09.07.2015 | Serie Fachkonferenz Reporting 2015

Zukunftsbild für das Management Reporting

Serienelemente
Bild: Jens Gräf, Präsentation auf der Fachkonferenz Reporting 2015

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung eigener Daten mit der Umwelt führt zu neuen Herausforderungen im Management Reporting. Dabei sollen die Informationen schneller bereitgestellt werden – bei zunehmenden Qualitätsanforderungen an Berichte und Kennzahlen. Wenn den Controllern dieser Spagat gelingt, können sie ihre Rolle als Business Partner stärken.

Digitalisierung beschleunigt Entwicklung des Management Reportings

In den vergangenen 30 Jahren entwickelte sich das Management Reporting durch die Digitalisierung von einer anfangs hauptsächlich finanziell getriebenen Steuerung über den späteren Einsatz von Data Warehouse und Werttreibermodellen zu hochtechnologischen Systemen mit In-Memory-Lösungen in Zeiten von Big Data. Dabei nehmen die zeitlichen Abstände zwischen den technischen Innovationen ab. Für das Management Reporting ergibt sich hieraus eine Vielzahl von Herausforderungen (s. Abb. 1 in der Bilderserie). Bei der zunehmenden „Datenflut“ hat das Reporting stets zu berücksichtigen, welche spezifischen Daten für das Unternehmen relevant sind und welche nicht.

Integrierte Steuerungsmodelle und Lean-Reporting prägen das Zukunftsbild

Konferenzleiter Jens Gräf, verantwortlich für die Themen KPIs & Management Reporting bei Horváth & Partners, veranschaulichte die Auswirkungen der Digitalisierung auf wesentliche Kategorien des Zukunftsbildes zum Reporting: Steuerung/Berichtskonzept, Prozesse & Organisation, Anwenderschnittstelle und Datenverarbeitung (s. Abb. 2 in der Bilderserie).

KPI-Modelle als Ausgangspunkt

Das Wichtigste im Reporting sind die Inhalte und das wird auch in Zukunft so sein! Wie die KPI-Studie von Horváth & Partners zeigt, bestehen KPI-Modelle in der Mehrheit der Unternehmen noch immer aus einzelnen, miteinander unverbundenen Kennzahlen. Entsprechend gering sind Steuerungsrelevanz und Aussagekraft der darauf aufbauenden Berichte, was im Wesentlichen auf ein unzureichendes Berichtskonzept zurückzuführen ist. Dies wiederum erklärt die oft bestehende Unzufriedenheit mit dem Berichtswesen. Als Lösungsansatz empfiehlt sich ein konsistentes und integriertes Steuerungskonzept, welches aufbauend auf einem unternehmensspezifischen KPI-Set Planung, Reporting und Forecasting stärker miteinander verzahnt.

Schlanke Reportingprozesse und Community Organisation

Im Hinblick auf einen erfolgreichen und effizienten Reportingprozess ist sowohl die organisatorische Arbeitsteilung als auch die Umsetzung eines Lean-Reportings von Bedeutung. Die Vorteile eines effizienten Reportingprozesses liegen bspw. in der Kostensenkung, Schnelligkeit und Qualität. Jens Gräf mahnte in diesem Zusammenhang, dass viele Unternehmen im Hinblick auf einen effizienten Reportingprozess noch Nachholbedarf haben, da bisher zu viel „Data-Crunching“ und zu wenig Datenanalyse betrieben wird. Das Ziel für den Reportingprozess sollten daher wenige standardisierte, automatisierte Berichte sein, damit Zeit und Ressourcen sinnvoller genutzt werden können.

Flexible Anwenderschnittstelle

Ein elementarer Erfolgsfaktor ist die Gestaltung der Schnittstelle zum Anwender, der die Informationen für Entscheidungen nutzt. Damit sie tatsächlich vom Management genutzt wird,  muss die Schnittstelle intuitiv und ansprechend sein. Die Zukunft sieht Jens Gräf hier im Mobile Reporting, welches einen schnellen, flexiblen und ortsunabhängigen Informationszugriff gewährleisten soll.

