Warum Controller gerne Zeitreihen einsetzen
Die Länge der Periode spielt keine Rolle. Es kann sich um Jahre, Monate oder Tage handeln. In technischen Fragen kann sogar eine Minute eine ausreichende Periode sein, z. B. wenn Energieverbräuche einer Anlage mit unterschiedlicher Belastung verglichen werden.
Zeitreihen entfalten ihre besondere Wirkung auf das Publikum dann, wenn es kontinuierliche Veränderungen gibt. Werte, die starken, unbeeinflussbaren Schwankungen unterliegen, sind weniger geeignet.
Beispiel: Umsatzentwicklung und Großaufträge
Im Geschäft mit individuellen Großaufträgen ist der Umsatz davon abhängig, wann ein solcher Auftrag abgerechnet werden kann. So gibt es im Schiffsbau, ein sehr krasser Fall von Großauftrag, viele Monate keinen Umsatz, dann aber einen kräftigen Schub. Großbaustellen werden nach Jahren abgeschlossen.
Wann sich ein Zeitreihenvergleich nicht eignet
Ein Großauftrag muss immer relativ zur Unternehmensgröße gesehen werden. Das betrifft auch Handwerker, die einen größeren Auftrag annehmen. So auch der Fensterbauer, der anstelle der sonst üblichen Einfamilienhäuser für ein großes Verwaltungsgebäude Fenster liefert. Damit ist er einige Monate beschäftigt.
Eine solche Zeitreihe zeigt lediglich, dass sich in diesem Fall der Umsatz nicht für einen Zeitreihenvergleich eignet.
Unbeständige Werte in Zeitreihen
Wenn der Wert zu unbeständig ist, um in einer Zeitreihe dargestellt werden zu können, wendet der Controller einen zusätzlichen Trick an. Er ersetzt die eigentliche Kennzahl durch eine ähnliche, die jedoch stetiger ist. Im Fall des Umsatzes bei Großaufträgen kann der rechtlich definierte Umsatz durch eine individuell definierte Leistungskennzahl ersetzt werden. So kann z. B. der Umsatz anteilig zum Baufortschritt auf die Perioden verteilt werden.
Ziel des Controllers ist es, mit einer Zeitreihe besondere zusätzliche Inhalte an die Leser des Reports weiterzugeben.
- Zeitreihen berichten über lang- und mittelfristiges Wachstum bzw. über Rückgänge. Der aktuelle Wert wird in das Umfeld eingebettet.
- In einer Zeitreihenanalyse zeichnen sich Ausreißer besonders klar ab. Dadurch wird deutlich, womit in Ausnahmesituationen gerechnet werden muss.
- Aus einer Zeitreihe lässt sich die Schwankungsbreite einer Kennzahl erkennen. Maximale und minimale Werte können eingeplant werden.
- Saisonale Abhängigkeiten zeigen sich in einer Zeitreihe sehr deutlich, solange die Dauer der Zeitperiode die unterschiedlichen Werte nicht verschluckt.
Beispiel: Gartensaison
Der Controller, der für einen Hersteller von Gartengeräten arbeitet, zeigt in seinem Bericht die Umsatzentwicklung der letzten 10 Jahre.
Die Umsatzdelle im Jahr t-6 wurde schnell ausgeglichen. Aktuell wächst das Unternehmen. Auch langfristig ist ein Wachstumstrend festzustellen. Das wird durch das Einfügen eines Trends in die Grafik deutlich. Zurzeit wächst das Unternehmen sogar schneller als der Trend aus den letzten 10 Jahren.
In dieser Zeitreihe wird deutlich, dass das Unternehmen mit einer immer gleichen saisonalen Schwankung zurechtkommen muss. Dabei zeigen sich eine Untergrenze von ca. 200.000 Euro und eine Obergrenze von fast 1.400.000 Euro. Der deutliche Hinweis auf das stetige Wachstum geht in dieser Darstellung leider verloren.
Zeitreihen können zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen
Bereits die Zeitreihe für einen so einfachen Wert wie den Nettoumsatz kann also zu sehr unterschiedlichen Aussagen führen. Der Controller in diesem Beispiel hat sich dazu entschieden, beide Darstellungen – abhängig vom Empfänger – zu verwenden. Für Entscheidungen, die auf kurzfristige Wirkung und maximale Kapazitäten zielen, wird die Zeitreihe pro Monat verwendet. Für langfristige Planungen wie z. B. die Beschaffung von Kapital gibt die Zeitreihe mit den Jahreswerten bessere Informationen.
Controller haben mit Zeitreihen viele Möglichkeiten
Die Zeitreihe ist ein besonderer Trick, der vom Controller gerne mit anderen Kunststücken verbunden wird:
- Wird die Zeitreihe mit einem Trend ergänzt oder durch einen Trend ersetzt, wird eine Glättung erzielt. Die Schwankungsbreite wird geringer.
- Durch die Wahl des Zeitraums kann der Controller die Wirkung der gesamten Veränderungen beeinflussen. Er geht so weit zurück, dass er einen gewünschten Anfangswert findet.
- Ein eher kritischer Trick besteht darin, die einzelnen Perioden unterschiedlich lang zu wählen. So können Monats-, Quartals- und Jahreswerte vermischt werden. Das geht selbstverständlich nur mit relativen Werten, da absolute Werte summiert werden müssten.
- Mit der Wahl der Periodenlänge bestimmt der Controller den Detaillierungsgrad der Darstellung und kann so Werte verstecken oder betonen.
- Ausreißer in den Werten, die in den Zeitreihen auffallen würden, können durch Durchschnittswerte ersetzt werden. Das ist zulässig, wenn die Ausreißer keinen Einfluss auf den Aussageinhalt haben oder sogar falsche Aussagen erzeugen würden.
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