem Umstellungsaufwand

Die Woge Saar Wohnungsgesellschaft Saarland mbH, Bestandshalter von fast 5.500 Wohnungen, nutzt seit langem moderne Systeme mit digitalen Tools. Bereits seit 2013 kommt dabei auch ein Geoinformationssystem beim Grünflächenmanagement zum Einsatz. Und dies mit guten Resultaten. "Das GIS ermöglicht die Vernetzung der jeweiligen Akteure und optimiert die Arbeitsabläufe für Mitarbeitende und Kunden", sagt Unternehmenssprecher Jochen Wagner. Die Software führe "damit letztlich auch zu einer höheren Kosteneffizienz".

Um den optimalen Nutzen von digitalen Systemen beim Grünflächenmanagement zu erzielen, müssten Wohnungsunternehmen jedoch bereit und in der Lage sein, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, sagt Wagner: "Jede Einführung neuer, digitaler Systeme bedeutet zuerst immer einen gewissen Mehraufwand durch Schulungen von Mitarbeitenden und Umstellungen in den Arbeitsabläufen."

Das ist ein Beitrag aus der Ausgabe 03/2026 des Fachmagazins "DW Die Wohnungswirtschaft".  Sichern Sie sich den vollen Zugang über den Shop.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft , Digitalisierung
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