Einheitliche Datenbasis

„Mehr als 640 Kilobyte Speicher braucht kein Mensch.“ Mit diesem optimistischen Satz, der Bill Gates zugeschrieben wird, wurden die Teilnehmer der Fachkonferenz hinsichtlich der exponentiell wachsenden Datenmengen sensibilisiert. Zukünftig gilt es, die permanent und enorm steigenden Datenmengen durch Single-Point-of-Truth-Datenmodelle und In-Memory-Lösungen beherrschbar zu machen. Die Entscheider werden in Zukunft trotz der Datenmenge nicht länger auf die Informationen warten wollen. Im Gegenteil: Sie wollen noch schneller Entscheidungen treffen, so dass langfristig Real-time-Analysen im Unternehmen nötig werden.

Self-Service-Reporting sorgt für einen „Pull“-Effekt

Traditionelle BI-Lösungen sind durch statische Berichte charakterisiert, die häufig auf nicht-standardisierten Excel-Oberflächen basieren. Heute werden die Berichte in den allermeisten Fällen an den Entscheider gesendet („Push“). Durch ein Self-Service-BI ist eine Trendwende vom Push zum Pull zu erwarten, da der Empfänger des Berichts nun in der Lage ist, orts- und zeitunabhängig Informationen abzurufen, wodurch der Gesamtprozess erheblich an Dynamik gewinnt. Folglich kann ein Self-Service-Reporting zur Lösung des Zeit-, Kosten- und Qualitätsdilemmas beitragen.

Controller vs. Data-Scientist - Wie sich die Rolle des Controllers ändern wird

„Weniger als 40 % der Teilnehmer geben an, dass das Management mit den erhaltenen Berichten zufrieden ist.“ Dies ergab die TED-Umfrage im Rahmen der letzten Fachkonferenz Reporting. Aus diesem Ergebnis lässt sich ein Nachholbedarf für den Controller ableiten. Demzufolge werden an das Controlling zukünftig umfangreiche Anforderungen gestellt. Der Data Scientist kann durch Datenmodellierungen und statistische Analysen den Controller unterstützen, damit dieser sich in Zukunft noch stärker auf die Rolle als Business Partner fokussieren kann. Wünschenswert hierbei ist, dass der Data Scientist direkt im Controlling angesiedelt wird, damit Analysen weiterhin aus einer Hand geliefert werden können.

Lesson Learned

„Das eine oder andere Unternehmen“, so Jens Gräf, „ist schon Schritte in diese Richtung gegangen, andere stehen noch am Anfang.“ Mit diesen aufgezeigten Erwartungen für die nächsten 3–5 Jahre ergeben sich für das Management Reporting große Herausforderungen, aber überwiegend neue Chancen. In Anlehnung an das Motto der diesjährigen Fachkonferenz Reporting „Reporting Excellence - schneller, einfacher, besser“, können die wesentlichen Aussagen für das Zielbild der Reporting Excellence prägnant zusammengefasst werden:

  • Schneller: Der Prozess der Datengewinnung, -verarbeitung und Informationsbereitstellung wird in Zukunft drastisch verkürzt.
  • Einfacher: Bei steigendem Informationsumfang wird die Komplexität beherrscht und, wo nötig, reduziert.
  • Besser: Die richtigen Informationen werden als wichtigste Basis für zukunftsorientierte Entscheidungen genutzt.
  • Reporting Excellence: Der Controller verantwortet und koordiniert die schnellere, einfachere und bessere Informationsversorgung und kann sich dadurch in Zukunft noch stärker auf die Rolle des Business Partners fokussieren.

Hier geht's zur Bilderserie "Zukunftsbild für das Management Reporting"

Schlagworte zum Thema:  Management Reporting, Digitalisierung, Horváth, Reporting, Veranstaltung

Aktuell

Meistgelesen