Rz. 61

Durch das Erfordernis der sachlich geordneten Erfassung der Geschäftsvorfälle (vgl. Rz. 38) werden verschiedene (Sach-)Konten[1] benötigt. Die Buchungen gleichartiger Geschäftsvorfälle werden auf einem Konto verdichtet.

Das sog. T-Konto teilt jedes Konto in eine Soll-Seite (linke Spalte) und eine Haben-Seite (rechte Spalte). Es existieren zum einen aktive und passive Bestandskonten, die in der Bilanz aufgehen. Zum anderen gibt es zweierlei Erfolgskonten: Erlöskonten und Aufwandskonten, die je nach Saldo in die Soll- oder Habenseite der Gewinn- und Verlustrechnung bzw. des GuV-Kontos (Gewinn- und Verlustrechnungskonto) eingehen.

Der doppelten Buchführung liegt folgende Systematik zugrunde:

  • Bestandskonten der Aktiva nehmen im Soll zu und im Haben ab.
  • Bestandskonten der Passiva nehmen im Soll ab und im Haben zu.
  • Erlöskonten nehmen im Soll ab und im Haben zu.
  • Aufwandskonten nehmen im Soll zu und im Haben ab.
  • Durch Abschluss des Kontos "Gewinn- und Verlustrechnung" wird der Saldo (= Gewinn oder Verlust) als Eigenkapitalveränderung in die Bilanz gebucht (vgl. Rz. 79).
 

Rz. 62

Im Sinne der Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit der Buchführung und zum Zwecke der Rationalisierung der Buchungsarbeit wurden verschiedene (Standard-)Kontenrahmen[2] entwickelt. Im Kontenrahmen wird jeder (Sach-)Kontenbezeichnung eine i. d. R. 4-stellige Nummer zugedacht. Die Personenkonten des Nebenbuches haben i. d. R. 5-stellige Kontonummern.

 

Rz. 63

Im Kontenrahmen sind alle zur Verfügung stehenden (Unter-)Konten übersichtlich durch sog. Kontenklassen, Kontengruppen und Kontenarten gegliedert. Die 4-stelligen Kontonummern beginnen jeweils mit der Ziffer ihrer Kontenklasse. Das folgende Beispiel veranschaulicht das dekadische Gliederungssystem eines sog. Spezialkontenrahmens.

 
Praxis-Beispiel

Gliederung eines Kontenrahmens am Beispiel von SKR 04

 
  Kontonummer Kontenbezeichnung
Kontenklasse (5) und (6)   Betriebliche Aufwendungen
Kontengruppe 6500 Fahrzeugkosten
Kontenart 6520 Kfz-Versicherungen
  6530 Laufende Kfz-Betriebskosten
  6540 Kfz-Reparaturen
  6550 Garagenmiete
 
Kontengruppe 6600 Werbekosten
Kontenart 6605 Streuartikel
  6610 Geschenke abzugsfähig ohne § 37b EStG
  6611 Geschenke abzugsfähig mit § 37b EStG
  6612 Pauschale Steuern für Geschenke und Zugaben abzugsfähig
  6620 Geschenke nicht abzugsfähig ohne § 37b EStG
  6621 Geschenke nicht abzugsfähig mit § 37b EStG
  6622 Pauschale Steuern für Geschenke und Zuwendungen nicht abzugsfähig
  6625 Geschenke ausschließlich betrieblich genutzt
  6629 Zugaben mit § 37b EStG
  6630 Repräsentationskosten

Bei vielen Kontenarten lassen sich durch Belegung der 4. Ziffer unternehmensindividuelle Unterkonten wie z.  B. 6521 Kfz-Versicherungen PKW, 6522 Kfz-Versicherungen LKW anlegen.

Bei anderen Kontoarten hingegen ist aufgrund der wachsenden Komplexität des Rechnungswesens und der steuerlichen Vorschriften die 4. Stelle inzwischen vorbelegt.

 

Rz. 64

Bei einer freiwilligen oder verpflichtenden Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS[3] können die Differenzbuchungen IFRS-HGB[4] sowie die Differenzbuchungen HGB-Steuerbilanz[5] in einer eigens dafür angelegten Kontenklasse vorgenommen werden. Falls im dekadischen System des Ausgangskontenrahmens keine Kontenklasse frei ist, besteht die Möglichkeit, für die Überleitungsbuchungen einen eigenen Buchungskreis anzulegen.[6]

 

Rz. 65

Hinsichtlich der funktionalen Gliederung, d. h. nach welchen Kriterien die einzelnen Konten in Kontenklassen, -gruppen und -arten zusammengefasst werden, ist zwischen dem Prozessgliederungsprinzip[7] und dem Abschlussgliederungsprinzip[8] zu unterscheiden.

Zu Einzelheiten vgl. "Kontenrahmen: Anforderungen nach HGB, IFRS und EStG".

 

Rz. 66

Da ein Unternehmen regelmäßig nicht alle zur Verfügung stehenden Konten der umfangreichen gängigen Kontenrahmen benötigt, kann es sich aus diesen einen individuellen Kontenplan ableiten, wobei die Kontonummern des Kontorahmens übernommen werden. Es werden lediglich die nicht benötigten Konten ausgeblendet, sodass die Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen und die Nachvollziehbarkeit der Buchführung gewährleistet sind.

[1] Die in der Offenen-Posten-Buchführung (Nebenbuch) benötigten Personenkonten werden in den Sachkonten Forderungen und Verbindlichkeiten verdichtet.
[2]

Zu den gebräuchlichsten Kontenrahmen vgl. "Kontenrahmen: Anforderungen nach HGB, IFRS und EStG", Rz. 9 ff.

[3]

Zu Einzelheiten vgl. "Buchführung/IFRS-Umstellung".

[4] Dies ist die Überleitungsrechnung zur HGB-Bilanz (Handelsbilanz).
[5] Dies ist die Überleitungsrechnung zur Steuerbilanz.
[7] Das Prozessgliederungsprinzip orientiert sich am Betriebsablauf. Beispiele: Standardkontenrahmen (SKR) 03 der DATEV e. G., Gemeinschaftskontenrahmen der Industrie (GKR).
[8] Das Abschlussgliederungsprinzip orientiert sich am Aufbau der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. Beispiele: Standardkontenrahmen (SKR) 04 d...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge