Finanzmanagement in Start-ups und Scale-ups

Das Dach: Kommunikation, Selbst- und Fremdführung

Fachliche Exzellenz wirkt erst, wenn sie verstanden wird. Der Abschluss der Serie widmet sich der Kommunikation mit Board, Investoren, Banken und Team, der Selbstführung als Voraussetzung wirksamer Führung und dem Blick auf das Haus des Finanzmanagements als Ganzes.

Das Haus
Abb. 1: Das Haus des Finanzmanagements – in diesem Teil: das Dach

Wirkung entsteht durch Kommunikation

Fachliche Exzellenz in Fundament und Säulen bleibt folgenlos, wenn sie im Unternehmen nicht verstanden wird. Finance wirkt als Brückenbauer und Übersetzer zwischen den Funktionen: Eine gemeinsame Sprache aus Zahlen, Prozessen und Zielen (geteilte KPIs, eine Single Source of Truth, der Budgetprozess als Dialog) überwindet Silos und Zielkonflikte, und die dazu nötige Übersetzungsleistung etabliert Finance als Sparringspartner der Organisation.

Abbildung 13-5

Die wichtigste Beziehung ist dabei das Tandem aus CEO und CFO: Die Gründerin oder der Gründer vertritt die Vision, der oder die CFO belegt mit Daten deren Umsetzbarkeit und kommerzielle Tragfähigkeit. Dieser Realitätscheck verlangt ein strategisches Gegengewicht mit klarer Governance und eine Streitkultur nach dem Prinzip »disagree and commit«. Jenseits des Tandems verlangt jede Stakeholder-Gruppe ihr eigenes Register.

StakeholderErwartungKommunikationsfokus des CFOs
Board / InvestorenTransparenz, VerlässlichkeitDaten, Abweichungen, Lösungen  ohne Beschönigung
Banken / KapitalgeberKapitaldienstfähigkeit, StabilitätPlanbarkeit, Covenants, langfristige Beziehung
FachbereicheUnterstützung im AlltagÜbersetzung, gemeinsame KPIs, Business Partnering
Finance-TeamOrientierung und EntwicklungKlarheit, Prioritäten, ehrliches Feedback

Tab. 1: Kommunikationsregister des CFOs je Stakeholder-Gruppe

Im Alltag entsteht diese Übersetzungsleistung durch konkrete Formate: Shadowing und interne Praktika im Vertrieb oder in der Operations, Schulungen im Sinne von »Finance für Nicht-Finanzler«, klar strukturierte Meeting-Formate und ein Budgetprozess, der als Dialog geführt wird und nicht als Verteilkampf. Was banal klingt, verändert beim Gelingen die Stellung der Finanzfunktion grundlegend vom Berichtslieferanten zum gefragten Gesprächspartner.

Selbstführung vor Fremdführung

Führungsarbeit ist im analytisch geprägten Finance oft das genaue Gegenteil der gewohnten Zahlenarbeit, denn sie lässt sich weder berechnen noch vollständig planen. Deshalb beginnt Führung bei der eigenen Person: Selbsterkenntnis, Resilienz, Konfliktfähigkeit und emotionale Intelligenz bilden die innere Eignung, auf der der Aufbau leistungsfähiger Teams erst gelingt. Führung ist damit auch ein Persönlichkeitsaspekt und lässt sich nur begrenzt aus Funktionsbeschreibungen ableiten.

Abbildung 13-6

Auf dieser Basis wandeln sich CFOs von Hüter*innen der Zahlen zu strategischen Impulsgeber*innen: Denken in Szenarien statt nur in Plan-Ist-Abweichungen, aktiv gestaltete Digital-Transformation und orchestrierte Steuerungsmaßnahmen mit C-Level und Aufsichtsgremien. Der Strategieprozess selbst folgt dabei einem wiederkehrenden Zyklus aus Evaluierung, Formulierung, Umsetzung, Monitoring und Anpassung:  die Vision geben Gründer(team) und Investoren vor, CFOs und ihre Teams präzisieren sie über Strategie und Kennzahlen.

Das Haus als Ganzes

Mit dem Dach schließt sich die Serie. Das Fundament aus Accounting, Controlling und Data trägt alles Weitere. Das Schutzschild sichert Vertrauen und Transaktionsfähigkeit, der Wachstumsmotor beschafft und bewirtschaftet Kapital, der Technologiehebel entkoppelt Wachstum vom Personalaufbau, der Multiplikator skaliert Wirkung über Menschen. Das Dach verbindet die Elemente und macht sie nach innen wie außen wirksam. Als Prüfschema taugt das Haus in beide Richtungen: Wo steht die eigene Finanzfunktion in jedem Element – und trägt das Fundament, was darauf gebaut werden soll?

Zum Abschluss der Blick auf die weiteren Themen dieses Buchteils: CEO/CFO-Zusammenarbeit und Health-Check, Meeting-Formate, Finance für Nicht-Finanzler, Steuerung externer Partner, Strategieprozess, CFO-Personas, Zeit- und Prioritätenmanagement sowie agile Führung.

Zum Weiterlesen

Dieser Beitrag basiert auf dem Buch »Finanzmanagement in Start-ups und Scale-ups. CFO-Know-how von Accounting bis Treasury«, herausgegeben von Dr. Veronika von Heise-Rotenburg (Schäffer-Poeschel, 2026). Auf rund 500 Seiten vertiefen erfahrene CFOs und Fachexpert*innen die hier skizzierten Themen – ergänzt um Checklisten, Praxisbeispiele und Literaturempfehlungen, jeweils im Peer-Review geprüft. Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich sowie direkt beim Verlag: Financemanagement in Start-ups und Scale-ups

Wer über die Lektüre hinaus unmittelbar von den Autor*innen lernen möchte: Im Herbst startet an der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft (HDBW) das Seminar zum Buch – mit den Autor*innen als Dozent*innen. Informationen unter: Startup-CFO - Berufsbegleitender Zertifikatslehrgang  

 

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