28.01.2014 | Top-Thema Betriebsprüfung: So funktionieren Kapitalangleichungen

Besonderheiten bei der Sonderabschreibung

Kapitel
Sonderabschreibung für Firmen-Pkw sind nur bei Privatnutzung unter 10 % erlaubt
Bild: Haufe Online Redaktion

Insbesondere im Zusammenhang mit einer Betriebsprüfung werden Bilanzberichtigungen erforderlich sein. Zur Wiederherstellung des Bilanzenzusammenhangs müssen im ersten Jahr nach dem Prüfungszeitraum Kapitalangleichungen vorgenommen werden. Wenn das Finanzamt z. B. die Sonderabschreibung für einen Pkw nicht anerkennt, erhöht der Betrag der Sonderabschreibung den Buchwert des Pkw.

Bei einer Sonderabschreibung wird der Buchwert des Kontos „Pkw“ 0320 (SKR 03) bzw. 0520 (SKR 04) erhöht. Gegenkonto ist das „Variables Kapital“ 0880 (SKR 03) bzw. 2010 (SKR 04).

Das Finanzamt hat eine Betriebsprüfung für die Jahre 2011 bis 2013 angeordnet. Der Prüfer stellt fest, dass die private Nutzung des Firmen-Pkw im Jahr 2013 mehr als 10 % betragen hat. Die steuerliche Sonderabschreibung im Jahr 2012 bleibt dem Unternehmer aber nur dann erhalten, wenn die private Nutzung auch im Jahr 2013 nicht mehr als 10 % beträgt.

Hinweis: Die Problematik, dass die Sonderabschreibung wegen einer mehr als 10%igen Privatnutzung wieder rückgängig gemacht wird, tritt nur bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften auf.
Da die private Nutzung im zweiten Jahr über 10 % liegt, muss die Sonderabschreibung im Jahr 2012 rückgängig gemacht werden. Das sieht so aus, dass das Finanzamt den Steuerbescheid für 2012 berichtigt, indem es (ohne Korrektur der Bilanz) den Gewinn 2012 um 6.000 EUR erhöht.

Abschreibungen im Vergleich

Buchung des Unternehmers

Änderung durch den Prüfer

Anschaffungskosten 201230.000 EUR30.000 EUR
lineare Abschreibung 20121.250 EUR1.250 EUR
Sonderabschreibung 20126.000 EUR-----
lineare Abschreibung 20135.000 EUR5.000 EUR
Buchwert zum 31.12.201317.750 EUR

23.750 EUR

Aber: Nach der Korrektur stimmt im Anlageverzeichnis zum 1.1.2014 der Buchwert des Firmenwagens nicht mehr. Der Buchwert ist wegen des Wegfalls der Sonderabschreibung um 6.000 EUR zu niedrig ausgewiesen. Spätestens beim Jahresabschluss für 2014 muss der Anfangswert des Firmenwagens um 6.000 EUR erhöht werden. Dazu bucht der Unternehmer wie folgt:

Konto
SKR 03/04
Soll
KontenbezeichnungBetrag
EUR
Konto
SKR 03/04
Haben
KontenbezeichnungBetrag
EUR
0320/0520Pkw6.0000880/2010Variables Kapital6.000

Praxisbeispiel Rückgängigmachung der Sonderabschreibung

Herr Huber hat im Oktober 2012 einen neuen Firmenwagen für 30.000 EUR zuzüglich 5.700 EUR Umsatzsteuer erworben. Mithilfe eines Fahrtenbuchs hat er nachgewiesen, dass er das Fahrzeug im Jahr 2012 nur zu 5 % privat (also fast ausschließlich betrieblich) genutzt hat.

Er macht für die Anschaffung im Jahr 2012 die lineare Abschreibung und die Sonderabschreibung von 20 % geltend. Er darf die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 und 6 EStG für das Jahr 2012 beanspruchen. Er kann die Sonderabschreibung geltend machen, auch wenn jetzt noch nicht feststeht, welchen Umfang die Privatnutzung im Folgejahr 2013 haben wird. Er berechnet die Abschreibung wie folgt:

lineare Abschreibung über 6 Jahre
(30.000 EUR : 6 = 5.000 EUR : 12 × 3 Monate =1.250 €
Sonderabschreibung (30.000 EUR × 20 % =)6.000 €
insgesamt7.250 €

Buchung: Lineare Abschreibung

Konto
SKR 03/04
Soll
KontenbezeichnungBetrag
EUR
Konto
SKR 03/04
Haben
KontenbezeichnungBetrag
EUR
4832/6222Abschreibungen auf Kfz1.2500320/0520Pkw1.250

Konto
SKR 03/04
Soll
KontenbezeichnungBetrag
EUR
Konto
SKR 03/04
Haben
KontenbezeichnungBetrag
EUR
4852/6242Sonderabschreibungen
nach § 7g Abs. 5 und 6
EStG (für Kfz)
6.0000320/0520Pkw6.000

Nichtanerkannte Sonderabschreibung

Die Sonderabschreibung gem. § 7g Abs. 6 Nr. 2b EStG kann nur dann geltend gemacht werden, wenn das Wirtschaftsgut im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im darauf folgenden Wirtschaftsjahr in einer inländischen Betriebsstätte (fast) ausschließlich betrieblich genutzt wird.

Ein Wirtschaftsgut wird fast ausschließlich betrieblich genutzt, wenn der private Nutzungsanteil nicht mehr als 10 % beträgt (R 7g Abs. 8 EStR). Betriebsprüfer werden daher die private Nutzung des Firmenwagens immer einer besonderen Prüfung unterziehen.

Unternehmer sollten deshalb Folgendes beachten:

  • Der Unternehmer muss nachweisen bzw. glaubhaft machen, dass er das Wirtschaftsgut, z. B. den Firmenwagen, zu nicht mehr als 10 % privat nutzt. Dazu muss er entweder ein Fahrtenbuch führen oder die betrieblichen Fahrten und die Gesamtkilometerleistung eines Jahres aufzeichnen, sodass daraus das Verhältnis der betrieblichen zu den privaten Fahrten problemlos ermittelt werden kann.
  • Überlässt der Unternehmer seinem Arbeitnehmer einen Firmenwagen, den er auch für Privatfahrten uneingeschränkt nutzen darf, liegt für den Unternehmer immer eine 100%ige betriebliche Nutzung vor. Der geldwerte Vorteil des Arbeitnehmers gehört zum Arbeitslohn. Der Arbeitslohn ist aber stets eine Gegenleistung dafür, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Trotz der Privatfahrten des Arbeitnehmers liegt somit eine 100%ige betriebliche Nutzung vor.

Die (fast) ausschließliche betriebliche Nutzung muss unbedingt in den ersten beiden Jahren vorliegen, also im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und im darauf folgenden Wirtschaftsjahr. Die beiden ersten Jahre sind entscheidend. Es nutzt nichts,

  • wenn die private Nutzung im 1. Jahr über 10 % liegt und diese erst im 2. Jahr auf 10 % oder weniger reduziert wird oder
  • die private Nutzung im 1. Jahr nicht mehr als 10 % beträgt, aber im 2. Jahr die 10 %-Grenze überschreitet.

Zur Beurteilung werden ausschließlich die beiden ersten Jahre herangezogen, sodass es keine Rolle spielt, ob die Privatnutzung im 3. bis 5. Jahr über 10 % liegt.

Schlagworte zum Thema:  Bilanz, Betriebsprüfung, Abschreibung

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